
Italienisches Kabinett billigt Autonomiegesetze für vier Nordregionen und neue Straßenverkehrsordnung
Das Kabinett billigte zudem das bis zum 15. Oktober in Brüssel fällige Haushaltsprogrammdokument, ein Dekret zum ehemaligen Ilva-Stahlwerk und einen Plan für die Campi Flegrei. Die Autonomiegesetze für Ligurien, die Lombardei, Piemont und Venetien gehen nun ins Parlament.
Kabinett billigt Haushaltsdokument und Autonomiegesetze
Der italienische Ministerrat hat am 13. Oktober das Haushaltsprogrammdokument (DPB) gebilligt; der Text muss bis zum 15. Oktober in Brüssel vorliegen. Das eigentliche Haushaltsgesetz stand an diesem Tag laut ANSA nicht auf der Tagesordnung. Die Minister billigten außerdem eine neue Straßenverkehrsordnung, ein Dekret zum ehemaligen Ilva-Stahlwerk und einen Plan für das Gebiet der Campi Flegrei. Zudem gab das Kabinett grünes Licht für eine Reform des Statuts von Friaul-Julisch Venetien.
Autonomiegesetze für vier Regionen
Das Kabinett unterzeichnete die endgültigen Vereinbarungen (intese) mit Ligurien, der Lombardei, Piemont und Venetien und billigte für jede Region einen eigenen Gesetzentwurf nach Artikel 116, dritter Absatz, der Verfassung. Roberto Calderoli, Minister für Regionen und Autonomie, beschrieb den Moment mit diesen Worten:
Ein wichtiger institutioneller Schritt und vor allem ein entscheidender für die Reform, die nun bereit ist, ihren Weg im Parlament zu beginnen.
Die Gesetzentwürfe sollen den vier Regionen zusätzliche Formen und besondere Bedingungen der Autonomie in den Bereichen Gesundheitsschutz, Koordinierung der öffentlichen Finanzen, Katastrophenschutz, freie Berufe und Zusatzrenten einräumen. Die Regionen hatten ihre endgültigen Vereinbarungen zwischen dem 3. und 22. September übermittelt, und das Kabinett handelte deutlich vor Ablauf der darauffolgenden 45-Tage-Frist. Am 20. September hatte Calderoli in Pontida dieselbe Geschwindigkeit gefordert, mit der die Regierung das Wahlgesetz verabschiedet hatte. Sowohl der Senat als auch die Kammer müssen die Gesetzentwürfe mit absoluter Mehrheit billigen, und die acht Gesetzentwürfe könnten auf beide Kammern aufgeteilt werden. Da die Haushaltssitzungen bald beginnen, wollen Mitglieder der Mehrheit das Verfahren Anfang 2027 abschließen. Attilio Fontana, Präsident der Lombardei, sagte beim Verlassen des Palazzo Chigi zu Adnkronos, der Schritt sei stets willkommen, wenn er zum Abschluss komme, und nun sei das Parlament an der Reihe.
Lega feiert, Opposition wehrt sich
Matteo Salvini, Parteichef der Lega und stellvertretender Ministerpräsident, begrüßte die Entscheidung in den sozialen Medien mit diesen Worten:
Es ist eine große Genugtuung, als Minister, als Italiener und als Mitglied der Lega.
Salvini bezeichnete die Reform als eine Schlacht der Lega, die mit Umberto Bossi und Roberto Maroni begonnen habe. Massimiliano Romeo, Fraktionschef der Lega im Senat und Regionalsekretär der Partei in der Lombardei, dankte Calderoli und sagte, die Partei stehe einen Schritt vor dem Ziel. Er verknüpfte das Ergebnis mit dem Referendum über die Autonomie neun Jahre zuvor, bei dem die Wähler in der Lombardei die Maßnahme unterstützt hatten. Auf der anderen Seite kündigte Antonio Decaro, Präsident der Region Apulien, eine Klage vor dem Verfassungsgericht an, und die linke Opposition kritisierte den Schritt.
Innerhalb der Mehrheit hieß es aus Kreisen der Fratelli d'Italia, die Reform stehe bereits im Regierungsprogramm und werde im Wahlkampf im Norden für sich beansprucht werden. Von ANSA zitierte Vertreter der Mehrheit glauben, ein schnelles Verfahren würde der Lega helfen, ihr Ziel von 42 Prozent für die Koalition bei der nächsten Wahl zu erreichen. Salvini steht am 24. und 25. Oktober ein außerordentlicher Parteitag der Lega bevor, und ein Streit über den Mitte-rechts-Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters von Mailand hat die Partei nicht beruhigt. Dissidenten erklären, sie hätten nie vorgehabt, den Parteichef herauszufordern, sondern nur die Themen des Nordens wieder in den Mittelpunkt zu rücken; ein Antrag zum Norden könnte den Parteitag erreichen.
Straßenverkehrsordnung, Ex-Ilva und Campi Flegrei
Die neue Straßenverkehrsordnung überarbeitet die Definition der Bußgelder und streicht die Pflicht für Fahrer, bei Kontrollen Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzuzeigen. Das Ex-Ilva-Dekret hält das Werk in Tarent offen, während der Kassationsgerichtshof über den Fall entscheidet. Der Plan für die Campi Flegrei wurde in derselben Sitzung gebilligt, während das Kabinett kein vollständiges Haushaltsgesetz verabschiedete. Zusammengenommen zeigen diese Maßnahmen eine Regierung, die vor Beginn der Haushaltssitzungen mehrere Vorhaben gleichzeitig vorantreibt.
Wie es weitergeht
Die folgende Zeitleiste listet die bislang gemeldeten Termine auf, vom Übermittlungsfenster der Regionen bis zum geplanten Abschluss des Autonomieverfahrens.
- Calderoli fordert in Pontida dieselbe Geschwindigkeit wie beim Wahlgesetz
- Regionen übermitteln der Regierung die endgültigen Vereinbarungen
- Kabinett unterzeichnet endgültige Vereinbarungen und billigt Gesetzentwürfe für vier Regionen
- Haushaltsprogrammdokument in Brüssel fällig
- Außerordentlicher Parteitag der Lega beginnt und läuft bis zum 25. Oktober
- Mehrheit will das Autonomieverfahren abschließen
Das DPB muss bis zum 15. Oktober in Brüssel vorliegen, und der Parteitag der Lega beginnt am 24. Oktober. Anschließend wird das Parlament die acht Gesetzentwürfe prüfen, wobei die Mehrheit das Verfahren Anfang 2027 abschließen will.