
Schweizer Soziologe und Antikapitalist Jean Ziegler im Alter von 92 Jahren gestorben
Der Soziologe, Autor und frühere UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung starb am Mittwoch an den Folgen der Parkinson-Krankheit, wie seine Familie bestätigte.
Ein Leben im Kampf
Jean Ziegler, der Schweizer Soziologe, Autor und Politiker, starb am Mittwoch in Genf im Alter von 92 Jahren. Seine Familie bestätigte der Nachrichtenagentur Keystone-ATS, dass er der Parkinson-Krankheit erlag. Geboren als Hans Ziegler 1934 in Thun in einer konservativen deutschsprachigen Familie, radikalisierte er sich während seines Studiums in Paris, wo er mit Jean-Paul Sartre in Kontakt kam. Eine Begegnung mit Che Guevara in Genf überzeugte ihn, seinen Kampf gegen Ungleichheit und Ungerechtigkeit von der Schweiz aus zu führen.
Politische und akademische Karriere
Ziegler war über zwei Mandate hinweg 28 Jahre lang sozialistisches Mitglied des Schweizer Nationalrats, von 1967 bis 1983 und erneut von 1987 bis 1999. Als Parlamentarier setzte er sich mit einer parlamentarischen Initiative für die Senkung des Wahlalters auf 18 Jahre ein, obwohl die Maßnahme 1979 in einer Volksabstimmung scheiterte, bevor sie zwölf Jahre später verabschiedet wurde. Er war zudem Professor für Soziologie an der Universität Genf. Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz nannte ihn „eine prägende Persönlichkeit, die sich unermüdlich für soziale Gerechtigkeit, internationale Solidarität und die Gleichheit der Völker einsetzte.“
Rolle bei den Vereinten Nationen
Von 2000 bis 2008 war Ziegler UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Später wurde er Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats, eine Position, die er von 2009 bis zu seinem Tod innehatte. Volker Türk, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, beschrieb ihn als „einen Kämpfer vor allem für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen“ und „einen Anwalt des Menschenrechtsökosystems und eine extrem starke Persönlichkeit.“
Kontroverse Positionen und Verbindungen
Ziegler war eine polarisierende Figur. Seine in zahlreiche Sprachen übersetzten Bücher griffen oft Schweizer Banken und multinationale Konzerne an. 1997 erlangte er mit „Die Schweiz, das Gold und die Toten“ internationale Bekanntheit, einer Anklage gegen die Rolle der Schweizer Bankiers bei der Finanzierung Nazi-Deutschlands und ihren Umgang mit den nachrichtenlosen Konten von Holocaust-Opfern. Er prangerte den von ihm so genannten „kannibalischen“ Kapitalismus des Westens an und machte westliche multinationale Konzerne dafür verantwortlich, fruchtbares Land in Afrika an sich zu reißen und so zur Hungersnot beizutragen. Seine Beziehungen zu autoritären Führern wie Muammar al-Gaddafi, Fidel Castro, Saddam Hussein und Kim Il-sung stießen auf scharfe Kritik. Er unterstützte auch die gewaltsame Enteignung weißer Bauern in Simbabwe unter Robert Mugabe.
Der Hunger in der Welt ist der absolute Skandal unserer Zeit. Laut den Vereinten Nationen stirbt alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren an Hunger, auf einem Planeten, der normalerweise die Bedürfnisse von 12 Milliarden Menschen decken könnte.
Überparteiliche Würdigungen
Die Würdigungen kamen aus dem gesamten politischen Spektrum. Die frühere Schweizer Bundespräsidentin Ruth Dreifuss, eine Sozialistin, hob seinen Einfluss auf Generationen von Studierenden hervor. Adolf Ogi, ein früherer Bundespräsident der rechtsgerichteten Schweizerischen Volkspartei, sagte, Ziegler habe „außergewöhnliche Herzensqualitäten“ und eine „Intelligenz, sowohl intellektuell als auch sozial, die außergewöhnlich war“ besessen. Die beiden Männer, so Ogi, hätten sich „mit einem einfachen Lächeln“ verstanden. Die Genfer Regierung sprach der Familie ihr Beileid aus, und Staatsratspräsidentin Anne Hiltpold erklärte, Ziegler habe „seine Epoche geprägt.“
Jean hatte außergewöhnliche Herzensqualitäten. Er hatte eine Intelligenz, sowohl intellektuell als auch sozial, die außergewöhnlich war.


