
Gotthard-Stau erstreckt sich über 18 km – Uri-Dorfbewohner protestieren mit Fußgängerblockade gegen Ausweichverkehr
Ein 18 Kilometer langer Stau am Gotthard-Nordportal am Samstag hielt Urlauber bis zu drei Stunden fest, während rund 60 Einwohner von Amsteg einen Fußgängerüberweg nutzten, um den Ausweichverkehr durch ihr Dorf zu blockieren.
Verkehrschaos am Gotthard
Der Ferienverkehr Richtung Süden durch die Schweizer Alpen kam am Samstag zum Stillstand, als die Schlange vor dem Gotthard-Straßentunnel 18 Kilometer lang war. Der Automobilclub TCS meldete Wartezeiten von bis zu drei Stunden zwischen Altdorf und Göschenen im Kanton Uri. Eine Baustelle im 17 Kilometer langen Tunnel, die die Fahrbahn verengt und voraussichtlich bis Ende 2028 bestehen bleibt, verschärfte die übliche sommerliche Reisewelle. Die Fahrer vertrieben sich die Zeit mit Hupkonzerten und Beine vertreten am Straßenrand, so ein Reporter von Blick.
Dörfer von Ausweichverkehr überflutet
Als der Autobahnstau wuchs, leiteten Navigations-Apps den Verkehr auf Kantonsstraßen um und überfluteten Dörfer wie Schattdorf und Amsteg mit Autos. „Ganz Europa ist durch unser Dorf gefahren“, sagte Bruno S., Einwohner von Schattdorf, und beschrieb Straßen, die so voll waren, dass Fußgänger nicht mehr überqueren konnten. Bilder aus Amsteg zeigten eine Fahrzeugschlange, die sich durch das Zentrum schlängelte. Der Ausweichverkehr ist ein ständiges Ärgernis: Der tägliche Verkehr auf der A2 am Gotthard ist von rund 8.000 Fahrzeugen im Jahr 1981, als der Tunnel eröffnet wurde, auf fast 20.000 im letzten Jahr gestiegen, mit Spitzenwerten über 30.000. Im Jahr 2025 wurden mehr als sieben Millionen Durchfahrten in beide Richtungen registriert, das entspricht 182 Autos pro Einwohner von Uri.
Protest in Amsteg
Rund 60 Menschen versammelten sich am späten Samstagvormittag am Fußgängerüberweg vor der Kirche in Amsteg, organisiert von der IG Kanton Uri und Pro Alps. Sie überquerten die Straße immer wieder in langsamen Gruppen, schwenkten Uri-Fahnen und hielten Schilder mit der Aufschrift „Ihr fahrt uns direkt durch die Stube“ und „Es stinkt uns“. Ein Alphornspieler begleitete die Demonstration. Als ein französischer Ford-Fahrer frustriert hupte, rief der Demonstrant Walter Walker: „Sie müssen nicht so blöd hupen! Drehen Sie um, drehen Sie um!“ Der Fahrer zog schließlich die Fenster hoch und wartete.
Sie müssen nicht so blöd hupen! Drehen Sie um, drehen Sie um!
Die Aktion brachte den Ausweichverkehr zum Stillstand. Die Organisatoren sagten, die Störung beweise, dass wirksame Schutzmaßnahmen möglich sind, wenn die Behörden handeln.
Polizeireaktion und Forderungen
Die Kantonspolizei Uri hatte bereits am frühen Morgen begonnen, den Ausweichverkehr in Erstfeld und Amsteg zurück auf die Autobahn zu leiten. Pikettoffizier Urs Aschwanden erklärte, die Maßnahme sei wegen der überlasteten Verkehrssituation ergriffen worden, nicht wegen des Protests. „Unser Ziel ist es, den öffentlichen Verkehr und die Rettungsachse sicherzustellen und die Gemeinden verkehrsmäßig so gut wie möglich zu entlasten“, sagte er. Die Protestorganisatoren fordern vorübergehende Fahrverbote auf Kantons- und Gemeindestraßen an Tagen mit starkem Verkehrsaufkommen und berufen sich dabei auf den Alpenschutzartikel der Schweizer Bundesverfassung. Sie argumentieren, dass die Lebensqualität, Sicherheit und saubere Luft der Bevölkerung Vorrang vor dem Ferienverkehr haben müssen.
Unser Ziel ist es, den öffentlichen Verkehr und die Rettungsachse sicherzustellen und die Gemeinden verkehrsmäßig so gut wie möglich zu entlasten.
- Stau bildet sich vor Gotthard-Nordportal; Polizei leitet Ausweichverkehr in Erstfeld und Amsteg um.
- Rund 60 Demonstranten blockieren Fußgängerüberweg in Amsteg und fordern Durchfahrtsverbote.
- Stau erreicht 18 km, Wartezeit bis zu 3 Stunden; TCS empfiehlt alternative Routen.
Historischer Kontext und Alternativen
Die Gotthard-Route ist einer der wichtigsten Nord-Süd-Alpenübergänge, der von Urlaubern aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und darüber hinaus auf dem Weg nach Italien genutzt wird. Staus sind im Sommer und vor Feiertagen üblich; wenn andere Übergänge wegen Bauarbeiten gesperrt sind, haben die Schlangen 25 Kilometer überschritten. Der TCS empfahl großräumige Umleitungen über den San-Bernardino-Tunnel oder den Simplon- und den Großen St. Bernhard-Pass. Im Jahr 2024 führte die Bundesregierung Maßnahmen wie vorübergehende Autobahnanschluss-Sperrungen ein, aber die Anwohner sagen, sie seien weiterhin überfordert. Der Samstagsprotest war die jüngste in einer Reihe von Aktionen; eine Petition war bereits 2023 eingereicht worden.
- 1981
- 8000 Fahrzeuge
- 2025
- 20000 Fahrzeuge

