
Staatsanwalt im spanischen „Kitchen“-Prozess: Operation war ein „krimineller parapolizeilicher“ Plan zur Behinderung des Gürtel-Falls
Der Anti-Korruptionsstaatsanwalt César de Rivas erklärte vor einem Madrider Gericht, dass die Operation aus dem Jahr 2013 gegen den früheren PP-Schatzmeister Luis Bárcenas ein illegales Schema war, um belastende Dokumente zu stehlen und die Parteiführung zu schützen.
Schlussplädoyers
Der Anti-Korruptionsstaatsanwalt César de Rivas legte am Dienstag seine abschließenden Schlussfolgerungen im Prozess um die sogenannte „Kitchen-Operation“ vor und erklärte vor der Audiencia Nacional, dass die Beweise belegen, dass die Operation ein „krimineller parapolizeilicher“ Apparat war, der darauf abzielte, die gerichtliche Untersuchung des Gürtel-Korruptionsfalls zu „boykottieren und zu behindern“. Der am 6. April 2026 begonnene Prozess erreichte mit dem Plädoyer des Staatsanwalts seine 32. Sitzung.
Es hatte nichts mit der Untersuchung des Gürtel-Falls zu tun, sondern damit, Unterlagen zu beschaffen, um den Gürtel-Fall zu boykottieren.
De Rivas wies das Verteidigungsargument zurück, dass es sich bei der Operation um eine legitime Informationssammlung zur Aufspürung von Bárcenas‘ versteckten Vermögenswerten im Ausland gehandelt habe. Er wies darauf hin, dass die Informationen über Schweizer Bankkonten bereits in die Gürtel-Ermittlungen eingeflossen waren und die Einsatzkräfte weder den ermittelnden Richter noch die mit dem Fall befasste Polizeieinheit informiert hatten.
Ziel: Bárcenas
Der Staatsanwalt schilderte, wie die 2013 während der Regierung von Mariano Rajoy durchgeführte Operation darauf abzielte, Bárcenas‘ Fahrer Sergio Ríos als Informanten anzuwerben und Bárcenas‘ Ehefrau Rosalía Iglesias zu überwachen. Das eigentliche Ziel, so sagte er, sei es gewesen, sensible Dokumente und Aufnahmen zu beschlagnahmen, die Bárcenas angeblich besaß und die hochrangige PP-Persönlichkeiten belasten könnten.
Vom Moment der Planung der Operation an war ihr krimineller Zweck klar. Es ging darum, Informationen und Unterlagen zu beschaffen, die für die PP und ihre Spitzenführer kompromittierend sein könnten, genau um diese gerichtliche Untersuchung zu boykottieren.
De Rivas stützte sich stark auf die Tagebücher des pensionierten Kommissars José Manuel Villarejo, der ebenfalls vor Gericht steht. Er zitierte einen Eintrag vom 5. Februar 2013, der den möglichen Aufbewahrungsort von Material im Haus von Bárcenas‘ Mutter in Riaza, Segovia, diskutierte, sowie spätere Notizen über die Notwendigkeit einer strengeren Kontrolle über den ehemaligen Schatzmeister.
Beteiligung von Ministern
Der Staatsanwalt erklärte, dass die Beteiligung des damaligen Innenministers Jorge Fernández Díaz und seines Stellvertreters Francisco Martínez „im Prozess erwiesen“ sei. Er verwies auf belastende Nachrichten zwischen den beiden, die Martínez notariell hatte registrieren lassen, sowie auf Villarejos Tagebuchverweise auf „Chisco“ (Martínez).
Die Beteiligung, vom Moment der Anwerbung von Sergio Ríos an, sowohl von Francisco Martínez, Staatssekretär, als auch von Jorge Fernández Díaz in seiner Eigenschaft als Innenminister, ist erwiesen.
De Rivas argumentierte, dass die ranghohen Beamten die indirekte Kontrolle über Ríos durch die direkten Führungsoffiziere ausübten, wobei Villarejos Notizen zeigten, dass Martínez informiert wurde und einen „spezifischen Plan“ für die Operation verlangte.
Geforderte Strafen
Die Staatsanwaltschaft hielt an ihren am Montag bestätigten Strafanträgen fest. Die Forderungen reichen von 19 Jahren für Villarejo, der als Führungsoffizier des zum Informanten gewordenen Fahrers beschrieben wird, bis zu 15 Jahren für Fernández Díaz, Martínez, den ehemaligen stellvertretenden Einsatzleiter Eugenio Pino und Kommissar Andrés Gómez Gordo. Der frühere Fahrer Sergio Ríos muss mit zwölfeinhalb Jahren rechnen, der ehemalige Leiter der Internen Ermittlungen Marcelino Martín Blas mit zweieinhalb Jahren. Der Staatsanwalt fordert keine Strafe für Kommissar José Luis Olivera.
- José Manuel Villarejo
- 19 Jahre
- Jorge Fernández Díaz
- 15 Jahre
- Francisco Martínez
- 15 Jahre
- Eugenio Pino
- 15 Jahre
- Andrés Gómez Gordo
- 15 Jahre
- Sergio Ríos
- 12.5 Jahre
- Marcelino Martín Blas
- 2.5 Jahre
Der Prozess geht nun zu den verbleibenden Plädoyers der Staatsanwaltschaft über, gefolgt von den Schlussvorträgen der Verteidigung und dem Recht der Angeklagten auf eine abschließende Stellungnahme. Den Vorsitz des Gerichts führt Richterin Teresa Palacios.


