Rund 50.000 protestieren in Zagreb gegen 37.000 Tonnen illegalen Giftmülls in Gospić
Demonstranten in der kroatischen Hauptstadt forderten verbindliche Fristen zur Entfernung von Tausenden Tonnen gefährlichen Industrieabfalls, der im Rahmen eines illegalen Importprogramms bei Gospić deponiert wurde.
Massenkundgebung in Zagreb
Rund 50.000 Menschen versammelten sich am Samstag auf dem zentralen Platz von Zagreb, um gegen die Handhabung einer illegalen Giftmülldeponie in Zentralkroatien zu protestieren. Der Protest, benannt nach der bergigen Region, in der sich die Deponie befindet, trug den Namen „Walk for Lika“ und wurde von der Bürgerinitiative Gospić ist unser Zuhause organisiert. Die Demonstranten kamen mit Bussen aus mehreren Landesteilen und trugen Schilder mit Aufschriften wie „Die Lunge Kroatiens kann nicht mehr atmen“ und „Die Natur vergibt nicht“. Die Organisatoren gestalteten die Kundgebung als überparteiliche Veranstaltung, an der sowohl Mitte-Links-Oppositionsmitglieder als auch nationalistische politische Gruppen teilnahmen. Der kroatische Schauspieler Rade Šerbedžija nahm an der Kundgebung teil und sprach über die Verantwortung der Amtsträger.
Ich bin hier, weil ich hier sein muss. Es ist unsere Pflicht, für unser Land einzustehen. Was passiert ist, ist eine Schande, und jemand muss zur Rechenschaft gezogen werden.
Ursprünge des Deponieskandals
Der Protest konzentriert sich auf einen verlassenen Industriekomplex am Stadtrand von Gospić, einer Stadt mit etwa 12.000 Einwohnern, 200 Kilometer südwestlich von Zagreb. Zwischen 2022 und 2024 wurden dort zwischen 34.000 und 37.000 Tonnen Industrie-, Kunststoff-, Elektronik-, Bau- und medizinischer Abfall vergraben und mit Erde vermischt. Im Februar 2025 verhaftete die kroatische Polizei in Zusammenarbeit mit Europol 13 Personen und leitete Ermittlungen gegen vier Unternehmen ein, die illegal Abfälle aus Italien, Slowenien und Deutschland importiert hatten. Europäische Ermittler stellten fest, dass das Programm durch gefälschte Dokumente, die gefährliche Materialien fälschlicherweise als recycelbaren Kunststoff deklarierten, mindestens 4 Millionen Euro (4,6 Millionen US-Dollar) an illegalen Gewinnen erzielte.
- Polizei und Europol verhaften 13 Personen bei Ermittlungen gegen vier Unternehmen
- Kroatiens Anti-Korruptionsbehörde veröffentlicht Befunde zu Boden- und Grundwasserkontamination
- Premierminister Andrej Plenković besucht Gospić und kündigt Sanierungsauftragnehmer an
- Rund 50.000 Menschen marschieren in Zagreb und fordern sofortige Abfallbeseitigung
- Zieltermin für Arbeiter, um die Deponie abzudecken und Regenwasserabfluss zu verhindern
Umweltbefunde und öffentliche Forderungen
Die Spannungen verschärften sich, nachdem ein August-Bericht der kroatischen Anti-Korruptionsbehörde USKOK eine Bodenkontamination über das Industriegelände hinaus bestätigte und Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) im örtlichen Grundwasser nachwies. Während Regierungsbeamte zuvor erklärt hatten, dass Tests des kommunalen Trinkwassers keine Kontamination zeigten, stellte die Behörde erhöhte Schwermetallwerte im Boden fest. Umweltexperten warnten, dass das durchlässige Karstgelände Schadstoffe in Richtung Adria gelangen lassen könnte. Die Protestorganisatoren legten eine Liste mit sieben formellen Forderungen vor, darunter eine umfassende Sanierungsstrategie innerhalb von 20 Tagen, ein vorübergehendes Verbot von Abfallimporten und die vollständige Entfernung des vergrabenen Mülls innerhalb von drei Monaten. Der Demonstrant Ivan Rittinger äußerte sich während des Marsches.
Dies ist keine Tragödie, dies ist ein Verbrechen.
Reaktion der Regierung und Sanierungspläne
Premierminister Andrej Plenković besuchte am Mittwoch den Standort Gospić und gab bekannt, dass die Regierung einen Auftragnehmer für die erste Sanierungsphase ausgewählt habe. Plenković erklärte, das kommunale Leitungswasser bleibe trinkbar, und versprach, dass Arbeiter den freigelegten Abfall bis Mitte Oktober 2026 abdecken würden, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Da Kroatien über keine Anlagen verfügt, die diese Kategorie gefährlicher Abfälle verarbeiten können, kündigte das Kabinett Pläne an, etwa 30.000 Tonnen des ausgehobenen Abfalls ins Ausland zu exportieren. Das kroatische Parlament verabschiedete zudem eine Anforderung zur kontinuierlichen Überwachung der Boden-, Luft- und Wasserqualität und verlangte einen formellen Fortschrittsbericht der Regierung innerhalb von 90 Tagen.
- Standort Gesamtschätzung oberer Bereich
- 37000 Tonnen
- Schätzung im Europol-Fall
- 35000 Tonnen
- Standort Gesamtschätzung unterer Bereich
- 34000 Tonnen
- Geplante Exportmenge
- 30000 Tonnen

