
Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich im 2. Quartal auf 4.3%, verfehlt Prognosen, während Exporte sprunghaft ansteigen und die Binnennachfrage schwächelt
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wuchs im schwächsten Tempo seit Ende 2022, da eine Immobilienflaute und schwaches Verbrauchervertrauen einen sprunghaften Anstieg der Juni-Exporte um 27% zunichtemachten.
Chinas Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 4.3% im Jahresvergleich und verfehlte damit die Konsensprognose von 4.5%, nachdem das Wachstum im ersten Quartal noch 5.0% betragen hatte. Das Nationale Statistikamt in Peking veröffentlichte die Daten am Mittwoch und bestätigte damit die schwächste vierteljährliche Expansion seit Ende 2022. Im ersten Halbjahr lag das BIP-Wachstum bei 4.7% und damit innerhalb der staatlichen Jahreszielspanne von 4.5% bis 5.0%, steht aber unter dem Druck einer sich vertiefenden Kluft zwischen einem robusten Außensektor und einer schwächelnden Binnenwirtschaft.
Zweigeteilte Wirtschaft: Exportboom bei stagnierendem Konsum
Die Industrieproduktion stieg im ersten Halbjahr um 5.4% und übertraf damit die Erwartungen. Allein im Juni legte sie um 5.3% zu, angetrieben von der internationalen Nachfrage nach Halbleitern, Computern und Fahrzeugen. Zolldaten, die einen Tag zuvor veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Exporte im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27% in die Höhe schnellten, während die Importe um 36% sprangen. Das Statistikamt bezeichnete die Außenhandelsleistung in seiner Veröffentlichung als „splendid“. Allerdings verschärft diese Exportstärke die Handelsspannungen mit der Europäischen Union, wo politische Entscheidungsträger darüber debattieren, wie mit dem Zustrom chinesischer Waren und der staatlich gestützten Überkapazitäten in Branchen wie Elektrofahrzeugen und Solarmodulen umzugehen ist.
Schwäche im Inland: Einzelhandel, Investitionen und Immobilien unter Druck
Die Einzelhandelsumsätze wuchsen im ersten Halbjahr 2026 nur um 1.3%, wobei allein im Juni ein Anstieg von 1.0% verzeichnet wurde. Die Anlageinvestitionen sanken im gleichen Zeitraum um 5.7%, nachdem sie von Januar bis Mai um 4.1% gefallen waren. Die privaten Investitionen gingen um 8.5% zurück, und selbst die staatlichen Investitionen sanken um 2.3%. Der Immobilienmarkt bleibt das akuteste Problem: Die Investitionen in diesem Sektor sind um 18% eingebrochen, während der Wert der Neubauverkäufe um 13.6% fiel. Der anhaltende Rückgang, der sich nun im fünften Jahr seit dem Platzen der Immobilienblase befindet, zerstört das Vermögen der Haushalte und das Verbrauchervertrauen.
Die schwache Binnennachfrage bleibt das schwächste Glied der chinesischen Wirtschaft.
Steigende Treibstoffkosten und Vorsorgesparen
Über die Immobilienkrise hinaus belastet auch der durch den Iran-Konflikt ausgelöste globale Ölpreisschock den Konsum. Steigende Treibstoffkosten haben viele chinesische Haushalte laut mehreren Berichten dazu veranlasst, weniger zu fahren und zu fliegen. Dies hat den ohnehin fragilen Konsumbasis zusätzlichen Druck auferlegt. Ein von Reuters zitierter Ökonom argumentierte, dass ohne stärkere fiskalische Unterstützung, einschließlich höherer Sozialtransfers und eines robusteren Gesundheits- und Rentensystems, die Vorsorgesparnisse hoch bleiben und der Konsum sich nur allmählich erholen werde.
Ohne stärkere fiskalische Unterstützung durch höhere Sozialtransfers und ein robusteres Gesundheits- und Rentensystem werden die Vorsorgesparnisse hoch bleiben und der Konsum sich nur allmählich erholen.
Politische Reaktion und die Suche nach neuen Wachstumsmotoren
Premierminister Li Qiang forderte bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern am Montag stärkere wirtschaftliche Unterstützung und neue Maßnahmen zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Die Regierung fördert außerdem Zukunftsbranchen, insbesondere künstliche Intelligenz, in der Hoffnung, das Wachstum sowohl durch neue Sektoren als auch durch die Modernisierung traditioneller Sektoren mit KI anzukurbeln. Bereits jetzt herrscht ein intensiver Wettbewerb zwischen Technologiegiganten wie Alibaba und Tencent, um KI in ihre Anwendungen zu integrieren. Doch Konsolidierungsbemühungen in überfüllten Sektoren wie der Automobil- und Solarindustrie haben nur bescheidene Ergebnisse erzielt, da mächtige lokale Beamte sich dagegen sträuben, unrentable Unternehmen zu schließen, aus Angst vor Massenarbeitslosigkeit.
Die Verlangsamung im zweiten Quartal war auf externe Faktoren zurückzuführen.
- BIP (1. Halbjahr)
- 4.7 %
- Industrieproduktion (1. Halbjahr)
- 5.4 %
- Einzelhandelsumsätze (1. Halbjahr)
- 1.3 %
- Anlageinvestitionen (1. Halbjahr)
- -5.7 %
- Immobilieninvestitionen (1. Halbjahr)
- -18 %
- Exporte (Juni)
- 27 %
- Importe (Juni)
- 36 %


