Deutschlands Investitionslücke gegenüber den USA beträgt bis zu 730 Milliarden Euro, so eine Allianz-Studie
Allianz Research beziffert Deutschlands Lücke gegenüber den USA seit 2019 auf bis zu 730 Milliarden Euro, während Globalfoundries ab 2028 eine Erweiterung in Dresden für 1,5 Milliarden Euro plant.
Eine Lücke, die seit 2019 gewachsen ist
Laut einer Studie von Allianz Research hat Deutschland seit 2019 eine Investitionslücke von bis zu 730 Milliarden Euro gegenüber den Vereinigten Staaten aufgebaut. Die Schlagzeile der Studie nennt 750 Milliarden Euro, während der Text 730 Milliarden als oberen Wert angibt. Allianz Research stellt dieselbe Lücke als eine der größten Investitionschancen in Europa dar. Die Studie wurde am Freitag, dem 16. Oktober, veröffentlicht und soll am Montag, dem 19. Oktober, auf dem Regierungsgipfel „Invest in Germany“ vorgestellt werden. Die Autoren argumentieren, dass öffentliche Ausgaben allein die Lücke nicht schließen können und dass die Mobilisierung privaten Kapitals entscheidend für nachhaltiges Wachstum in den Bereichen Energie, digitale Infrastruktur, Verkehr und Verteidigung ist.
Auseinanderlaufende Investitionstrends
Zwischen 2019 und 2025 sanken die Investitionen in Deutschland um 6,4 %. Im gleichen Zeitraum stiegen sie im übrigen Euroraum um 6,7 % und in den Vereinigten Staaten um 20,2 %. Die Studie führt den Rückstand auf hohe Energiekosten, die zweithöchste Steuer- und Abgabenlast innerhalb der OECD, übermäßige Bürokratie und hohe Finanzierungskosten für Unternehmen zurück. Sie beschreibt dies als die Bedingungen, die privates Kapital von Investitionen im Inland fernhalten.
- Deutschland
- -6.4 %
- Übriger Euroraum
- 6.7 %
- Vereinigte Staaten
- 20.2 %
Was die Studie empfiehlt
Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran legte dar, was Deutschland tun muss, um dieses Kapital anzuziehen.
Um dieses Kapital für Investitionen zu gewinnen, muss sich Deutschland auf vier zentrale Voraussetzungen konzentrieren.
Er nannte schnellere und einfachere Genehmigungs- und Vergabeverfahren, klare Standards für öffentlich-private Partnerschaften, Reformen der Altersvorsorge zur Stärkung langfristigen Kapitals und standardisierte Investitionsstrukturen. Die Studie schätzt zudem, dass etwa 450 Milliarden Euro mobilisiert werden könnten, wenn nur 5 % der neun Billionen Euro, die deutsche Haushalte in Finanzanlagen halten, in produktive Investitionen umgeschichtet würden. Ein staatlich gefördertes privates Altersvorsorgedepot, das im Januar 2027 starten soll, könnte zum Katalysator für eine neue Investitionskultur werden. Allein die Energiewende erfordert bis 2045 rund 1,3 Billionen Euro, und die digitale Infrastruktur bis 2030 bis zu 500 Milliarden Euro.
Privates Kapital und die eigene Rolle von Allianz
Allianz-Vorstand Andreas Wimmer beschrieb die Attraktivität des Standorts für Investoren in deutlichen Worten.
Deutschland ist ein äußerst attraktiver Standort für Investoren: industrielle Stärke, stabile Institutionen, Skalierbarkeit, Spitzenforschung und hoch qualifizierte Fachkräfte.
Wimmer fügte hinzu, dass die in den vergangenen Jahren aufgebaute Investitionslücke zeige, dass Investitionen nicht allein aus dem Potenzial folgen. Allianz gibt an, rund 100 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren, was nach eigenen Angaben 12 % ihres globalen Investmentportfolios entspricht.
Globalfoundries erweitert Standort in Dresden
Globalfoundries plant laut Standortleiter Manfred Horstmann, seinen Dresdner Standort ab 2028 für 1,5 Milliarden Euro zu erweitern. Horstmann kündigte den Plan bei einer Kundenveranstaltung des Chipherstellers in München an. Das Unternehmen erweitert den Standort bereits für 1,1 Milliarden Euro, wovon der Staat knapp die Hälfte übernimmt. Das Richtfest für dieses Projekt fand am Freitag, dem 9. Oktober, statt, und die Serienproduktion in den neuen Reinräumen soll 2027 beginnen. Horstmann sagte, weitere Investitionen seien im kommenden Jahrzehnt zu erwarten, nannte aber keine Details. Die Chip-Produktion soll um gut 70 % gegenüber dem derzeitigen Niveau wachsen. Das Werk mit 3.000 Beschäftigten ist bereits der größte Standort eines Auftragsfertigers für Chips in Europa und produziert spezialisierte Halbleiter für andere Chipunternehmen.
Wir sind seit Jahren am Limit.
Horstmann sagte, die Fabrik sei voll ausgelastet. Lars Reger, Chief Technology Officer des niederländischen Chipherstellers NXP, sagte in München, neue Kapazitäten würden dringend benötigt.
- Globalfoundries feiert das Richtfest für die laufende Erweiterung in Dresden
- Allianz-Studie soll auf dem Regierungsgipfel „Invest in Germany“ vorgestellt werden
- Beginn der Serienproduktion in den neuen Dresdner Reinräumen
- Geplanter Start des staatlich geförderten privaten Altersvorsorgedepots
- Nächste Phase der Dresdner Erweiterung mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro könnte beginnen
