
Israel weitet Bodenoffensive im Libanon aus und erobert Burg Beaufort trotz Waffenstillstand
Israelische Streitkräfte überquerten den Litani-Fluss und eroberten die historische Burg Beaufort im Südlibanon. Sie weiteten damit eine Bodenoffensive aus, die sowohl Israel als auch die Hisbollah als Reaktion auf Verstöße gegen den fragilen Waffenstillstand vom 17. April bezeichnen.
Bodenoffensive ausgeweitet
Das israelische Militär gab am Sonntag bekannt, dass es seine Bodenoperation im Südlibanon auf 'weitere Gebiete' ausweitet, um eine 'vorgeschobene Verteidigungslinie' zu errichten. Israelische Soldaten haben den Litani-Fluss überquert, der etwa 30 Kilometer nördlich der gemeinsamen Grenze verläuft. Premierminister Benjamin Netanjahu hatte bereits am Freitag bestätigt, dass israelische Truppen den Fluss überquert hätten. Die Armee erklärte, sie habe 'vor einigen Tagen' eine Operation im Gebiet des Bergrückens von Beaufort und Wadi al-Saluki im Südlibanon begonnen, mit dem Ziel, 'direkte Bedrohungen' für die nordisraelischen Gemeinden und die Stadt Metula zu beseitigen und die operative Kontrolle im Süden zu verstärken.
Burg Beaufort erobert
In einem symbolischen und strategischen Schritt eroberten israelische Streitkräfte die mittelalterliche Kreuzfahrerburg Beaufort am Litani-Fluss. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, israelische Soldaten seien 'auf den Gipfel von Beaufort zurückgekehrt und hätten erneut die israelische Flagge gehisst', und bezog sich damit auf die frühere Eroberung der Burg während des Libanonkriegs von 1982. Das Militär bestätigte die Einnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Operation um die Burg ist Teil einer breiteren Offensive zur Sicherung des Gebiets gegen Stellungen der Hisbollah.
Waffenstillstand bröckelt
Die Eskalation erfolgt trotz eines offiziellen Waffenstillstands zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz, der am 17. April in Kraft trat. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig der Verletzung der Vereinbarung und rechtfertigen ihre Angriffe als Reaktion auf die Verstöße der jeweils anderen Seite. Der libanesische Premierminister Nawaf Salam kritisierte die anhaltenden israelischen Angriffe scharf und beschuldigte Israel einer Strategie der 'verbrannten Erde und kollektiven Bestrafung', die Dörfer und Städte zerstöre und die Bewohner zur Flucht zwinge. Salam bezeichnete die Eskalation als 'gefährlich und beispiellos' und drängte auf verstärkte politische und diplomatische Bemühungen zur Erreichung eines 'schnellen und echten Waffenstillstands'.
Das wird Israel weder Sicherheit noch Stabilität bringen.
Raketenbeschuss und Evakuierungen
Die Hisbollah bekannte sich zu einem Angriff auf die nordisraelische Stadt Kirjat Schmona mit einem 'Raketensalven' und bezeichnete ihn als Verteidigung des Libanon und seines Volkes als Reaktion auf israelische Waffenstillstandsverstöße. Das israelische Militär berichtete, dass etwa 10 bis 15 Raketen in vier Wellen auf Nordisrael abgefeuert wurden, wobei zehn Geschosse auf Kirjat Schmona zielten. Die israelische Luftabwehr fing neun Raketen ab, aber eine schlug im Stadtzentrum ein und verursachte Sachschaden. Es wurden keine Verletzten gemeldet. Als Reaktion darauf ordnete der israelische Armeesprecher Avichay Adraee die sofortige Evakuierung der Bewohner von sieben bis zehn Dörfern im Südlibanon an und verwies auf den 'Bruch des Waffenstillstandsabkommens' durch die Hisbollah und drohte mit 'entschlossenen Maßnahmen'.
Aufgrund des Bruchs des Waffenstillstandsabkommens durch die Terrororganisation Hisbollah wird die israelische Armee entschlossene Maßnahmen ergreifen.
Diplomatische Bemühungen gehen weiter
Trotz der Gewalt bleiben diplomatische Kanäle offen. Premierminister Salam verteidigte die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den 'kostengünstigsten Weg' für den Libanon. Eine neue Gesprächsrunde ist für den 2. und 3. Juni in Washington geplant. Dies erfolgt nur einen Tag, nachdem Militärdelegationen beider Länder in der US-Hauptstadt bahnbrechende Sicherheitsgespräche geführt hatten. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Zerstörung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche und das von den USA vermittelte Waffenstillstandsabkommen ab.
Opfer und Auswirkungen
Die libanesischen Behörden berichten, dass seit Beginn der Kämpfe 3.371 Menschen durch israelische Angriffe getötet und mehr als eine Million vertrieben wurden. Jüngste israelische Luftangriffe galten der Stadt Nabatien und ihrer Umgebung, wobei der libanesische Sender LBC von mindestens drei Toten berichtete. Die libanesische Armee erklärte außerdem, dass zwei ihrer Soldaten bei einem 'gezielten' israelischen Angriff im Süden verwundet wurden. Libanesische Staatsmedien berichteten von israelischem Artilleriefeuer nahe der Burg Beaufort.
- Der offizielle Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah tritt in Kraft.
- Militärdelegationen aus Israel und dem Libanon führen Sicherheitsgespräche in Washington.
- Hisbollah feuert 10-15 Raketen auf Nordisrael; Israel ordnet Evakuierung von 7-10 libanesischen Dörfern an.
- Israelische Luftangriffe treffen Nabatien, mindestens 3 Tote; libanesische Armee meldet 2 verwundete Soldaten.
- Israel kündigt Ausweitung der Bodenoffensive, Überquerung des Litani-Flusses und Einnahme der Burg Beaufort an.


