
Brandanschlag auf Journalisten, der über die Mafia in Caivano berichtet, löst politische Verurteilung in Italien aus
Adriano Cappellaris Haus in Enego wurde am 30. Mai gegen 23:30 Uhr von einem Sprengsatz getroffen; ein maskierter Täter hinterließ einen Brief mit Drohungen gegen den 20-jährigen Journalisten, Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den Anti-Mafia-Priester Don Maurizio Patriciello.
Was geschah
In der Nacht zum 30. Mai 2026 wurde das Haus von Adriano Cappellari – einem 20-jährigen Journalisten der Lokalzeitung L’Altopiano und Mitarbeiter des Il Giornale di Vicenza – in Enego in der Provinz Vicenza mit einem Brandsatz angegriffen. Gegen 23:30 Uhr betrat ein Mann mit bedecktem Gesicht das Grundstück, legte ein aus Gasflaschen und Brandflaschen bestehendes Sprengstoffpaket auf den Boden und flüchtete. Die anschließende Explosion und der Brand beschädigten den Zaun und zertrümmerten mehrere Fenster. Cappellari war gerade nach Hause gekommen und allein, wurde aber nicht verletzt.
Die privaten Überwachungskameras des Anwesens zeichneten den Ablauf auf: Der Maskierte war Sekunden vor der Explosion im Bereich des Grundstücks zu sehen. Die Feuerwehr löschte den Brand schnell und sicherte nicht explodierte Gasflaschen, während die Carabinieri aus Enego und Bassano del Grappa Ermittlungen aufnahmen.
- Ein maskierter Mann betritt Cappellaris Grundstück und legt ein Sprengstoffpaket ab.
- Der Sprengsatz detoniert, löst einen Brand aus und zertrümmert Fenster.
- Feuerwehr und Carabinieri treffen ein, löschen den Brand und entschärfen nicht explodierte Gasflaschen.
- Ein Drohbrief mit Fotos und Bezügen auf Meloni und Patriciello wird im Briefkasten gefunden.
Ein Drohbrief
Im Briefkasten des Journalisten fanden die Ermittler einen handgeschriebenen Brief mit expliziten Morddrohungen und mehreren Fotos von Cappellari, die mit einem „X“ markiert waren. Die Nachricht enthielt wirre Bezüge auf Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und auf Don Maurizio Patriciello, den Pfarrer des Parco-Verde-Viertels in Caivano, der für seine offene Haltung gegen die Camorra bekannt ist. Die klare Absicht war, den Journalisten wegen seiner beharrlichen Berichterstattung über die kriminellen Machenschaften in Caivano und seiner Unterstützung für die Arbeit des Priesters einzuschüchtern.
Der Journalist unter Druck
Cappellari berichtet seit längerem über Caivano und hat wiederholt über die Anti-Mafia-Bemühungen von Don Patriciello geschrieben. Infolgedessen hatte er bereits ab November 2025 anonyme Drohbriefe erhalten, in denen er aufgefordert wurde, mit dem Schreiben aufzuhören. Nach dem jüngsten Angriff sagte der Journalist gegenüber Il Giornale di Vicenza:
Ich bin schockiert. Offenbar hat mich jemand überwacht. Ich verstehe den Grund für eine solche Unerbittlichkeit nicht.
Reaktionen der Institutionen
Politische Vertreter aller Lager äußerten Solidarität und Verurteilung. Der Präsident der Abgeordnetenkammer, Lorenzo Fontana, nannte den Angriff „eine schwere und feige Einschüchterung“ und bekräftigte, dass ein Angriff auf einen Journalisten ein Angriff auf die Pressefreiheit sei. In einer Erklärung sagte er:
Ich spreche dem in Vicenza ansässigen Journalisten Adriano Cappellari meine Solidarität aus, der erneut Ziel einer schweren und feigen Einschüchterung wurde. Einen Journalisten für seine Arbeit anzugreifen bedeutet, die Informationsfreiheit anzugreifen, eine wesentliche Säule der Demokratie.
Kulturminister Alessandro Giuli bezeichnete den Angriff als Verletzung des Rechts der Bürger auf Information und versprach, dass der Staat nicht zurückweichen werde. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, bezeichnete die gezielte Attacke auf das Haus eines Journalisten als „beunruhigend und inakzeptabel“, während Paolo Emilio Russo, nationaler Pressesprecher von Forza Italia, betonte, dass solche Taten „mit der Demokratie unvereinbar“ seien. Auch der Journalistenverband von Venetien bekräftigte seine Unterstützung und wies darauf hin, dass dieser zweite Angriff auf Cappellari zeige, dass kein Gebiet vor organisierter Kriminalität gefeit sei.
Die Verbindung zu Caivano
Caivano, eine Stadt nördlich von Neapel, ist seit langem eine Hochburg der Camorra. Don Maurizio Patriciello ist eine prominente Stimme im Kampf gegen die Mafia-Kontrolle, was ihm sowohl Respekt als auch Morddrohungen eingebracht hat. Cappellaris Journalismus hat die Botschaft des Priesters verstärkt, was den jungen Reporter zum Ziel machte. Der Vorfall wird als mögliche Eskalation der Einschüchterungskampagne gegen diejenigen gewertet, die die Macht der Mafia in der Region herausfordern.

