KI-generiert·Mehr erfahren
Sicherheit·vor 2 Std.

Junge in Rheinland-Pfalz von Hunden schwer gebissen; Behörden ordnen Leinen- und Maulkorbpflicht an und erwägen Wegnahme der Tiere

Ein elfjähriger Junge wurde nach Bissen mindestens eines Berner Sennenhundes in Höheinöd (Rheinland-Pfalz) ins Krankenhaus eingeliefert. Die örtlichen Behörden verhängten sofort eine Leinen- und Maulkorbpflicht für die vier beteiligten Hunde und leiteten eine Prüfung ein, die zur endgültigen Wegnahme der Tiere führen könnte.

Der Vorfall

Ein elfjähriger Junge wurde in Höheinöd (Südwestpfalz) nach Bissen mindestens eines Berner Sennenhundes schwer verletzt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich vier Berner Sennenhunde auf dem Grundstück. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben, Felix Leidecker, bestätigte, dass die örtliche Ordnungsbehörde für alle vier Tiere eine Leinen- und Maulkorbpflicht angeordnet hat. Im äußersten Fall könnten die Hunde dem Halter endgültig weggenommen werden, so Leidecker; ein Sachverständigengutachten zu den Hunden sei bereits in Auftrag gegeben worden. Der Junge musste im Krankenhaus behandelt werden.

Regulatorische Lage in Rheinland-Pfalz

Der Fall hat die Debatte über die Pflichten von Hundebesitzern neu entfacht. In Rheinland-Pfalz ist ein sogenannter Hundeführerschein für private Halter – anders als in einigen anderen Bundesländern – nicht verpflichtend. Die Präsidentin der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz, Alexa Bach, erklärte, der Führerschein sei dafür konzipiert, „Halter zu prüfen und zu lehren, wie sie ihr Tier, sein Verhalten und seine Körpersprache richtig einschätzen und ob sie in der Lage sind, Risiken im Alltag zu erkennen und zu reduzieren.“ Ein separater Sachkundenachweis, der wie eine erweiterte Fahrerlaubnis aufgebaut ist, ist nur für Halter von als gefährlich eingestuften Hunden verpflichtend. Nach Landesrecht gilt ein Hund unter anderem dann als gefährlich, wenn er sich als bissig erwiesen hat, aggressiv Menschen anspringt oder ein über das natürliche Maß hinausgehendes Kampf- und Aggressionsverhalten zeigt.

Beißvorfälle und Prävention

Zahlen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Rheinland-Pfalz zeigen, dass im Jahr 2025 358 Beißvorfälle mit Personenschäden durch Hunde registriert wurden, ein Rückgang gegenüber 388 im Jahr 2024.

Beißvorfälle mit Personenschäden durch Hunde in Rheinland-Pfalz
2024
388
2025
358

Die Landestierärztekammer verweist auf mangelnde Sachkunde, schlechte Grenzsetzung, unzureichende Gewöhnung an Alltags- und Stresssituationen sowie falsche Einschätzung des Hundeverhaltens als Faktoren, die das Risiko schwerer Bisse erhöhen können. Auch unzureichende Beaufsichtigung bei Kontakten zwischen Hunden und Kindern spiele eine Rolle.

Aus unserer Sicht wären zur Reduzierung schwerer Beißvorfälle besonders geeignet: eine bessere Schulung im Erkennen von Stress- und Warnsignalen bei Hunden, klare Regeln für den Umgang von Kindern mit Hunden und eine angemessene Beaufsichtigung sowie das Bewusstsein, dass Tiere Rückzugsmöglichkeiten und Ruhephasen brauchen.

Wie es weitergeht

Die örtliche Ordnungsbehörde ist nun für das weitere Verfahren zuständig. Die Begutachtung der vier Hunde läuft und wird darüber entscheiden, ob die Tiere endgültig weggenommen werden. Berner Sennenhunde stehen in Rheinland-Pfalz nicht auf der Liste der automatisch als gefährlich eingestuften Rassen, aber die Verhaltensbeurteilung wird die endgültige Entscheidung leiten. Der Fall hat die Forderungen der Tierärztekammer nach einer breiteren Fachkunde für Hundehalter und einer klareren öffentlichen Anleitung zum Umgang zwischen Kindern und Hunden untermauert.

Höheinöd

3 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Gesellschaft & Wissenschaft