Helaba-Chef Thomas Groß geht 2027 in den Ruhestand – Bank senkt Gewinnprognose
Helaba-Vorstandsvorsitzender Thomas Groß wird im Oktober 2027 nach 15 Jahren an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts ausscheiden; die Bank senkte ihre Prognose für den Vorsteuergewinn 2026 auf 500 Millionen Euro.
Führungswechsel angekündigt
Helaba-Vorstandsvorsitzender Thomas Groß hat am 2. Oktober 2026 angekündigt, dass er mit Ablauf seines aktuellen Vertrags im Oktober 2027 in den Ruhestand gehen wird. Groß, ein 61-jähriger Diplom-Wirtschaftsingenieur, führt das in Frankfurt ansässige öffentlich-rechtliche Kreditinstitut seit Juni 2020 und ist derzeit Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). Der Aufsichtsrat der Bank eröffnete den Nachfolgeprozess offiziell in seiner planmäßigen Sitzung am Freitag nach der Ankündigung. Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Reuß bedauerte den Weggang, dankte Groß jedoch dafür, frühzeitig für Klarheit gesorgt zu haben, was den Rahmen für eine geordnete Übergabe der Führung setze.
Nach mehr als 20 Jahren Vorstandsarbeit, davon 15 bei der Helaba, ist ein guter Zeitpunkt gekommen, um eine neue Lebensphase zu beginnen.
Reuß betonte, der Aufsichtsrat hätte die Zusammenarbeit gern fortgesetzt, akzeptiere aber die persönliche Zeitplanung des Vorstandsvorsitzenden voll und ganz.
Wir hätten die Zusammenarbeit mit Thomas Groß bei der Helaba gerne fortgesetzt, aber wir respektieren seine persönliche Entscheidung, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.
Nachfolgeplanung und interner Kandidat
Ingo Wiedemeier, 55 Jahre alt, hat sich als klarer interner Nachfolger für die Führung der drittgrößten Landesbank Deutschlands herauskristallisiert. Wiedemeier kam im April 2026 als Finanzvorstand in den Vorstand der Helaba und wurde anschließend zum 1. August 2026 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Bevor er in den Vorstand der Helaba eintrat, war er jahrelang Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, eines Retailinstituts der Helaba-Gruppe. Dieser Weg spiegelt unmittelbar die Berufung von Groß' Vorgänger Herbert Hans Grüntker, der ebenfalls von der Spitze der Frankfurter Sparkasse an die Spitze der Mutter-Landesbank wechselte.
- Thomas Groß tritt sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Helaba an
- Ingo Wiedemeier wird zum Finanzvorstand der Helaba bestellt
- Ingo Wiedemeier wird zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt
- Thomas Groß kündigt seinen Ruhestand an, der Aufsichtsrat startet den Nachfolgeprozess
- Der Vertrag von Thomas Groß läuft aus, der geplante Ruhestand beginnt
Gewinnprognose gesenkt, Kosten sollen sinken
Zusätzlich zur Ruhestandsanzeige senkte die Helaba ihre Prognose für den Vorsteuergewinn des Gesamtjahres 2026 auf 500 Millionen Euro, nach einer früheren Prognosespanne von 600 bis 700 Millionen Euro. Im Vorjahr 2025 hatte das Institut einen Vorsteuergewinn von 731 Millionen Euro ausgewiesen; weltweit beschäftigt es rund 6.900 Menschen. Die niedrigere Prognose resultiert aus Schwierigkeiten im Gewerbeimmobiliensektor, die Groß dazu veranlassten, ein Kostensenkungspaket aufzulegen. Das Management will die Sachkosten deutlich senken und die Gesamtbelegschaft verringern, indem es die natürliche Fluktuation nutzt und frei werdende Stellen nicht automatisch wiederbesetzt. Darüber hinaus wird die Immobilienentwicklungstochter OFB wegen dessen, was das Management als erheblichen Schrumpfungsbedarf bezeichnet, umstrukturiert. Trotz des revidierten Ausblicks für 2026 hielt die Bank an ihrem mittelfristigen Finanzziel fest, den jährlichen Vorsteuergewinn binnen fünf Jahren auf 1 Milliarde Euro zu steigern.
- 2025 (Ist)
- 731 Mio. Euro
- Prognose 2026 (revidiert)
- 500 Mio. Euro
- Ziel in fünf Jahren
- 1000 Mio. Euro
Branchenkonsolidierung und Eigentümerstruktur
Während seiner Amtszeit setzte sich Groß für eine strukturelle Konsolidierung im Landesbankensektor ein, in dem die Helaba hinter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der BayernLB an dritter Stelle steht. Mehrere prominente Fusionsvorhaben kamen unter seiner Führung jedoch nicht zustande, darunter eine geplante Kombination mit dem Investmentfonds-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe. Auch im Wettbewerb um die Übernahme des Gewerbeimmobilienfinanzierers Berlin Hyp unterlag die Helaba; den Zuschlag erhielt stattdessen die LBBW. Als Institut fungiert die Helaba als Zentraldienstleister und Girozentrale für Sparkassen in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Die Eigentümerstruktur der Bank ist weiterhin auf öffentliche Träger aufgeteilt: Der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen unter Führung von Reuß hält 50 Prozent, das Land Hessen 30 Prozent, das Land Thüringen und weitere regionale Sparkassen die restlichen Anteile.


