
Italien verabschiedet Sicherheitsgesetz, das die Präventivhaft auf Minderjährige ausweitet und auf Nachtleben-Gewalt sowie Jugendbanden abzielt
Eine 20-minütige Kabinettssitzung am 14. Juli 2026 hat ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das der Polizei erweiterte Befugnisse einräumt, um als gefährlich eingestufte Minderjährige in überfüllten Bereichen festzunehmen und Versammlungen von fünf oder mehr Personen zu verbieten, die mit Einschüchterung oder Gewalt in Verbindung stehen, gab Innenminister Matteo Piantedosi bekannt.
Was der Gesetzentwurf enthält
Der Ministerrat hat am 14. Juli 2026 einen neuen Sicherheitsgesetzentwurf verabschiedet, der die von der Regierungsmehrheit so genannten 'Anti-Maranza'-Maßnahmen (ein Begriff für Jugendstraßenbanden) einführt. Die Gesetzgebung umfasst fünf Hauptbereiche: eine neue mündliche Verwarnung durch den Polizeipräsidenten (Questore), die ein Versammlungsverbot beinhaltet; erweiterte Präventivhaftbefugnisse, die nun auch Minderjährige betreffen; eine verzögerte Festnahme auf frischer Tat bei Sachbeschädigung durch Gruppen von fünf oder mehr Personen; schnellere Räumungsverfahren für illegal besetzte Immobilien; und den Ausschluss von Schadensersatz für jemanden, der bei einer Straftat mit übermäßiger Gewalt reagiert, wobei die strafrechtliche Verantwortlichkeit bestehen bleibt. Die Sitzung dauerte etwa 20 Minuten.
Die Regelung der sogenannten Präventivhaft wird auch auf Minderjährige ausgedehnt.
Präventivhaft und das Vorgehen gegen das Nachtleben
Die Präventivhaftmaßnahme gilt in Bereichen mit großen Menschenansammlungen (wie Nachtleben- oder 'Movida'-Zonen), wenn begründeter Verdacht besteht, dass eine Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Zu den Gründen gehören der Besitz von Waffen oder Gegenständen, die als gefährlich eingestuft werden, sowie frühere Verurteilungen wegen Straftaten gegen die Person oder das Eigentum, Drogendelikte oder Waffendelikte. Der Minister betonte, dass örtliche Polizeibeamte bereits in die funktionale Kategorie der Sicherheitsbeamten der öffentlichen Hand einbezogen seien und daher solche Festnahmen durchführen könnten. Er bezeichnete die Verwirrung in diesem Punkt als 'ein völlig technisches Missverständnis'.
Die Ausweitung kann jeden Sicherheitsbeamten der öffentlichen Hand betreffen, ob er nun den staatlichen Polizeikräften oder den örtlichen Polizeibeamten angehört, sofern er für diese Art von Dienst eingeteilt ist.
Versammlungsverbote und verzögerte Festnahmen
Der Polizeipräsident kann eine mündliche Verwarnung aussprechen, die mit einem Versammlungsverbot verbunden ist, wenn fünf oder mehr Personen an öffentlichen Orten einschüchternd, schwer belästigend oder gewalttätig auftreten. Bei Sachbeschädigung führt der Gesetzentwurf die verzögerte Festnahme auf frischer Tat ein: Die Beamten können gegen Personen vorgehen, wenn deren Identifizierung innerhalb von 24 Stunden nach den Ereignissen durch Videoaufnahmen oder andere Beweise erfolgt. Dies gilt als fakultative Festnahme, wenn der Schaden von fünf oder mehr Personen verursacht wird.
- Erstes Sicherheitsdekret vom Ministerrat verabschiedet, das Haftstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren für das Führen von Messern mit einer Klingenlänge von mindestens 8 cm ohne rechtfertigenden Grund einführt, mit erschwerenden Umständen in Zügen und Bussen.
- Das Sicherheitsdekret vom Februar erhält die endgültige Zustimmung der Abgeordnetenkammer.
- Der Ministerrat verabschiedet einen neuen Sicherheitsgesetzentwurf, der die Präventivhaft auf Minderjährige ausdehnt, mündliche Verwarnungen mit Versammlungsverboten, verzögerte Festnahmen bei Gruppen-Sachbeschädigung und schnellere Räumungsverfahren einführt.
Hausbesetzungen und Selbstverteidigung
Besetzte Immobilien können nun durch ein beschleunigtes Verfahren schnell geräumt und dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden, selbst wenn das Gebäude nicht der alleinige tatsächliche Wohnsitz des Eigentümers ist. Das derzeitige Recht beschränkt diesen beschleunigten Weg auf Fälle, in denen die Immobilie das einzige Zuhause des Beschwerdeführers ist. Zum Ausschluss der Entschädigung beschrieb Piantedosi den klassischen Fall eines Wohnungseinbruchs, bei dem das Opfer reagiert und durch übermäßige Selbstverteidigung Verletzungen verursacht: In solchen Fällen würde eine Verurteilung wegen fahrlässigen Überschreitens die Zuerkennung von Schadensersatz ausschließen.
Strafverfolgung von Angriffen auf die Polizei
Eine weitere Änderung dehnt die Offizialverfolgung (procedibilità d'ufficio) auf das Delikt der Körperverletzung gegen Amtsträger, Justizpolizeibeamte und Sicherheitsbeamte der öffentlichen Hand in Ausübung ihres Dienstes aus. Bislang war für leichte oder sehr leichte Verletzungen eine Strafverfolgung nur auf formellen Antrag des Opfers möglich. Der Gesetzentwurf macht die Strafverfolgung nun automatisch, wodurch diese Voraussetzung entfällt.


