
Kanada bringt Gesetzentwurf ein, der soziale Medien für unter 16-Jährige verbietet – mit Ausnahmeregelung für sichere Plattformen
Die liberale Regierung hat am Mittwoch den Safe Social Media Act im Parlament eingebracht, der ein Mindestalter von 16 Jahren für Social-Media-Konten vorsieht, aber Ausnahmen für Plattformen zulässt, die Kindersicherheitsstandards erfüllen.
Das Gesetz
Kanadas neues Gesetz zur digitalen Sicherheit, eingebracht von Kulturminister Marc Miller, würde Kindern unter 16 Jahren verbieten, Social-Media-Konten zu besitzen. Anders als das pauschale Verbot Australiens, das im Dezember in Kraft trat, sieht der kanadische Vorschlag einen Ausnahmemechanismus vor: Plattformen können das Verbot umgehen, wenn sie nachweisen, dass sie ausreichende Kinderschutzmaßnahmen umgesetzt haben. Das Gesetz sieht außerdem die Einrichtung einer neuen Digital Safety Commission vor, die die Regeln durchsetzen und Sicherheitsanforderungen für KI-Chatbots festlegen soll.
Wir versagen bei unseren Kindern. Genug ist genug.
Das Gesetz definiert sieben Kategorien schädlicher Inhalte, darunter Material, das Kinder sexuell missbraucht, zur Selbstverletzung anstiftet, ein Kind schikaniert, zu Gewalt aufruft, Hass schürt, Terrorismus oder gewalttätigen Extremismus betrifft, sowie nicht einvernehmliche intime Bilder. Unternehmen, die sich nicht daran halten, drohen Strafen in Höhe von 3 % des weltweiten Umsatzes oder 10 Millionen kanadischen Dollar (etwa 6,2 Millionen Euro), je nachdem, welcher Betrag höher ist.
Politischer und internationaler Kontext
Kanada reiht sich in eine wachsende Liste von Ländern ein, die den Zugang von Jugendlichen zu sozialen Medien einschränken. Australien war im Dezember 2025 das erste Land, das ein Verbot für unter 16-Jährige erließ, woraufhin die Plattformen innerhalb eines Monats rund fünf Millionen Teenager-Konten deaktivierten. Auch Indonesien und Brasilien haben Beschränkungen erlassen, während Frankreich, Dänemark, Polen und Griechenland ähnliche Maßnahmen erwägen. Griechenland kündigte im April an, den Zugang für unter 15-Jährige ab Januar 2027 zu verbieten. In Deutschland plant die CDU, auf ihrem Parteitag über ein Mindestalter von 16 Jahren zu debattieren, und Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich offen für die Idee gezeigt.
Da sich Technologien weiterentwickeln, müssen wir sicherstellen, dass unsere Gesetze Schritt halten, denn Eltern können diesen Herausforderungen nicht allein gegenübertreten.
Gesundheits- und Sicherheitsbegründung
Gesundheitsministerin Marjorie Michel bezeichnete soziale Medien und KI-Chatbots als Ursache für psychische Gesundheitsprobleme junger Menschen und verwies auf Angstzustände, Isolation und Depressionen. Miller erklärte, die Verabschiedung eines Gesetzes gegen Online-Schäden habe Priorität, weil „Kinder sterben". Die Einbringung des Gesetzentwurfs erfolgt Wochen, nachdem Familien, die von einem der schlimmsten Massenerschießungen Kanadas betroffen waren, OpenAI verklagt haben. Sie werfen dem Unternehmen vor, es habe gewusst, dass der mutmaßliche Täter den Angriff auf ChatGPT geplant habe, aber die Polizei nicht alarmiert.
Soziale Medien und KI-Chatbots unterstützen keine gesunde kindliche Entwicklung und sind für viele junge Menschen zu einer Quelle von Angst, Isolation, Depression und vielen anderen psychischen Problemen geworden.
Zeitplan für die Umsetzung
Regierungsbeamte erklärten in einem technischen Briefing, dass der Gesetzentwurf ein Jahr brauchen könnte, um das Parlament zu passieren, und weitere 18 Monate, um die digitale Regulierungsbehörde nach Inkrafttreten des Gesetzes einzurichten. Premierminister Mark Carney hat eine knappe Mehrheit im Unterhaus, das bald in die Sommerpause geht. Der Vorschlag kommt vor dem G7-Gipfel in Frankreich nächste Woche, bei dem die Staats- und Regierungschefs voraussichtlich über KI und den Schutz von Kindern im Internet diskutieren werden.
- Australien erlässt das weltweit erste Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige; innerhalb eines Monats werden fast 5 Millionen Teenager-Konten deaktiviert.
- Griechenland kündigt an, den Social-Media-Zugang für unter 15-Jährige ab Januar 2027 zu verbieten.
- UN-Hochkommissar Volker Türk warnt, dass ein bloßes Zugangsverbot nicht ausreicht; fordert sicherere Plattformen.
- Kanada bringt den Safe Social Media Act ein, der ein Verbot für unter 16-Jährige mit einer Ausnahmeregelung für Sicherheitskonformität vorschlägt.
Kritik und offene Fragen
Bürgerrechtsgruppen haben gewarnt, dass das Gesetz die Zensur ausweiten könnte. Praktische Fragen bleiben ungelöst, darunter, wie Plattformen das Alter der Nutzer zuverlässig überprüfen können, ohne neue Datenschutzprobleme zu schaffen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, warnte am 29. Mai, dass ein bloßes Verbot des Zugangs für Kinder nicht ausreiche, und forderte Regierungen und Unternehmen auf, stattdessen sicherere Plattformen zu schaffen.


