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© Deutsche Welle
Regierung·10. Juni

Kanada bringt Gesetzentwurf ein, der soziale Medien für unter 16-Jährige verbietet – mit Ausnahmeregelung für sichere Plattformen

Die liberale Regierung hat am Mittwoch den Safe Social Media Act im Parlament eingebracht, der ein Mindestalter von 16 Jahren für Social-Media-Konten vorsieht, aber Ausnahmen für Plattformen zulässt, die Kindersicherheitsstandards erfüllen.

Das Gesetz

Kanadas neues Gesetz zur digitalen Sicherheit, eingebracht von Kulturminister Marc Miller, würde Kindern unter 16 Jahren verbieten, Social-Media-Konten zu besitzen. Anders als das pauschale Verbot Australiens, das im Dezember in Kraft trat, sieht der kanadische Vorschlag einen Ausnahmemechanismus vor: Plattformen können das Verbot umgehen, wenn sie nachweisen, dass sie ausreichende Kinderschutzmaßnahmen umgesetzt haben. Das Gesetz sieht außerdem die Einrichtung einer neuen Digital Safety Commission vor, die die Regeln durchsetzen und Sicherheitsanforderungen für KI-Chatbots festlegen soll.

Wir versagen bei unseren Kindern. Genug ist genug.

— Marc Miller

Das Gesetz definiert sieben Kategorien schädlicher Inhalte, darunter Material, das Kinder sexuell missbraucht, zur Selbstverletzung anstiftet, ein Kind schikaniert, zu Gewalt aufruft, Hass schürt, Terrorismus oder gewalttätigen Extremismus betrifft, sowie nicht einvernehmliche intime Bilder. Unternehmen, die sich nicht daran halten, drohen Strafen in Höhe von 3 % des weltweiten Umsatzes oder 10 Millionen kanadischen Dollar (etwa 6,2 Millionen Euro), je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Politischer und internationaler Kontext

Kanada reiht sich in eine wachsende Liste von Ländern ein, die den Zugang von Jugendlichen zu sozialen Medien einschränken. Australien war im Dezember 2025 das erste Land, das ein Verbot für unter 16-Jährige erließ, woraufhin die Plattformen innerhalb eines Monats rund fünf Millionen Teenager-Konten deaktivierten. Auch Indonesien und Brasilien haben Beschränkungen erlassen, während Frankreich, Dänemark, Polen und Griechenland ähnliche Maßnahmen erwägen. Griechenland kündigte im April an, den Zugang für unter 15-Jährige ab Januar 2027 zu verbieten. In Deutschland plant die CDU, auf ihrem Parteitag über ein Mindestalter von 16 Jahren zu debattieren, und Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich offen für die Idee gezeigt.

Da sich Technologien weiterentwickeln, müssen wir sicherstellen, dass unsere Gesetze Schritt halten, denn Eltern können diesen Herausforderungen nicht allein gegenübertreten.

— Marc Miller

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Gesundheits- und Sicherheitsbegründung

Gesundheitsministerin Marjorie Michel bezeichnete soziale Medien und KI-Chatbots als Ursache für psychische Gesundheitsprobleme junger Menschen und verwies auf Angstzustände, Isolation und Depressionen. Miller erklärte, die Verabschiedung eines Gesetzes gegen Online-Schäden habe Priorität, weil „Kinder sterben". Die Einbringung des Gesetzentwurfs erfolgt Wochen, nachdem Familien, die von einem der schlimmsten Massenerschießungen Kanadas betroffen waren, OpenAI verklagt haben. Sie werfen dem Unternehmen vor, es habe gewusst, dass der mutmaßliche Täter den Angriff auf ChatGPT geplant habe, aber die Polizei nicht alarmiert.

Soziale Medien und KI-Chatbots unterstützen keine gesunde kindliche Entwicklung und sind für viele junge Menschen zu einer Quelle von Angst, Isolation, Depression und vielen anderen psychischen Problemen geworden.

— Marjorie Michel

Zeitplan für die Umsetzung

Regierungsbeamte erklärten in einem technischen Briefing, dass der Gesetzentwurf ein Jahr brauchen könnte, um das Parlament zu passieren, und weitere 18 Monate, um die digitale Regulierungsbehörde nach Inkrafttreten des Gesetzes einzurichten. Premierminister Mark Carney hat eine knappe Mehrheit im Unterhaus, das bald in die Sommerpause geht. Der Vorschlag kommt vor dem G7-Gipfel in Frankreich nächste Woche, bei dem die Staats- und Regierungschefs voraussichtlich über KI und den Schutz von Kindern im Internet diskutieren werden.

Weltweite Social-Media-Beschränkungen für unter 16-Jährige
  1. 1. Dez. 2025Australien erlässt das weltweit erste Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige; innerhalb eines Monats werden fast 5 Millionen Teenager-Konten deaktiviert.
  2. 1. Apr. 2026Griechenland kündigt an, den Social-Media-Zugang für unter 15-Jährige ab Januar 2027 zu verbieten.
  3. 29. Mai 2026UN-Hochkommissar Volker Türk warnt, dass ein bloßes Zugangsverbot nicht ausreicht; fordert sicherere Plattformen.
  4. 10. Juni 2026Kanada bringt den Safe Social Media Act ein, der ein Verbot für unter 16-Jährige mit einer Ausnahmeregelung für Sicherheitskonformität vorschlägt.

Kritik und offene Fragen

Bürgerrechtsgruppen haben gewarnt, dass das Gesetz die Zensur ausweiten könnte. Praktische Fragen bleiben ungelöst, darunter, wie Plattformen das Alter der Nutzer zuverlässig überprüfen können, ohne neue Datenschutzprobleme zu schaffen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, warnte am 29. Mai, dass ein bloßes Verbot des Zugangs für Kinder nicht ausreiche, und forderte Regierungen und Unternehmen auf, stattdessen sicherere Plattformen zu schaffen.

Ottawa
Marc MillerMarjorie MichelMark CarneyVolker TurkFriedrich MerzSam Altman
MexicoTorontoMark Carney

8 Quellen

  • Canada introduces legislation to ban social media for children under 16
    Reuters·10. Juni
  • Kanada plant Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
    Spiegel Online·11. Juni
  • Canada introduces bill to ban social media for under-16s
    Deutsche Welle·11. Juni
  • Canadá quer proibir acesso às redes a menores de 16 anos: O que defende?
    Notícias ao Minuto·11. Juni
  • Canada proposes teen social media ban - with workaround for tech firms
    BBC·11. Juni
  • Guvernul canadian a propus interzicerea rețelelor sociale pentru minorii sub 16 ani
    Libertatea·11. Juni
  • "La sécurité des enfants ne peut pas être une considération secondaire" : le Canada veut interdire les réseaux sociaux aux moins de 16 ans
    Franceinfo·11. Juni
  • Kanada will Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige
    der Standard·11. Juni

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