
Türkei meldet widersprüchliche russische und ukrainische Antworten auf Vorschlag zur Schifffahrt im Schwarzen Meer
Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte, dass Moskau und Kiew bei einem Entwurf zum Schutz der Handelsschifffahrt und Getreideexporte im Schwarzen Meer nur schwer zu vereinbarende Positionen vertreten.
Festgefahrene diplomatische Verhandlungen
Die von der Türkei geführten diplomatischen Bemühungen, Militärschläge auf zivile und kommerzielle Schiffe im Schwarzen Meer zu stoppen, sind auf Hindernisse gestoßen. Der türkische Außenminister Hakan Fidan gab in einem Fernsehinterview auf NTV bekannt, dass Ankara beiden Seiten – Moskau und Kiew – formelle Vertragsentwürfe vorgelegt habe. Beide Regierungen hätten schriftliche Antworten übermittelt, doch ihre jeweiligen Forderungen blieben unvereinbar. Fidan betonte, dass die Abstimmung der konkurrierenden Sicherheits- und Betriebsbedingungen beider Seiten eine komplexe Herausforderung darstelle.
Wir haben beiden Seiten zu diesem Thema einen Vorschlag unterbreitet. Wir haben bereits Antworten von beiden Seiten erhalten. Wir sehen, dass beide Seiten Forderungen und Positionen haben, die schwer zu vereinbaren sind.
Die türkische Diplomatieinitiative zielt darauf ab, einen Rahmen zu schaffen, der die nichtmilitärische Schifffahrt vor wiederholten Angriffen schützt. Eine türkische diplomatische Quelle erklärte, der Vertragsentwurf sei den russischen und ukrainischen Beamten am 17. September 2026 übermittelt worden und lege Bedingungen zur Verhinderung von Angriffen auf Handelsschiffe fest.
Die globale Priorität der Getreidekorridore
Ankara konzentriert seine diplomatische Vermittlung weiterhin auf die Sicherung der Getreideexporte aus Russland und der Ukraine. Türkische Beamte betonten, dass die globalen Agrarversorgungsketten in hohem Maße von der kommerziellen Frachtschifffahrt durch das Schwarze Meer abhingen. Fidan wies darauf hin, dass Unterbrechungen dieser Routen direkte wirtschaftliche und humanitäre Auswirkungen auf Länder hätten, die auf Nahrungsmittelimporte angewiesen seien.
Unsere Hauptpriorität ist der Getreidetransport im Schwarzen Meer. Länder auf der ganzen Welt brauchen ihn. Getreide ist ein Produkt, das beide Länder verkaufen, aber es gibt Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen.
Der Seekorridor ist derzeit dicht mit militärischen Einheiten, Kampfdrohnen, Seeminen und Kampfflugzeugen belegt. Diese überlappenden Operationen haben die routinemäßige kommerzielle Navigation erschwert und Handelsbesatzungen und -schiffe in unmittelbare Nähe aktiver Kampfgebiete gebracht.
Eskalierende Angriffe und Schäden an der Flotte
Kommerzielle Betreiber sind im Schwarzen Meer zunehmenden Gefahren ausgesetzt. Nach Angaben der türkischen Schifffahrtskammer (IMEAK) wurden seit Beginn des umfassenden Konflikts im Jahr 2022 etwa 25 Schiffe türkischer Reedereien bei Angriffen ins Visier genommen, wobei es im Sommer zu mehreren Vorfällen kam. Mehrere dieser Schiffe fuhren zum Zeitpunkt der Angriffe unter fremder Flagge.
- Ankara fordert Russland und die Ukraine auf, ein Moratorium für Angriffe auf die Handelsschifffahrt umzusetzen.
- Die Türkei bestellt den ukrainischen Botschafter ein, nachdem ein türkisches Schiff und sein Bergungsschlepper angegriffen wurden.
- Die Türkei übermittelt Moskau und Kiew einen Vertragsentwurf zum Schutz ziviler Schiffe.
- Außenminister Hakan Fidan erklärt, die Antworten aus Moskau und Kiew seien nur schwer zu vereinbaren.
Die Angriffe erfolgten durch Luft- und Seedrohnen. Der Ukraine zugeschriebene Drohnenoperationen zielten auf Schiffe ab, um russische Getreide- und Ölversorgungsrouten zu stören, während die Gefahr durch Seeminen weit verbreitet bleibt. Ende August forderte die türkische Regierung den ukrainischen Botschafter in Ankara ein, nachdem ein Angriff ein türkisches Schiff getroffen hatte, gefolgt von einem zweiten Angriff auf einen Schlepper, der zur Bergung des beschädigten Schiffs entsandt worden war.
Unterschiedliche Positionen zu Überwachung und Durchsetzung
Die Einrichtung eines überprüfbaren Mechanismus zur Durchsetzung der sicheren Durchfahrt bleibt das zentrale Hindernis zwischen den Parteien. Anfang August forderte Ankara beide Konfliktparteien auf, einem formellen Moratorium für Angriffe auf die Handelsschifffahrt zuzustimmen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow lehnte die Praktikabilität dieses Ansatzes ab und erklärte, die Umsetzung und Überprüfung einer solchen Maßnahme sei nicht zu überwachen.
In der Zwischenzeit übt die Ukraine weiterhin operativen Druck auf maritime Logistikknotenpunkte und Exportfrachtschiffe aus, die die russische Wirtschaft unterstützen. Die anhaltende Eskalation hat den Londoner Seeversicherungsmarkt veranlasst, seine ausgewiesene Hochrisikozone auf das gesamte Schwarze Meer auszudehnen. Trotz der stockenden Antworten planen türkische Diplomaten, die Verhandlungen mit beiden Regierungen fortzusetzen, um tragfähige Korridore zu finden.


