
Polens Kerninflation steigt im Mai auf 3,1 % und erreicht erstmals seit Monaten das Niveau des Gesamt-VPI
Die Nationalbank Polens veröffentlichte die Kerninflationszahlen für Mai 2026. Demnach stieg die Schlüsselkennzahl – bereinigt um Nahrungsmittel und Energie – im Jahresvergleich auf 3,1 %, nach 3,0 % im April, während der Gesamt-VPI unverändert bei ebenfalls 3,1 % lag.
Der Mai-Wert
Die polnische Gesamt-Verbraucherpreisinflation (VPI) lag im Mai 2026 bei 3,1 % im Jahresvergleich, wie aus den am Montag von Statistics Poland (GUS) veröffentlichten und am Dienstag von der Nationalbank Polens (NBP) bestätigten Daten hervorgeht. Im Monatsvergleich fielen die Verbraucherpreise um 0,3 %, wobei die Warenpreise um 0,4 % und die Dienstleistungspreise um 0,2 % sanken. Die Jahresrate verdeckt eine starke Divergenz: Die Dienstleistungspreise stiegen im Jahresvergleich um 5,7 %, während die Warenpreise nur um 2,1 % zulegten.
Das von Analysten am häufigsten verwendete Maß ist der Inflationsindikator ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise. Er zeigt die Preisentwicklung bei jenen Waren und Dienstleistungen, auf die die Geldpolitik der Zentralbank einen relativ großen Einfluss hat.
Kerninflationsmaße
Die NBP veröffentlichte vier Kerninflationsindikatoren für Mai. Das medienwirksame Maß – die Inflation ohne Nahrungsmittel und Energie – erreichte im Jahresvergleich 3,1 %, nach 3,0 % im April, und entsprach damit der Markterwartung. Zwei andere Maße zogen stärker an: Die Inflation ohne die volatilsten Preise stieg auf 3,3 % (von 3,0 %), und der 15-Prozent-gestutzte Mittelwert erreichte ebenfalls 3,3 % (von 3,0 %). Der einzige Indikator, der nachgab, war die Inflation ohne staatlich administrierte Preise; sie fiel von 2,9 % im Vormonat auf 2,8 %.
- Gesamt-VPI
- 3.1 %
- Ohne Nahrung & Energie
- 3.1 %
- Ohne volatilste Posten
- 3.3 %
- 15 % gestutzter Mittelwert
- 3.3 %
- Ohne administrierte Preise
- 2.8 %
Was die Zahlen antrieb
Die GUS führte den monatlichen Preisrückgang auf drei Kategorien zurück: Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (minus 1,0 % im Monatsvergleich), Erholung, Sport und Kultur (minus 2,1 %) sowie Verkehr (minus 0,5 %). Analysten der mBank merkten an, dass Gemüse – vermutlich frühe Frühjahrsprodukte – der Haupttreiber hinter dem Rückgang der Lebensmittelpreise war; organisierter Tourismus trug ebenfalls eine Dosis typischer saisonaler Volatilität bei. Der jährliche Anstieg der Dienstleistungskosten um 5,7 % bleibt der dominierende Belastungsfaktor für die polnischen Haushalte.
Die Inflation im Mai wurde bei 3,1 % bestätigt. Wie üblich im Mai waren Gemüse – sehr wahrscheinlich neue Frühjahrsprodukte – für den starken Rückgang der Lebensmittelpreise 'verantwortlich'. Organisierter Tourismus steuerte ebenfalls seinen Beitrag bei, ein klassischer Volatilitätsposten.
Politischer Kontext
Die NBP bekräftigte, dass sie jeden Monat vier Kerninflationsmaße berechnet, um „die Inflationsquellen besser zu identifizieren und ihre künftigen Trends genauer vorhersagen zu können“. Die Zentralbank betonte, dass Energie- und Kraftstoffpreise auf den globalen Märkten, teilweise unter spekulativem Einfluss, gebildet werden, während die Nahrungsmittelpreise stark vom Wetter sowie den landwirtschaftlichen Bedingungen im In- und Ausland abhängen. Die Angleichung der Kernrate an den Gesamt-VPI bei 3,1 % – beide sind nun identisch – bedeutet, dass der vorübergehende Disinflationseffekt durch Nahrungsmittel und Kraftstoffe den Gesamtwert nicht mehr unter den zugrunde liegenden Trend drückt. Damit entfällt ein statistisches Polster, das in den Vormonaten vorhanden war.
Was als Nächstes kommt
Die Mai-Daten treffen in eine Phase, in der die Kernrate seit mehreren Monaten allmählich steigt. Der Wert von 3,1 % entspricht genau den Markterwartungen, doch die Beschleunigung des gestutzten Mittelwerts und des Maßes ohne die volatilsten Posten – beide sprangen in einem einzigen Monat um 0,3 Prozentpunkte – wird die Aufmerksamkeit der Geldpolitiker im Währungsrat auf sich ziehen. Bei einer Dienstleistungsinflation von 5,7 % bleibt der inländische Nachfragekanal die Hauptquelle des Preisdrucks, auch wenn die Güterinflation mit 2,1 % eher verhalten ausfällt.


