
Gicon errichtet 365 Meter hohe Höhenwindanlage in der Lausitz zur Erprobung höherer Luftströmungen
Das Dresdner Ingenieurbüro Gicon hat den strukturellen Aufbau einer 365 Meter hohen Windenergieanlage in Schipkau in Brandenburg abgeschlossen; die Inbetriebnahme ist für November 2026 vorgesehen.
Konstruktion und Abmessungen
Ingenieure haben den strukturellen Aufbau einer 365 Meter hohen Höhenwindanlage in Schipkau im Lausitzer Bergbaurevier im Süden Brandenburgs abgeschlossen. Entwickelt von dem in Dresden ansässigen Ingenieurbüro Gicon, erreichte die Gitterkonstruktion am 28. September 2026 ihre endgültige Höhe – nach Verzögerungen durch schwierige Wetterbedingungen. Die Anlage steht auf einer alten Abraumhalde des Braunkohletagebaus innerhalb eines bestehenden Windparks. Die Konstruktion nutzt eine Stahlgitterbauweise, die an einen Strommast erinnert, und beherbergt einen inneren Turm, der mithilfe eines Teleskopmechanismus zusammen mit der Turbine in Position gehoben wurde. Die Nabenhöhe beträgt 300 Meter, während die Gesamtkonstruktion 365 Meter erreicht – nur drei Meter weniger als der 368 Meter hohe Berliner Fernsehturm.
Mit über 2.000 Tonnen verbautem Stahl und 22.000 Einzelteilen ist der Gittermast ein Meisterwerk der Ingenieurskunst.
Projektzeitplan und Förderung
Gicon errichtete die Pilotanlage im Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), einer 2019 gegründeten staatlichen Organisation zur Förderung bahnbrechender Technologiekonzepte. Unternehmensvertreter setzten für den 1. Oktober 2026 eine ausführliche technische Information in Schipkau an, um die technischen Parameter des Prototyps darzulegen. Der nächste operative Meilenstein umfasst die abschließenden technischen Vorbereitungen und Systemtests vor der offiziellen Inbetriebnahme, die für November 2026 geplant ist. In den kommenden Jahren werden Felddaten vom Standort darüber entscheiden, ob Höhenkonzepte kommerziell eingesetzt werden können, um bestehende Windparks zu repowern oder zu erweitern.
- Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) wird gegründet
- Montage des Gittermasts erreicht in Schipkau die volle Höhe von 365 Metern
- Gicon stellt der Öffentlichkeit die technischen Projektdetails vor
- Geplante offizielle Inbetriebnahme der Pilotanlage
Erschließung von Höhenwinden
Die Pilotanlage ist darauf ausgelegt, stärkere und gleichmäßigere Luftströmungen zu nutzen, die in höheren Atmosphärenschichten herrschen. In Bodennähe erzeugen Hindernisse an der Oberfläche Turbulenzen, die die Luft zu unvorhersehbaren Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen zwingen. Diese Turbulenzen verringern die Effizienz der Stromerzeugung und setzen die Rotorblätter schwankenden mechanischen Lasten und beschleunigtem Verschleiß aus. Standard-Windenergieanlagen im Binnenland Deutschlands haben eine durchschnittliche Nabenhöhe von 150 Metern, während Küstenmodelle im Mittel 100 Meter erreichen. Im Gegensatz dazu ermöglicht der Betrieb auf 300 Metern Rotorhöhe der Anlage, Bodenstörungen zu vermeiden; die Projektplaner erwarten eine Stromausbeute von bis zu 60 Prozent mehr als bei konventionellen Onshore-Anlagen – genug, um bis zu 7.500 Haushalte zu versorgen.
Wirtschaftliche Faktoren und Branchenvergleich
Der Bundesverband WindEnergie betrachtet die Anlage in Schipkau als die höchste Windenergieanlage weltweit und weist darauf hin, dass Standard-Onshore-Anlagen mit Nabenhöhen deutlich unter 200 Metern betrieben werden. Vor dieser Anlage war das höchste seriengefertigte Onshore-Modell ein Hybridturm von Max Bögl mit 199 Metern Nabenhöhe und einer Gesamthöhe von 280 Metern einschließlich Rotorblättern. Der Bau des Gicon-Prototyps kostete fast viermal so viel wie eine Standard-Windenergieanlage. Die langfristige Wirtschaftlichkeit wird davon abhängen, ob diese erhöhten Kapital- und Wartungskosten gegen den Wert der zusätzlichen Stromerzeugung auf zweiter Ebene aufgewogen werden können, die direkt über aktiven Anlagen in geringerer Höhe gewonnen wird.
- Berliner Fernsehturm
- 368 m
- Gicon-Anlage Lausitz (Gesamthöhe)
- 365 m
- Gicon-Anlage Lausitz (Nabenhöhe)
- 300 m
- Max-Bögl-Hybridturm (Gesamthöhe)
- 280 m
- Max-Bögl-Hybridturm (Nabenhöhe)
- 199 m
- Durchschnittliche Binnenlandanlage (Nabenhöhe)
- 150 m
- Durchschnittliche Küstenanlage (Nabenhöhe)
- 100 m


