Italienische Studierende zelten am Montecitorio gegen Mieten, Wohnungsnot und Uni-Finanzierung
Studierende der Unione degli Universitari haben am 12. Oktober Zelte vor der Abgeordnetenkammer in Rom aufgeschlagen und fordern ein Treffen mit Ministerin Anna Maria Bernini sowie 7 Milliarden Euro für die öffentlichen Universitäten.
Zelte vor der Abgeordnetenkammer
Studierende der Unione degli Universitari (UDU) haben am 12. Oktober Zelte vor dem Montecitorio aufgeschlagen und erklären, sie würden bleiben, bis die Regierung auf sie eingeht. Die Aktion ist Teil einer nationalen Kampagne mit dem Titel „Cara Italia, quanto ci costi?“, Zelte wurden auch an rund zehn italienischen Universitäten aufgestellt, von Mailand bis Lecce, von Bologna bis Genua, darunter Pavia und Neapel. Sabrina Brizzola, die nationale Koordinatorin der UDU, sagte, die Wohnsituation habe sich verschlechtert, seit die Gruppe vor drei Jahren landesweit Zelte aufgeschlagen habe. Laut UDU kostet der Lebensmitteleinkauf inzwischen 320 Euro pro Monat und Person, die Kraftstoffpreise sind um 26,8 Prozent gestiegen. Der Protest greift auch die Mobilisierungen für Wohnen und das Recht auf Studium in Spanien und Frankreich auf. Die Studierenden fordern konkrete Reformen, die das Recht auf Studium garantieren, das sie direkt mit dem Recht auf Wohnen verbinden.
- UDU-Studierende schlagen Zelte vor dem Montecitorio auf
- Studierende halten eine Pressekonferenz ab und fordern die Teilnahme der Regierung
- Cgil-Mitglieder planen einen Marsch und rufen zu einer gemeinsamen Front auf der Piazza del Popolo auf
Forderungen zu Finanzierung und Mieten
Die Studierenden baten Ministerin Anna Maria Bernini um ein dringendes Treffen und einen Gesprächstisch über die Finanzierung im nächsten Haushaltsgesetz. Virginia Libero, Sekretärin der Giovani Democratici, rückte die leerstehenden Wohnungen in den Mittelpunkt der Debatte.
Wir halten es für unerlässlich, dass sich die Regierung ernsthaft mit den leerstehenden Wohnungen befasst, die es in unserem ganzen Land gibt.
Elly Schlein, Vorsitzende der Partito Democratico, forderte eine Regulierung der Kurzzeitvermietung mit mehr Befugnissen für die Bürgermeister sowie die Wiedereinführung des Mietzuschussfonds in Höhe von 330 Millionen Euro, den die Regierung Meloni und Salvini ihrer Darstellung nach gestrichen hat. Außerdem verlangte sie einen nationalen Plan für öffentlichen Wohnraum. Angela Verdecchia von der Rete degli Studenti Medi sagte, neun von zehn Schulen entsprächen nicht den Sicherheitsstandards. Elisabetta Piccolotti von AVS warf der Regierung vor, PNRR-Mittel zu verschwenden, indem sie an private Betreiber weitergegeben würden, während die Studierenden 7 Milliarden Euro verlangen, um die Universität öffentlich zu machen.
Konkurrierende Zahlen zum Studierendenwohnen
Il Giornale, regierungskritisch gegenüber der Partito Democratico eingestellt, argumentiert, die Regierung habe das größte Studierendenwohnungsprogramm seit Jahrzehnten auf den Weg gebracht. Die Zeitung nennt 63.000 seit 2022 aktivierte Betten mit 1,2 Milliarden Euro, mehr als das im PNRR festgelegte Ziel von 60.000. Die ersten 33.000 Betten seien bereits in Betrieb, weitere 30.000 sollen 2027 hinzukommen. Brizzola bestreitet diese Zahl und sagt, es seien nur 33.000 Plätze realisiert worden, weniger als das PNRR-Ziel, und nur 3,8 Prozent davon seien öffentlich. Il Giornale beziffert den durchschnittlichen Zimmerpreis auf 500 Euro pro Monat inklusive Nebenkosten.
Unterstützung der Opposition und Antwort der Regierung
Elly Schlein hatte am 12. Oktober bereits mit den Studierenden an den Zelten gesprochen, Giuseppe Conte, Nicola Fratoianni und Angelo Bonelli schlossen sich den Besuchen am 13. Oktober an, wie Corriere della Sera berichtet. Maurizio Landini unterstützte die Studierenden vor Journalisten am Montecitorio.
Es ist ein Kampf, der uns alle betrifft, denn sie beanspruchen das Recht auf eine Zukunft.
Die Antwort der Regierung kam von Giovanni Donzelli, dem Organisationsleiter von Fratelli d'Italia, der Ilaria Vinattieri von UDU Roma sagte, die Studierenden könnten keine sofortige Antwort auf eine Pressekonferenz-Einladung erwarten und sollten weiter warten. Die Studierenden hatten diese Pressekonferenz für den 13. Oktober um 15:00 Uhr angesetzt und die Regierung um Teilnahme gebeten. Andrea Pace von der Cgil Roma-Lazio sagte, Gewerkschaftsmitglieder würden am 17. Oktober für Kaufkraft und öffentliche Dienste auf die Straße gehen. Brizzola rief zu einer geeinten Front auf der Piazza del Popolo unter dem Motto La Via Maestra auf.
