
Italienische Marine entert mutmaßlichen russischen Schattentanker westlich von Pantelleria
Die ITS Thaon di Revel, Flaggschiff der EU-Operation Irini, hat den unter der Flagge Kameruns fahrenden Tanker Toa Payoh am 2. August westlich von Pantelleria abgefangen, um seine Nationalität gemäß Artikel 110 des Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) zu überprüfen.
Die Abfangaktion
Am Morgen des 2. August 2026 fing das Mehrzweck-Patrouillenschiff der italienischen Marine, ITS Thaon di Revel, Flaggschiff der EU-Operation Eunavfor Med Irini, den Tanker Toa Payoh westlich der Insel Pantelleria ab. Das Schiff, das eine kamerunische Registrierung vorgibt, hatte am 16. Juli Cotonou, Benin, verlassen und war auf dem Weg nach Istanbul. Es unterliegt EU-Sanktionen und wird vom italienischen Verteidigungsministerium als Teil der sogenannten russischen „Schattenflotte“ identifiziert, einem Netzwerk alternder Tanker, das zur Umgehung westlicher Ölexportbeschränkungen genutzt wird. Ein italienischer Nachrichtenbericht bezeichnete das Schiff jedoch als MV South Star und datierte den Vorfall auf Montag, den 20. Juli, obwohl die Stellungnahme des Ministeriums und andere Medien die Operation auf den 2. August datierten. Die Reise des Tankers von Westafrika in die Türkei ist eine typische Route für Schiffe der Schattenflotte, die russisches Rohöl zu Märkten außerhalb der G7-Preisobergrenze transportieren.
Die Enteroperation
Der Kapitän des Tankers verweigerte zunächst die Zusammenarbeit, so das Ministerium. Als Reaktion ging ein italienisches Militärteam mit einem NH90-Hubschrauber von der Thaon di Revel an Bord. Die Inspektion dauerte etwa zwei Stunden und zielte darauf ab, die Nationalität des Schiffes und die Flagge, die es führen darf, gemäß Artikel 110 des Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) zu überprüfen. Die Operation verlief planmäßig und völlig sicher, ohne Verletzte oder Sachschäden.
- Tanker verlässt Cotonou, Benin, mit Ziel Istanbul
- Westlich von Pantelleria von der ITS Thaon di Revel abgefangen
- Italienisches Militärteam geht per Hubschrauber an Bord, nachdem der Kapitän zunächst die Zusammenarbeit verweigert
- Zweistündige Operation endet; Tanker fährt nach Tunis, nicht beschlagnahmt
Multinationale Unterstützung und Rechtsgrundlage
Die Enterung wurde mit Unterstützung eines griechischen Marineschiffs und eines polnischen Patrouillenflugzeugs durchgeführt, was den kooperativen Charakter der EU-Mission widerspiegelt. Die Operation fand in internationalen Gewässern statt und wurde unter voller Achtung des UNCLOS durchgeführt, das einem Kriegsschiff erlaubt, ein fremdes Handelsschiff zu betreten, um seine Nationalität zu überprüfen, wenn ein begründeter Verdacht besteht. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto lobte die beteiligten Kräfte und erklärte, die Aktion zeige Italiens konkreten Beitrag zur Sicherheit im Mittelmeer und zu den Durchsetzungsbemühungen der EU.
Ich möchte die Besatzung der Nave Thaon di Revel und alle beteiligten Militärangehörigen für die gezeigte Professionalität, Vorbereitung und Entschlossenheit loben. Diese Tätigkeit belegt auch konkret Italiens Beitrag zur Sicherheit des Mittelmeers und zum Handeln der Europäischen Union.
Nachwirkungen und laufende Überprüfung
Nach der Inspektion fuhr der Tanker in den Hafen von Tunis, wo er sich derzeit befindet. Er wurde nicht beschlagnahmt. Die italienischen Behörden prüfen nun die während der Enterung erlangten Informationen und Unterlagen. Die Operation ist Teil der zunehmend proaktiven Haltung der EU beim Abfangen von Schiffen, die im Verdacht stehen, Sanktionen zu umgehen, insbesondere solcher, die unter Billigflaggen fahren. Die Schattenflotte stellt eine anhaltende Herausforderung für die westlichen Sanktionsregime dar, da Schiffe häufig Flaggen und Eigentümer wechseln, um ihre Verbindungen zu russischen Ölexporten zu verschleiern. Diese Schiffe operieren oft mit undurchsichtigen Versicherungs- und Sicherheitsstandards, was Umweltbedenken im Mittelmeer aufwirft. Die Operation Irini, die 2020 gestartet wurde, ist die maritime Mission der EU zur Durchsetzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen, aber ihr Mandat wurde auf die Überwachung der Sanktionseinhaltung ausgeweitet.


