
FIFA untersucht Falkland-Banner argentinischer Spieler nach WM-Halbfinalsieg gegen England
Argentiniens 2:1-Aufholsieg gegen England in Atlanta wurde von einem politischen Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ überschattet, was Forderungen aus Großbritannien nach Sanktionen und eine Disziplinarprüfung durch die FIFA auslöste.
Argentinien sicherte sich mit einem dramatischen 2:1-Aufholsieg gegen England in Atlanta den Einzug ins WM-Finale, doch die Feierlichkeiten wurden sofort von einem politischen Sturm um ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ („Die Falklandinseln sind argentinisch“) überschattet. Die FIFA bestätigte am Freitag, dass ihr unabhängiges Disziplinarkomitee den Vorfall prüft, während britische Politiker aller Couleur Sanktionen forderten und der argentinische Präsident Javier Milei seine Unterstützung für die Spieler bekundete.
Das Spiel
England ging in der ersten Halbzeit in Führung und hielt diese bis tief in die zweite Hälfte, doch Argentinien schlug in den Schlussminuten zweimal zu. Enzo Fernández glich aus, bevor Lautaro Martínez in der Nachspielzeit den Siegtreffer erzielte – beide Tore wurden von Kapitän Lionel Messi vorbereitet. Der 39-Jährige, der bei seiner sechsten WM spielt, sagte, die Widerstandsfähigkeit des Teams überrasche ihn nicht.
Diese Gruppe überrascht mich nicht. Ich weiß und wir wissen, wozu wir fähig sind. Die Leute hatten vielleicht Zweifel an uns, weil wir Spieler hatten, die sehr an ihrer Grenze waren, aber wenn wir zusammenkommen und geeint sind, gibt uns das immer einen zusätzlichen Schub.
Argentinien hatte zuvor bereits Verlängerungsdramen gegen Kap Verde und die Schweiz sowie ein 3:2 nach 0:2-Rückstand gegen Ägypten überstanden. Im Finale am Sonntag in New Jersey treffen sie auf Spanien.
Das Banner
Als die Spieler auf dem Spielfeld jubelten, ging Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso zu Fans in der ersten Reihe und lieh sich ein selbstgemachtes weißes Banner aus, das zuvor auf den Rängen gezeigt worden war. Dann hielt er es gemeinsam mit Innenverteidiger Lisandro Martínez hoch, wobei die Botschaft „Las Malvinas son argentinas“ deutlich zu sehen war. Das Banner wurde später auf dem Rasen liegend gesehen. Mittelfeldspieler Leandro Paredes sagte einem Reporter, die Inseln würden „immer argentinisch sein“ und das Team wolle diejenigen repräsentieren, die „diesen traurigen Moment in unserer Geschichte“ erlebt hätten.
Uns war bewusst, was dieses Spiel für das Land bedeutete. Wir haben versucht, unsere Nation und all jene zu repräsentieren, die diesen traurigen Moment in unserer Geschichte erlebt haben, damit sie sich mit uns identifizieren können und wir ein positives Bild vermitteln können.
- England geht in der ersten Halbzeit in Führung.
- Enzo Fernández erzielt den Ausgleich für Argentinien.
- Lautaro Martínez erzielt in der Nachspielzeit den Siegtreffer.
- Giovani Lo Celso und Lisandro Martínez halten ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ hoch.
- Die britische Regierung und Oppositionspolitiker fordern eine FIFA-Untersuchung.
- Die FIFA bestätigt, dass ihr unabhängiges Disziplinarkomitee den Vorfall prüft.
FIFA-Regeln und Präzedenzfälle
Der FIFA-Stadionverhaltenskodex verbietet ausdrücklich „Banner, Flaggen, Flyer, Kleidungsstücke und andere Utensilien, die politischer, anstößiger und/oder diskriminierender Natur sind“. Auch die Regeln des International Football Association Board (IFAB) verbieten politische Parolen auf der Spielkleidung. In der Vergangenheit führten ähnliche Fälle zu Sanktionen: Argentinien wurde wegen eines ähnlichen Banners während eines Freundschaftsspiels gegen Slowenien 2014 mit einer Geldstrafe belegt, und die spanischen Spieler Rodri und Morata erhielten 2024 eine Sperre von einem Spiel, weil sie bei den Feierlichkeiten zur Europameisterschaft „Gibraltar ist Spanien“ skandiert hatten. Die FIFA hatte das Halbfinale zwischen Argentinien und England als einziges Hochrisikospiel dieser WM eingestuft.
Politische Folgen
In London war die Reaktion schnell und parteiübergreifend. Wirtschaftsminister Peter Kyle bezeichnete die Geste als „völlig unangemessen“ und forderte eine gründliche Untersuchung. Die Downing Street erklärte: „Die WM mag nicht uns gehören, aber die Falklandinseln ganz sicher. Das Recht auf Selbstbestimmung liegt bei ihren Bewohnern, und unser Engagement für die Inseln wird niemals wanken.“ Die konservative Vorsitzende Kemi Badenoch bestand darauf, dass „die Falklandinseln britisch sind und bleiben werden“, während der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Ed Davey, an FIFA-Präsident Gianni Infantino schrieb und forderte, die Spieler vom Finale auszuschließen.
Die WM mag nicht uns gehören, aber die Falklandinseln ganz sicher. Das Recht auf Selbstbestimmung liegt bei ihren Bewohnern, und unser Engagement für die Inseln wird niemals wanken.
In Buenos Aires war die Stimmung trotzig. Präsident Milei bezeichnete das Banner als „verständlich“ und postete auf X, dass Argentinien „jeden Tag“ näher daran sei, die Inseln zurückzugewinnen. Fans in der Nähe des Kriegerdenkmals in der Hauptstadt unterstützten die Spieler. Ein 30-Jähriger sagte gegenüber Reuters, er schätze die Geste, „auch wenn sie wissen, dass ihnen eine Strafe drohen könnte“.
Der Inselkonflikt
Die Falklandinseln, auf Spanisch Malvinas genannt, liegen etwa 480 Kilometer östlich der argentinischen Küste und stehen seit 1832 unter britischer Kontrolle. 1982 marschierte die argentinische Militärjunta ein, was einen 74-tägigen Krieg auslöste, bei dem 649 argentinische und 255 britische Soldaten starben. Ein Referendum 2013 ergab eine überwältigende Mehrheit der Inselbewohner für den Verbleib bei Großbritannien, doch Argentinien hat seinen Souveränitätsanspruch nie aufgegeben. Das Halbfinale war das jüngste Kapitel einer langen Fußballrivalität, zu der auch Diego Maradonas „Hand Gottes“-Spiel von 1986 gehört, nach dem er den Sieg als „Rache“ für die Kriegstoten bezeichnete.
Wie es weitergeht
Die FIFA hat keine Hinweise darauf gegeben, welche Sanktionen sie gegebenenfalls verhängen könnte. Das Disziplinarkomitee prüft die Spielberichte und „bewertet die relevanten Umstände“, bevor es über weitere Maßnahmen entscheidet. Argentiniens Fokus richtet sich nun auf das Finale am Sonntag gegen Spanien, wo Messi ein „offenes Spiel“ gegen ein Team erwartet, das er aus seinen 17 Jahren beim FC Barcelona gut kennt.


