
Italien zieht Reform der Hausärzte nach regionalem Widerstand zurück; lombardischer Gesundheitsdezernent tritt aus Protest zurück
Das italienische Gesundheitsministerium hat ein Dekretgesetz zurückgezogen, das Hausärzte in kommunale Gesundheitszentren eingliedern und einige von ihnen zu Angestellten machen sollte. Dies löste den Rücktritt des lombardischen Gesundheitsdezernenten aus einer wichtigen regionalen Koordinierungsrolle aus.
Das zurückgezogene Dekret
Die von Gesundheitsminister Orazio Schillaci vorangetriebene Reform der territorialen Medizin hätte Hausärzte in die neu eingerichteten „Case di Comunità“ (Gemeinschaftsgesundheitszentren) integriert und einen Teil von ihnen vom Status freier Mitarbeiter in ein direktes Angestelltenverhältnis beim nationalen Gesundheitsdienst überführt. Der Text war der Conferenza delle Regioni vorgelegt und von den Regionen überarbeitet worden, wurde aber nie formell als Dekret eingeführt. Er stieß auf anhaltenden Widerstand von Ärztegewerkschaften, die argumentierten, sie seien von Entscheidungen ausgeschlossen worden, die sie direkt betrafen.
Eine Reform ohne Kopf und Schwanz. In einem Umfeld knapper Ressourcen kann man nicht erwarten, dass die diensthabenden Ärzte, die bereits mit enormen Patientenzahlen belastet sind, gleichzeitig in ihren Praxen und für eine bestimmte Anzahl von Stunden in den Gemeinschaftsgesundheitszentren sind.
Der Rückzug
Während eines Treffens zwischen technischen Mitarbeitern des Ministeriums und regionalen Gesundheitsdezernenten am 10. Juni 2026 teilte der Kabinettschef des Gesundheitsministeriums, Marco Mattei, die Entscheidung mit, das Dekret zurückzuziehen. Nach Angaben von Ministeriumskreisen wird das Dekret durch eine Vereinbarung ersetzt, die entweder durch einen Änderungsantrag zu einem Regierungsentwurf oder durch Aufnahme in die Richtlinie zur Erneuerung der hausärztlichen Konvention genehmigt werden soll, deren Frist bald abläuft.
Mattei skizzierte, dass Ärzte aufgefordert werden, sechs Stunden ihrer Tätigkeit den Gemeinschaftsgesundheitszentren zu widmen, um den Personalbedarf in den neuen, durch den PNRR finanzierten Einrichtungen zu decken. Diese Zentren sind in fast allen Regionen unterbesetzt, mit Ausnahme der Toskana und der Emilia-Romagna. In einer anschließenden Phase, so fügte er hinzu, werde die eigentliche Reform starten, die einige Maßnahmen aus dem Dekretentwurf wieder aufnimmt – wie die Einrichtung einer Spezialisierung in Allgemeinmedizin und die Ausweitung der pädiatrischen Versorgung bis zum 18. Lebensjahr – ohne jedoch die Frage des Beschäftigungsstatus zu berühren.
Bertolasos Protest
Der Rückzug provozierte eine scharfe Reaktion von Guido Bertolaso, dem Sozialdezernenten der Region Lombardei und einem der stärksten Befürworter der Reform. Bertolaso äußerte „tiefe Ablehnung und Bitterkeit“ und bezeichnete die Angelegenheit als „entmutigend“. Er trat von seinem Posten als Vizekoordinator der Kommission der Gesundheitsdezernenten zurück und verließ das Treffen. Seiner Ansicht nach war die Sechs-Stunden-Regelung ohne einen breiteren, strukturellen Eingriff unzureichend. Die Reform scheiterte letztlich am Widerstand innerhalb derselben Mitte-Rechts-Mehrheit, die sie vorangetrieben hatte.
Politische Folgen
Der Vorfall hat Kritik von Oppositionspolitikern wegen des Ausschlusses des Parlaments hervorgerufen. Senatorin Sandra Zampa, Fraktionsvorsitzende der Demokratischen Partei in der Gesundheitskommission des Senats, erklärte, das Parlament sei „völlig an den Rand gedrängt“ worden und habe von der Existenz der Reform und der internen Opposition nur durch Medienberichte und abgehörte Telefonate mit dem Präsidenten der Region Latium, Rocca, erfahren. Sie hat eine Anhörung mit Minister Schillaci beantragt, um den Inhalt der Reform zu erfahren, warum sie gescheitert ist und wer in der Regierung auf ihren Rückzug gedrängt hat.
Ich halte es für unzulässig, dass das Parlament auf diese Weise ignoriert und übergangen werden kann. Die Italiener haben ein Recht zu erfahren, was gespielt wird.


