IStGH-Chefankläger Karim Khan wegen sexueller Übergriffe entlassen; USA kündigen Zerschlagung des Gerichts an, Venezuela tritt aus
Die Vertragsstaatenversammlung stimmte mit 82 zu 13 bei 15 Enthaltungen für die Entlassung von Karim Khan, nachdem eine UN-Untersuchung nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt mit einer Mitarbeiterin festgestellt hatte. Die USA begrüßten den Schritt, bekräftigten aber ihre Absicht, den Gerichtshof zu zerschlagen.
Die Abstimmung über die Entlassung
Die Vertragsstaatenversammlung des Internationalen Strafgerichtshofs stimmte am Freitag in New York dafür, Chefankläger Karim Khan endgültig aus dem Amt zu entheben. Von den 125 Mitgliedsstaaten stimmten 82 dafür, 13 dagegen, 15 enthielten sich bei einer geheimen Abstimmung. Die Versammlung stellte fest, dass Khan „schweres Fehlverhalten und einen schwerwiegenden Verstoß gegen seine Amtspflichten“ begangen habe, so eine Erklärung der Delegierten. Der 56-jährige britische Jurist war bereits im Juni 2026 suspendiert worden und war zuvor vorläufig zurückgetreten.
- Für Entlassung
- 82
- Dagegen
- 13
- Enthalten
- 15
Die Vorwürfe und die Untersuchung
Der Fall geht auf Anschuldigungen einer weiblichen Assistentin zurück, die UN-Beamten mitteilte, Khan habe sie über mehrere Monate hinweg sexuell belästigt und schließlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen, berichtete das Wall Street Journal. Eine UN-Kommission untersuchte den Fall und legte Ende 2025 ihren Bericht vor, in dem sie feststellte, dass Khan „nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt“ mit der Mitarbeiterin in seinem Büro, seiner Privatwohnung und auf einer Geschäftsreise gehabt habe. Allerdings stellte ein Gremium von drei IStGH-Richtern später Mängel in der UN-Untersuchung fest und sagte, die Glaubwürdigkeit der Zeugen sei nicht ausreichend geprüft worden. Khans Anwälte erklärten, das Gremium sei zu dem Schluss gekommen, dass „kein Fehlverhalten oder Pflichtverstoß“ nachgewiesen worden sei. Trotzdem sah das Büro der Vertragsstaatenversammlung, das 21 Länder vertritt, die Anschuldigungen mit einer Zweidrittelmehrheit als erwiesen an, was zur Suspendierung und nun zur endgültigen Entlassung führte.
- Khan tritt vorläufig als Chefankläger zurück.
- UN-Kommission legt Bericht vor, der nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakt feststellt.
- Khan wird vom IStGH suspendiert.
- Vertragsstaatenversammlung stimmt für endgültige Entlassung von Khan.
US-Reaktion und Sanktionen
Die Vereinigten Staaten, die nicht Mitglied des IStGH sind, begrüßten Khans Entlassung, machten aber deutlich, dass ihre grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber dem Gerichtshof unverändert bleibt. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, schrieb auf X:
Es ist gut, dass er weg ist, aber er ist nur ein kleines Rädchen in dieser unverbesserlich korrupten Institution. Das heutige Ergebnis wird keine Auswirkungen auf die US-Pläne zur Zerschlagung des IStGH haben.
Die USA haben Sanktionen gegen IStGH-Richter und -Mitarbeiter verhängt, die deren E-Mail-Konten, Kreditkarten, Reisen in die Vereinigten Staaten und jegliche US-Bankkonten blockieren. Im Juli kündigte Außenminister Marco Rubio eine Kampagne zur Isolierung des Gerichtshofs an und sagte, der IStGH und seine Unterstützer führten durch Lawfare „einen Krieg gegen unser Land“. Das Außenministerium erklärte, es wolle die Fähigkeit des Gerichts, amerikanische Soldaten oder Beamte ins Visier zu nehmen, „systematisch lahmlegen“.
Venezuela tritt aus
Gleichzeitig mit der Sondersitzung zu Khans Entlassung gab Venezuela seinen Austritt aus dem IStGH bekannt. Die Regierung in Caracas begründete den Schritt mit dem Argument, der Gerichtshof diskriminiere Länder des Globalen Südens. Die Ankündigung erhöht den politischen Druck auf die Institution, die bereits mit Konflikten in der Ukraine, im Gazastreifen und im Sudan zu kämpfen hat.
Was als Nächstes passiert
Die stellvertretenden Chefankläger leiten das Büro weiterhin, und das Gericht erklärte, der Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu werde durch Khans Abgang nicht beeinträchtigt. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt sofort, eine Ernennung wird jedoch erst im nächsten Jahr erwartet. Der Skandal hat die internationale Reputation des IStGH beschädigt, dessen Chefankläger als moralisches Gesicht der Institution gilt, die politische und militärische Führungskräfte für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord zur Rechenschaft ziehen soll.


