
Deutsche Kinderärzte fordern strenge Social-Media-Regeln und bezeichnen Plattformen als 'krank und dumm' für Jugendliche
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erklärt, soziale Medien machten Jugendliche 'krank und dumm', wirft Eltern schweres Versagen vor und fordert die Regierung auf, dem französischen Vorbild bei altersbasierten Plattformverboten zu folgen.
Alarm der Kinderärzte
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert strengere gesetzliche Regeln für Online-Plattformen wie TikTok und Facebook und verweist auf nachgewiesene Schäden für junge Nutzer. Jakob Maske, Bundessprecher des BVKJ und seit 30 Jahren Kinderarzt in Berlin-Schöneberg, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ in einem am Samstag veröffentlichten Interview, die Folgen der Social-Media-Nutzung bei Kindern würden in seiner täglichen Praxis immer sichtbarer. Die Fälle riskanter Bildschirmnutzung nähmen stetig zu, und die Bundesregierung sowie Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) müssten endlich handeln.
Dass soziale Medien Jugendliche krank und dumm machen, ist längst erwiesen.
Der BVKJ sei nun offen für ein Social-Media-Verbot für Kinder bis etwa 14 Jahre, so Maske, sofern Altersbeschränkungen nicht umgangen werden könnten. Er verwies auf England als Beispiel für ein Land, das nationale Bedingungen für Plattformen festgelegt habe, und argumentierte, Deutschland habe die Mittel, dasselbe zu tun. „Es gibt seit langem die Möglichkeit, nationale Bedingungen für Plattformen festzulegen“, sagte er.
Versagen der Eltern
Maske richtete scharfe Kritik an die Eltern und warf ihnen vor, bei der Bildschirmnutzung keine Grenzen zu setzen. Eltern müssten Grenzen setzen und selbst Vorbilder sein, aber das geschehe viel zu selten: Entweder versuchten sie es gar nicht oder scheiterten beim Versuch, Regeln durchzusetzen. Er beschrieb, wie er in seinem Wartezimmer Eltern und Kinder sehe, die an ihren Smartphones klebten, und merkte an, dass selbst Kleinkindern Kopfhörer und Tablets gegeben würden, um sie zu beschäftigen. Die Richtlinie der Kinderärzte laute „bildschirmfrei bis drei Jahre“.
Leider gibt es ein schweres Versagen der Eltern, wenn es um soziale Medien und Bildschirmnutzung geht.
Kinder können dem offensichtlichen Einfluss der Plattformen kaum entkommen, und es ist für junge Menschen fast nicht mehr möglich, eine eigene freie Meinung zu bilden.
Internationale Regulierungslandschaft
Die Debatte über die Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder wird in vielen Ländern seit einiger Zeit geführt. Frankreich war das erste EU-Land, das ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren erließ. Mehrere andere Mitgliedstaaten, darunter Spanien, Griechenland und Österreich, planen ähnliche Beschränkungen für Minderjährige bis zu einem bestimmten Alter. In Deutschland hat Familienministerin Karin Prien (CDU) angekündigt, ein solches Verbot einzuführen, ein Vorschlag, der weiterhin stark umstritten ist. Australien, das mit seinem eigenen Verbot als Vorreiter galt, hat inzwischen Umsetzungsprobleme eingeräumt.
Kürzungen in der Psychotherapie
Über die Plattformregulierung hinaus appellierte Maske an Gesundheitsminister Linnemann, geplante Kürzungen bei Psychotherapieleistungen rückgängig zu machen. Ab Anfang nächsten Jahres sollen Kürzungen bei Kurzzeittherapien die Wartezeiten für junge Patienten verlängern. Maske sagte, Jugendliche mit psychischen Erkrankungen warteten bereits etwa drei Viertel eines Jahres auf Termine. Eine weitere Einschränkung der Versorgung gehe angesichts der hohen Fallzahlen in die falsche Richtung.
Es geht um die Zukunft unserer Kinder und damit um die Zukunft unserer Gesellschaft.


