
Griechenland warnt Türkei vor 'Blue Homeland'-Gesetzentwurf bei Treffen der Außenminister in Sofia
Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis sagte seinem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan, dass einseitige Aktionen keine rechtlichen Wirkungen entfalten, während Ankara einen Gesetzesvorstoß zur 'Blue Homeland'-Doktrin vorbereitet.
Ein Treffen im Schatten des 'Blue Homeland'
Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis traf am Mittwoch, den 10. Juni 2026, am Rande des Gipfels des Südosteuropäischen Kooperationsprozesses (SEECP) in Sofia mit seinem türkischen Amtskollegen Hakan Fidan zusammen. Es war das erste Treffen der beiden Minister, seit die Türkei ihre Absicht angekündigt hatte, einen Gesetzentwurf zur 'Blue Homeland'-Doktrin (Mavi Vatan) in die Nationalversammlung einzubringen – eine Gesetzesinitiative, die Athen als direkte Herausforderung der griechischen Hoheitsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer betrachtet.
Einseitige Aktionen entfalten keine rechtlichen Wirkungen und tragen nicht zur Aufrechterhaltung eines ruhigen Klimas bei.
Nach Angaben diplomatischer Quellen, die von mehreren griechischen Medien zitiert werden, bekräftigte Gerapetritis, dass der einzige Streitpunkt zwischen Griechenland und der Türkei die Abgrenzung der ausschließlichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels bleibe. Die griechische Seite besteht darauf, dass jede Initiative, die Seegebiete und das Seerecht betrifft, keine rechtliche Grundlage habe und keine vollendeten Tatsachen schaffen könne.
Die breitere Agenda
Abseits der Reibungen um 'Blue Homeland' erörterten die beiden Minister den Stand der transatlantischen Beziehungen vor einem für Juli geplanten Gipfel in Ankara sowie regionale Entwicklungen mit Schwerpunkt auf dem weiteren Nahen Osten und dem östlichen Mittelmeer. Auch die Zypernfrage stand auf der Tagesordnung, einschließlich des bevorstehenden Treffens mit dem persönlichen Gesandten des UN-Generalsekretärs für Zypern und des geplanten informellen erweiterten Treffens zur Zypernfrage.
Kanäle offen halten
Trotz der scharfen griechischen Einwände gegen die türkischen Gesetzespläne erklärten sich beide Seiten bereit, offene Kommunikationskanäle aufrechtzuerhalten. Die griechische Regierung verfolgt einen zweigleisigen Ansatz: klare Botschaften zur Ablehnung einseitiger Ansprüche zu senden und gleichzeitig einen funktionierenden Dialog zu bewahren, um nicht in eine neue Phase der Spannungen abzugleiten.
Einseitige Aktionen, die die Stabilität in der Region untergraben, werden nicht ohne politische Kosten bleiben.
Athen hat bereits europäische Hauptstädte, EU-Institutionen und internationale Organisationen über seine Bedenken informiert, um einen frühen diplomatischen Reaktionsrahmen aufzubauen. Die endgültige Abstimmung über den türkischen Gesetzentwurf wurde auf den Herbst verschoben, was ein Zeitfenster für weitere diplomatische Bemühungen lässt.
Der SEECP-Kontext
Das Treffen fand während des 30. SEECP-Gipfels in Sofia, Bulgarien, statt, der 13 Teilnehmerstaaten zusammenbringt. Die Zusammenkunft bot einen neutralen Ort für das bilaterale Gespräch in einem Moment, in dem die griechisch-türkischen Beziehungen erneut auf einem schmalen Grat wandern, wobei Athen die Schritte Ankaras mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt, während es offiziell die Linie der Vermeidung von Spannungen in der Ägäis beibehält.


