Smarte Brillen lesen vor, aber KI bedroht auch Arbeitsplätze Blinder, warnt Thüringer Verband
Auf einer Konferenz in Weimar lobt der Thüringer Blindenverband heute das Potenzial der KI für den Alltag, warnt aber vor Arbeitsplatzverlusten und Diskriminierung.
Assistive KI in Sicht
Smarte Brillen, die Texte erkennen und vorlesen, Smartphone-Apps zur Navigation und Objekterkennung – diese KI-gesteuerten Werkzeuge verändern den Alltag blinder und sehbehinderter Menschen, so Joachim Leibiger, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen.
Assistenzsysteme wie smarte Brillen, die Informationen und Texte erkennen und verarbeiten können, sind hilfreich.
Die Technik ist in den Bügeln der Brille verbaut und arbeitet meist mit einem Smartphone zusammen. Für ältere Nutzer – mehr als die Hälfte der rund 900 Mitglieder des Verbandes ist über 60, 200 sind über 80 – kann die Einrichtung abschreckend wirken, daher planen die Kreisorganisationen Einführungskurse.
Hürden und fehlende Anerkennung
Trotz der Versprechen stehen digitale Hilfsmittel vor einer großen Hürde: Sie werden in Deutschland nicht offiziell als medizinische Hilfsmittel anerkannt.
Digitale Assistenzsysteme werden in der Regel nicht als medizinische Hilfsmittel anerkannt. Daher übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Kosten für Blinde und Sehbehinderte.
Das zwingt viele, die Kosten selbst zu tragen, und bremst die Verbreitung.
Arbeitsplätze und Voreingenommenheit in Gefahr
Der Verband weist auch auf Risiken hin, die mit der Verbreitung von KI einhergehen. Traditionell von Blinden ausgeübte Tätigkeiten – etwa Telefonisten – werden automatisiert. Leibiger warnt, dass KI bestehende gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Blinden reproduzieren und Diskriminierung verstärken könnte. Die heutige Konferenz in Weimar soll diese Abwägungen offen diskutieren.
Der Thüringer Kontext
Rund 3.100 Menschen in Thüringen sind offiziell als blind oder sehbehindert gemeldet. Sie erhalten eine monatliche Blindenhilfe von 472 Euro als Nachteilsausgleich. Die Interessenvertretung des Verbandes erfolgt zu einer Zeit, in der KI immer stärker in den Alltag einzieht, mit den beiden Zielen, den Zugang zu erweitern und neue Formen der Ausgrenzung zu verhindern.


