
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Präsident des Obersten Gerichts Kapiński wegen Amtsanmaßung
Die Nationale Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Zbigniew Kapiński, den Präsidenten des Obersten Gerichts Polens, eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, durch rechtswidrige Anordnungen die Rechte von Verfahrensbeteiligten auf Ablehnung von Richtern verletzt zu haben. Der Richter bezeichnet die Maßnahmen als „politischen Angriff“.
Ermittlungen eingeleitet
Die Nationale Staatsanwaltschaft hat am Montag, dem 29. Juni, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Amtsanmaßung gegen Zbigniew Kapiński eingeleitet, der von 2023 bis Mai 2026 die Strafkammer des Obersten Gerichts leitete. Sprecherin Anna Adamiak erklärte, die Ermittlungen umfassen Anordnungen, die zwischen dem 8. Mai 2024 und dem 25. Mai 2026 erlassen wurden und angeblich Verfahrensvorschriften verletzten sowie die Rechte der Parteien beeinträchtigten, über Ablehnungsanträge zu entscheiden. Das Verfahren wurde durch eine Anzeige von Richtern des Obersten Gerichts vom 28. Mai ausgelöst, nachdem eine Analyse der Anordnungen und damit zusammenhängender Entscheidungen erfolgt war.
- Beginn des Untersuchungszeitraums: Kapiński erlässt als Leiter der Strafkammer angeblich die erste problematische Anordnung, die Ablehnungsanträge blockiert.
- Kapiński wird von Präsident Karol Nawrocki zum Ersten Präsidenten des Obersten Gerichts ernannt.
- Richter des Obersten Gerichts reichen eine formelle Anzeige bei der Nationalen Staatsanwaltschaft bezüglich der Anordnungen ein.
- Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein; Kapiński erhält vor 16:00 Uhr das Disziplinarverfahren zugestellt.
Kapiński spricht von politischem Angriff
Kapiński, der am 25. Mai 2026 zum Ersten Präsidenten des Obersten Gerichts ernannt wurde, bezeichnete die Ermittlungen noch am selben Tag, an dem ihm auch ein Disziplinarverfahren durch den Disziplinarbeauftragten des Obersten Gerichts eröffnet wurde, als „koordinierte politische Aktion“.
Er brachte das Disziplinarverfahren mit einem Vorfall aus dem Jahr 2024 in Verbindung, an dem die EU-Abgeordneten Maciej Wąsik und Mariusz Kamiński beteiligt waren. Er erklärte, er habe die Arbeitskammer daran gehindert, ein seiner Ansicht nach unzulässiges Anliegen zu verhandeln.Für mich ist dies ein politischer Angriff auf den Ersten Präsidenten des Obersten Gerichts.
Justizminister weist Kritik zurück
Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek wies Kapińskis Vorwürfe zurück und stellte fest, dass die Ermittlungen unabhängig von politischen Auseinandersetzungen geführt würden.
Żurek fügte hinzu, Kapiński sei lediglich amtierender Präsident und nicht der Erste Präsident, da ein sogenannter „Neo-Richter“ dieses Amt nicht innehaben könne. Die Ermittlungen wurden von einem speziellen Team von Staatsanwälten eingeleitet, das die Auswirkungen von Urteilen von Richtern untersucht, die nach dem Nationalen Justizrat von 2017 ernannt wurden.Wir machen unsere Arbeit. Ich äußere mich nicht zu den Aussagen von Leuten, die zur Zerstörung des Systems der Gewaltenteilung beigetragen haben.
Disziplinarverfahren ebenfalls eingeleitet
Neben den strafrechtlichen Ermittlungen hat der Disziplinarbeauftragte des Obersten Gerichts Kapiński am Montag eine Mitteilung über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens im Zusammenhang mit dem Vorfall vom Januar 2024 an die Kammer für Berufsverantwortung übermittelt. Kapiński gab an, der Brief sei „vor 16:00 Uhr“ eingegangen, nur wenige Stunden vor der Ankündigung der Staatsanwaltschaft. Das zeitliche Zusammentreffen der beiden Verfahren hat seine Ansicht eines koordinierten Vorgehens bestärkt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Ermittlungen umfassten nun formelle Verfahrensschritte und eine umfassende Prüfung aller Beweise, einschließlich der Anhörung der Richter, die die erste Anzeige eingereicht hatten.


