
Guy Parmelin kündigt Rücktritt aus dem Bundesrat nach elf Jahren an
Bundespräsident Guy Parmelin beendet seine elfjährige Regierungszeit Ende Dezember 2026. Er scheidet nach zwei Amtszeiten als Präsident aus, in denen er das Wirtschafts- und das Verteidigungsdepartement führte.
Rücktrittsankündigung in Bern
Bundespräsident Guy Parmelin hat am Freitag, 2. Oktober 2026, angekündigt, dass er Ende Dezember 2026 aus dem Bundesrat ausscheiden wird. Der 66-jährige Politiker aus Bursins im Kanton Waadt bestätigte seinen Entscheid an einer Pressekonferenz am Morgen in Bern und beendet damit eine elfjährige Amtszeit in der siebenköpfigen Landesregierung. Sein Rücktritt fällt mit dem Abschluss seiner zweiten Amtszeit als Bundespräsident zusammen. Parmelin war zuvor mit anhaltenden Spekulationen über seinen Gesundheitszustand konfrontiert, darunter wiederkehrende Rückenbeschwerden, hatte jedoch stets erklärt, die volle Legislaturperiode bis Herbst 2027 absolvieren zu wollen, sofern es sein Zustand erlaube. Nach seinem Ausscheiden will Parmelin auf das Familiengut in Bursins zurückkehren, wo sein Bruder Christophe das örtliche Weingut bewirtschaftet.
Aufstieg in den Bundesrat
Parmelin trat am 9. Dezember 2015 in die Landesregierung ein und füllte die Vakanz, die Eveline Widmer-Schlumpf hinterlassen hatte. Deren erste Wahl im Jahr 2008 auf Kosten von Christoph Blocher hatte zu ihrem Ausschluss aus der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und zum Verlust des zweiten Sitzes der Partei im Bundesrat geführt. Im Jahr 2015 reichte die SVP-Fraktion ein offizielles Dreierticket ein, bestehend aus Parmelin, Thomas Aeschi aus Zug und Norman Gobbi aus dem Tessin. Parmelin wurde im dritten Wahlgang mit 138 Stimmen der Vereinigten Bundesversammlung gewählt und sicherte der grössten Partei des Landes damit einen zweiten Sitz in der Landesregierung zurück. Obwohl er zunächst ausserhalb der Westschweiz wenig bekannt war, festigte seine Wahl die Vertretung der SVP über die Sprachregionen hinweg.
- Im dritten Wahlgang mit 138 Stimmen in den Bundesrat gewählt
- Übernimmt die Leitung des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
- Wechselt an die Spitze des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung
- Kündigt seinen Rücktritt aus der Regierung per Ende Dezember 2026 an
Verteidigung und Wirtschaft
Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2016 übernahm Parmelin das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport und trat die Nachfolge seines Parteikollegen Ueli Maurer an. Früh in seinem Verteidigungsmandat annullierte er das Beschaffungsprojekt BODLUV, um die technischen Abklärungen von Grund auf neu zu starten – ein Entscheid, der wegen der Abdeckung des Schweizer Mittel- und Langstreckenluftraums anhaltend kritisch hinterfragt wurde. Im Jahr 2019 wechselte Parmelin an die Spitze des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. In dieser Funktion steuerte er die wirtschaftlichen Notprogramme während der COVID-19-Pandemie. In seinem Präsidialjahr 2026 betreute Parmelin heikle Dossiers nach aussen, darunter Zollstreitigkeiten mit den Vereinigten Staaten und die laufende parlamentarische Prüfung der bilateralen Vertragspakete mit der Europäischen Union, während er im Ständerat einen ausgehandelten Kompromiss zum Lohnschutz verteidigte.
Konsensansatz in der Regierung
Während seiner Ministerkarriere erwarb sich Parmelin den Ruf, sich strikt an das schweizerische Kollegialitätsprinzip zu halten. Als im Sommer 2022 Meinungsverschiedenheiten über die Risiken der nationalen Stromversorgung aufkamen und seine Partei eine öffentliche Konfrontation mit der ehemaligen Bundesrätin Simonetta Sommaruga forderte, lehnte Parmelin aggressive Rhetorik ab. Er setzte auf departementsübergreifende Zusammenarbeit statt auf öffentliche Auseinandersetzungen.
Wir arbeiten Hand in Hand.
Sein Rücktritt erfolgt zeitgleich mit dem geplanten Ausscheiden von Staatssekretärin für Wirtschaft Helene Budliger Artieda und markiert einen administrativen Übergang im Wirtschaftsdepartement, während das Parlament sich darauf vorbereitet, seinen Nachfolger zu wählen.

