
Grüne stellen Bundesprogramm mit Vorschlägen für Vermögensteuern und Rentenreform vor
Die Parteivorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak haben in Berlin vor ihrem Dezember-Parteitag ein umfassendes Programmpapier vorgestellt und damit die Oppositionspartei für mögliche vorgezogene Neuwahlen in Stellung gebracht.
Programm für die Regierungsverantwortung
Die beiden Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak stellten am Donnerstag in der Bundespressekonferenz in Berlin ihren Leitantrag mit dem Titel „Unser Plan für Deutschland“ vor. Der Antrag umreißt das Parteiprogramm für den Bundesparteitag, der für Dezember auf dem Berliner Messegelände angesetzt ist. Beide Vorsitzenden, die im Dezember für eine weitere zweijährige Amtszeit kandidieren, erarbeiteten den Text nach einem Jahr des Austauschs mit Bürgerinnen und Bürgern, Forschenden und Unternehmensvertretern. Banaszak beschrieb die Initiative als Vorbereitung auf eine mögliche Regierungsübernahme, sollte die regierende Koalition aus CDU und SPD vor der regulären Wahl im Februar 2029 zerbrechen. Die Partei will sich als demokratische Alternative sowohl zur amtierenden Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz als auch zur rechtsextremen Alternative für Deutschland positionieren.
Banaszak erläuterte, warum eine Alternative zur Regierungskoalition nötig sei.
Es muss auch eine Oppositionspartei geben, die den Menschen innerhalb des demokratischen Spektrums eine verlässliche, verantwortungsvolle und glaubwürdige Alternative zum Kurs von Friedrich Merz und seiner Koalition bietet.
Wirtschafts- und Steuervorschläge
Der von Brantner vorgestellte Wirtschaftsteil des Papiers zielt darauf, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Klimaschutz mit unternehmerischer Entwicklung zu verbinden. Der Vorschlag plädiert für weniger Bürokratie durch den Umstieg auf risikobasierte Unternehmensprüfungen und die Abschaffung von Standardberichtspflichten, sofern die Behörden sie nicht ausdrücklich begründen. Zu den steuerlichen Maßnahmen gehören die Einführung einer Digitalsteuer für große Plattformkonzerne und höhere Steuern auf sehr große Privatvermögen. Für den industriellen Wandel schlagen die Grünen niedrigere Energiepreise, mehr Mittel für die berufliche Weiterbildung und regionale Transformationsagenturen vor, die Beschäftigte beim Ausstieg aus fossilen Industrien unterstützen. Beim Außenhandel plädiert der Entwurf für eine strengere Handelspolitik gegenüber China.
Brantner erläuterte die beabsichtigte Verschiebung im Verhältnis zwischen Staat und Unternehmen.
Wir schreiben nicht vor, was alle tun müssen, sondern ermöglichen denen, die einen Plan für ihr Leben und ihr Unternehmen haben, diesen auch umzusetzen.
Rentenanpassungen und Staatsreform
Der Antrag beschreibt umfangreiche Änderungen am Rentensystem, um dem demografischen Druck zu begegnen und das gesetzliche Rentenniveau über 48 Prozent zu halten. Das Parteipapier weist darauf hin, dass das tatsächliche durchschnittliche Renteneintrittsalter derzeit bei 64,7 Jahren liegt, was nach Aussage von Banaszak die Produktivität des Landes senkt. Nach dem Vorschlag soll ein abschlagsfreier Vorruhestand ausschließlich Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen offenstehen. Betriebliche Altersvorsorge soll für Arbeitgeber schrittweise verpflichtend werden, bei hälftiger Kostenteilung, und das gesetzliche Renteneintrittsalter könnte steigen, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung zunimmt. Das Programm fordert zudem die Prüfung rechtlicher Verfahren für ein mögliches Verbot der Alternative für Deutschland sowie weitergehende Staatsreformen zur Finanzierung der Kommunen.
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Verschiebungen in der politischen Landschaft
Die Vorstellung fällt in eine Zeit, in der aktuelle Umfragen veränderte Zustimmungswerte unter den Bundesoppositionsparteien zeigen. Im RTL/ntv-Trendbarometer kommen die Grünen auf 17 Prozent, liegen damit zwei Prozentpunkte hinter CDU und CSU und ziehen an der SPD vorbei. Eine weitere, in Berlin zitierte Erhebung sieht die Partei bei etwa 15 Prozent, während rund 80 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger Zweifel äußerten, dass die Parteien die öffentlichen Probleme lösen können. Im Leitantrag räumt die Führung ausdrücklich Fehler aus der Regierungsbeteiligung zwischen Dezember 2021 und November 2024 ein und erklärt, die frühere Regierungsarbeit habe eher Verunsicherung als Stabilität erzeugt. Rund 25 Journalistinnen und Journalisten nahmen an der Konferenz in Berlin teil, was das anhaltende Interesse an der strategischen Neuausrichtung der Oppositionspartei zeigt.
- Grüne
- 41 %
- SPD
- 16 %
- CDU
- 8 %
- Die Linke
- 6 %
- BSW
- 1 %


