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Konflikte·vor 2 Std.

Hisbollah lehnt von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Libanon und Israel ab und bezeichnet sie als „Fahrplan in die Zerstörung“

Hisbollah-Chef Naim Kassim wies die von Washington vermittelte Waffenruhe als „Fahrplan in die Zerstörung“ zurück – Stunden nach erneuten israelischen Angriffen und einem Mörserangriff, bei dem ein UN-Friedenssoldat im Südlibanon getötet wurde.

Das abgelehnte Abkommen

Israel und der Libanon verkündeten am späten Mittwoch in Washington einen von den USA vermittelten Weg zur Umsetzung einer Waffenruhe. Das Abkommen sah vor, dass die Hisbollah alle Angriffe auf Israel einstellt und sich aus den Gebieten südlich des Litani-Flusses, bis zu 30 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt, zurückzieht. Es sollten Pilot-Sicherheitszonen unter ausschließlicher Kontrolle der libanesischen Armee im Südlibanon eingerichtet werden, wobei die Armee schrittweise die Sicherheitsverantwortung übernehmen sollte. Das Abkommen erwähnte keinen israelischen Truppenabzug ausdrücklich, und Israels Verteidigungsminister Israel Katz sagte, es bewahre die fortgesetzte Präsenz der Armee in einer grenznahen „Sicherheitszone“ und die operative Freiheit.

Die Reaktion der Hisbollah

Am Donnerstag verlas Hisbollah-Chef Naim Kassim eine im Fernsehen übertragene Erklärung, in der er die Bedingungen ablehnte.

Das angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan in die Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und die Unterwerfung des anderen Teils.

Er sagte, jede Auslegung, die von der Hisbollah verlange, die Angriffe einzustellen, während israelische Angriffe andauerten, komme einer „Kapitulation“ gleich. Kassim rief die Führung des Libanon auf, die direkten Verhandlungen mit Israel zu beenden, und bezeichnete sie als „Farce“ und „Demütigung“. Er bestand darauf, dass die Hisbollah eine umfassende Waffenruhe unterstütze, die ein Ende aller israelischen Angriffe, den Rückzug aus libanesischem Gebiet, die Rückkehr der Vertriebenen und den Wiederaufbau umfasst.

Die Kämpfe gehen am Boden weiter

Bereits vor der formellen Ablehnung durch die Hisbollah hielt die Gewalt an. In der Nacht bombardierte Israel Städte und Dörfer im Südlibanon, während die Hisbollah Drohnen- und Raketenangriffe auf Nordisrael startete. Eine Familie, die in den Süden zurückkehrte, im Glauben, die Waffenruhe würde halten, wurde getötet.

Sie waren in ihrem Haus. Sie waren eine Zeit lang weg, weil das Dorf bedroht war, aber dann dachten sie: Es ist jetzt sicher, wir gehen zurück.

UN-Friedenssoldat getötet

Ein Friedenssoldat der UNIFIL starb an den Verletzungen, die er bei einem Mörserangriff in der Nähe von Marjayoun im Südlibanon am späten Mittwoch erlitten hatte. Zwei weitere Blauhelmsoldaten wurden verletzt. Das israelische Militär erklärte, eine Flugbahn-Analyse habe gezeigt, dass Hisbollah-Mitglieder die Mörser abgefeuert hätten, die den UN-Posten getroffen hatten. Die UNIFIL leitete eine Untersuchung ein und meldete eine „steigende Zahl“ von Flugbahnen und Einschlägen im Süden, wobei sie ein Ende der Gewalt forderte.

Die breitere Iran-Dimension

Die libanesische Front ist zunehmend eine Stellvertreterbühne für die Drucktaktiken zwischen den USA und dem Iran, wobei die Verhandlungen über die Beendigung des umfassenderen Krieges seit Tagen ins Stocken geraten sind. Der Iran hat gefordert, dass jede dauerhafte Waffenruhe den Libanon einschließt. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu will die Offensive fortsetzen, bis die Hisbollah keine Bedrohung mehr darstellt. Israelische Truppen haben seit Beginn der Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah aus Solidarität mit dem Iran Tage nach Kriegsbeginn etwa ein Fünftel des Libanon besetzt. Seit März wurden im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet, auf israelischer Seite starben etwa 30, die meisten von ihnen Soldaten.

Zeitleiste des Waffenruhe-Versuchs und der Ablehnung
  1. Krieg flammt wieder auf: Hisbollah startet Raketen- und Drohnenangriffe aus Solidarität mit dem Iran, Tage nach Beginn des breiteren Iran-Krieges
  2. Erste Waffenruhe zwischen libanesischer und israelischer Regierung verkündet; mehrfach verlängert, aber weitgehend wirkungslos
  3. Israel und Libanon einigen sich in Washington auf einen neuen Weg zur Umsetzung der Waffenruhe, einschließlich Pilotzonen und Litani-Rückzug
  4. UNIFIL-Friedenssoldat bei Mörserangriff nahe Marjayoun getötet; Israel macht Hisbollah verantwortlich
  5. Hisbollah-Chef Naim Kassim lehnt das Abkommen öffentlich ab und bezeichnet es als 'Fahrplan in die Zerstörung'

Israelische und libanesische Innenpolitik

Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir kritisierte das Abkommen als „schweren Fehler“, der die Hisbollah stärken würde. Verteidigungsminister Katz entgegnete, das Abkommen spiegele „große Erfolge“ auf militärischer und politischer Ebene wider und könne den Weg für einen Friedensvertrag mit dem Libanon ebnen. Die libanesische Regierung, selbst keine Kriegspartei, hat nur begrenzten Einfluss auf die Hisbollah, die als politische Partei auch einen bedeutenden Teil der schiitischen Bevölkerung vertritt. Die Entwaffnung der Miliz oder ihre Integration in die offizielle Armee bleibt eine ferne Perspektive.

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8 Quellen

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