Haseloff bezeichnet AfD als Westpartei und kritisiert deutsche Medien für die Verstärkung ihres Aufstiegs im Osten
Der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), sagte der dpa, die AfD sei eine westdeutsche Partei, die in der westlichen Elite verwurzelt sei, und kritisierte die deutschen Medien dafür, dass sie die AfD-Stärke im Osten durch eine einseitige ‚West-Sicht‘ auf die Ostdeutschen verstärkten.
AfD als westdeutsches Phänomen
Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) widersprach in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) der gängigen Darstellung der AfD als primär ostdeutsche Partei. Er sagte, er wehre sich gegen die Tendenz, bei der Diskussion über die AfD auf den Osten zu zeigen, und argumentierte stattdessen, dass die Partei im westdeutschen Establishment verwurzelt sei. Der 72-jährige Haseloff sagte, die führenden Köpfe der AfD seien fast alle Westdeutsche und die Partei schneide im Westen im Vergleich zu allen anderen Parteien ebenfalls sehr stark ab. Er forderte eine von Ostdeutschland ausgehende Diskussion darüber, was in Westdeutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten schiefgelaufen sei und warum viele wichtige Themen von den Eliten nur am Rande behandelt wurden.
Medienkritik und die ‚West-Sicht‘ auf den Ostdeutschen
Haseloff machte auch die deutschen Medien für den Aufstieg der AfD mitverantwortlich. Er sagte, es gebe fast ausschließlich eine westdeutsche Perspektive auf den sogenannten ‚Ossi‘, und die Betrachtung des Ostdeutschen durch eine westdeutsche Brille verstärke letztlich die AfD im Osten. Er kritisierte negative Schlagzeilen auf den Titelseiten, die den Eindruck erweckten, alles sei schrecklich.
Da kann man nur denken: Haut ab hier, alles ist völlig schlimm. Das ist eine Selbstgeißelung dieser Gesellschaft.
Er fügte hinzu, die AfD müsse selbst kaum etwas tun, wenn ständig alles als furchtbar dargestellt werde – das mache es der Partei leicht mit ihrem Versprechen, das Land auf den Kopf zu stellen.
Ablehnung des Brandmauer-Konzepts
Haseloff sagte, er habe den Begriff ‚Brandmauer‘ nie für hilfreich gehalten. Stattdessen plädierte er dafür, dass gesellschaftlich relevante Gruppen die tatsächlichen Folgen der AfD-Politik viel deutlicher erklären sollten. Er nannte die EU-Mitgliedschaft als konkretes Beispiel: Ein Drittel des deutschen Wohlstands existiere aufgrund der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Die Menschen müssten sich bewusst machen, dass sie dieses Drittel aufgeben müssten, wenn sie eine Partei wählten, die die EU verlassen wolle.
Politischer Hintergrund
Haseloff war von 2011 bis zu seinem Rücktritt am 27. Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt; er trat zurück, um seinem Nachfolger Sven Schulze vor der Landtagswahl am 6. September einen Amtsbonus zu verschaffen. In aktuellen Umfragen für diese Wahl liegt die AfD klar vor der CDU. Das Interview wurde in Wittenberg geführt und in den frühen Morgenstunden des 17. August 2026 veröffentlicht.

