Kaczyński nennt Polizei ‚Miliz der Regierungspartei‘, kündigt Bürgerwehr und lebenslange Haft nach Smolensk-Gedenkstätten-Zusammenstößen an
Jarosław Kaczyński geriet am 10. Juli auf dem Warschauer Piłsudski-Platz mit der Polizei und Gegendemonstranten aneinander und kündigte daraufhin Pläne für eine ‚Bürgerwehr‘ und härtere Strafen an, falls die PiS an die Macht zurückkehrt.
Die Konfrontation auf dem Piłsudski-Platz
Am Morgen des 10. Juli 2026 trafen Jarosław Kaczyński und andere Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf dem Piłsudski-Platz in Warschau ein, um an der monatlichen Smolensk-Gedenkfeier teilzunehmen. Sie beabsichtigten, am Denkmal für den verstorbenen Präsidenten Lech Kaczyński und andere Opfer der Flugkatastrophe von 2010 Blumen niederzulegen. Bei ihrer Ankunft hatten Aktivisten des Komitees zur Verteidigung der Demokratie (KOD) bereits direkt vor dem Denkmal Stellung bezogen, getrennt von der PiS-Gruppe durch Polizeiabsperrungen.
Kaczyński forderte die Beamten auf, ihm den Zugang zum Denkmal zu ermöglichen. Laut FAKT24.pl verglich er das Vorgehen der Polizei mit dem Verhalten von Gestapo-Kollaborateuren und sagte: „Sie haben kein Recht, mir das Niederlegen eines Kranzes zu verweigern.“ Auch der Leiter der Präsidialkanzlei, Zbigniew Bogucki, beteiligte sich an der Diskussion mit den Beamten. Die Polizei erklärte, sie sei an die geltenden Vorschriften gebunden und verbiete das Niederlegen des Kranzes nicht, sondern verwalte lediglich zwei konkurrierende Versammlungen. Der Kranz wurde schließlich neben den Beamten abgelegt, nicht direkt am Denkmal.
Kaczyńskis Anschuldigungen und Drohungen
In einer Stellungnahme gegenüber den Medien, nachdem ihm der Zugang zum Denkmal verwehrt worden war, bezeichnete Kaczyński die Situation als „eine große, gigantische Schande dieser Regierung“. Er behauptete, die Gegendemonstranten würden von der Polizei „abgeschirmt“, während er und seine Kollegen „beschimpft, angegriffen, auch mit Todesdrohungen“ worden seien. Er wies die Drohungen als nicht ernst gemeint zurück, bestand jedoch darauf, dass die Polizei die Pflicht zum Eingreifen gehabt habe und dieser nicht nachgekommen sei.
Wir haben es mit Milizen der Regierungspartei zu tun, nicht mit der Polizei, und daraus werden Konsequenzen gezogen werden müssen.
Kaczyński sagte, dass nach einer Rückkehr an die Macht „alles von Grund auf neu aufgebaut werden müsse“ und kündigte die Schaffung „einer Art Bürgerwehr an, die sehr entschlossen sein wird“. Er fügte hinzu, dass diejenigen Polizeibeamten, die blieben, dann wüssten, dass sie ihre Pflicht erfüllen müssten, während diejenigen, die sich so verhielten wie auf dem Platz, „für das, was sie getan haben, zur Rechenschaft gezogen werden“.
Die Bürgerwehr und die rechtliche Überholung
In Äußerungen, die von mehreren Medien verbreitet wurden, skizzierte Kaczyński einen Zweiteiligen Plan für eine künftige PiS-Regierung. Erstens die Einrichtung einer Bürgerwehr, um die seiner Meinung nach politisierte Polizei zu ersetzen. Zweitens eine deutliche Verschärfung des Strafgesetzbuches.
Wir werden auch das Strafgesetzbuch verschärfen, sodass es dafür lebenslange Haft geben wird, denn derzeit gibt es das nicht.
Er argumentierte, dass diejenigen, die das aktuelle Strafgesetzbuch verfasst hätten, „offensichtlich keine Rücksicht auf die polnische Sicherheit genommen hätten“ und versprach eine „Politik der Wiederherstellung der Normalität“. Kaczyński deutete auch an, dass die Gegendemonstranten untersucht werden sollten, um festzustellen, ob sie im Auftrag Russlands oder eines anderen Nachbarstaates handelten, und bezeichnete eine solche mögliche Kollaboration als „schweres Verbrechen“.
Handgreiflichkeiten in der Menge
Während Kaczyński und Bogucki mit den Beamten sprachen, brach am hinteren Ende der Versammlung eine Rangelei aus. Ein Mann, der hinter den Absperrungen stand, schlug einen älteren Teilnehmer mit einem Kamerastock und versuchte dann, den Ort zu verlassen. Ein Polizeibeamter vor Ort nahm den Mann fest. Der Vorfall verschärfte die Spannungen während der Gedenkfeier weiter. Trotz der Störung vollendeten die PiS-Politiker die Zeremonie und legten den vorbereiteten Kranz nieder.
Reaktion der Polizei
Die Warschauer Polizei (KSP) gab auf X eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Die Behörde erklärte, alle Maßnahmen der Beamten seien „ausschließlich auf der Grundlage und im Rahmen des geltenden Rechts“ durchgeführt worden. Die Erklärung betonte, dass das übergeordnete Ziel die Gewährleistung der Sicherheit aller Teilnehmer der Versammlungen und der Umstehenden gewesen sei und die Beamten gehandelt hätten, um eine Eskalation der Spannungen und Gefahren für Personen und Eigentum zu verhindern.
Die Polizei bleibt eine unpolitische Formation. Die Aufgabe der Polizei ist es, die Sicherheit zu gewährleisten und die öffentliche Ordnung zu schützen, nicht sich an Auseinandersetzungen politischer oder weltanschaulicher Art zu beteiligen.
Die KSP fügte hinzu, dass der gesamte Sicherheitseinsatz über die Körperkameras der Beamten und die Überwachungssysteme im Bereich des Piłsudski-Platzes aufgezeichnet wurde. Die Behörde appellierte an alle Versammlungsteilnehmer, das Gesetz zu befolgen und den Anweisungen der Beamten Folge zu leisten, und betonte, dass die Bewertung des Polizeihandelns auf Fakten und nicht auf politischen Emotionen beruhen sollte.
- PiS-Politiker und KOD-Aktivisten versammeln sich auf dem Piłsudski-Platz; die Polizei errichtet Absperrungen, die die beiden Gruppen trennen.
- Kaczyński und Bogucki fordern Zugang zum Lech-Kaczyński-Denkmal; die Polizei erklärt, dass die KOD eine angemeldete Versammlung an diesem Ort hat.
- Kaczyński bezeichnet die Situation als ‚gigantische Schande‘, beschuldigt die Polizei, eine ‚Miliz der Regierungspartei‘ zu sein, und kündigt Pläne für eine Bürgerwehr an.
- Ein Mann schlägt einen älteren Teilnehmer mit einem Kamerastock; ein Polizeibeamter nimmt ihn fest.
- PiS-Politiker legen den Kranz neben den Polizeibeamten ab, nicht direkt am Denkmal, und beenden die Zeremonie.
- Die Warschauer Polizei veröffentlicht auf X eine Erklärung, in der sie bekräftigt, dass alle Maßnahmen rechtmäßig waren und die Behörde unpolitisch ist.


