Geraubter Kandinsky „Das bunte Leben“ in London für 31,9 Millionen Euro versteigert
Die Erben der Familie Lewenstein hatten das Gemälde nach einem deutschen Restitutionsbeschluss von 2023 zurückerhalten. Christie's versteigerte das Werk von 1907 dann im Oktober 2026 in London.
Die Versteigerung
Christie's hat Wassily Kandinskys Gemälde „Das bunte Leben“ im Oktober 2026 bei einer Auktion in London für 31.914.000 Euro verkauft, wie Het Parool berichtet. Das Auktionshaus hatte das Werk auf zwischen 21 und 30 Millionen Euro geschätzt. Gebote wurden sowohl telefonisch als auch online abgegeben, und der Preis stieg in kürzester Zeit von 13 Millionen auf über 20 Millionen. Andere Medien nannten abweichende Zahlen: NOS gab 27 Millionen Pfund an (fast 32 Millionen Euro), während VRT NWS und De Morgen von mehr als 31 Millionen Pfund berichteten (mehr als 37 Millionen Euro). Laut De Morgen teilte das Auktionshaus das Ergebnis in einer Pressemitteilung mit.
Familie und Sammlung
Het Parool nennt als Eigentümer Emanuel Albert Lewenstein (1870–1930), Direktor eines Nähmaschinenunternehmens in Amsterdam, der in den 1920er Jahren eine Sammlung aufbaute, zu der Werke von Kandinsky, Van Gogh, Renoir und Manet gehörten. Die Volkskrant nennt als Eltern Robert Lewenstein und Irma Klein, die 1940 in die Vereinigten Staaten flohen. Die Familie verlor während des Krieges nahezu die gesamte Sammlung, abgesehen von einer Rembrandt-Radierung. Zu den heutigen Erben gehören laut Volkskrant der Amerikaner Rob Lewenstein, seine Schwester und mehrere niederländische Erben.
Ein im Krieg verlorenes Gemälde
NOS berichtet, dass Kandinsky das Werk 1907 in Paris schuf und dass das Ehepaar Lewenstein es 1927 kaufte. Nach Beginn der deutschen Besatzung im Oktober 1940 wurde die Sammlung der Familie beschlagnahmt, wie VRT NWS und Trouw berichten. Von NOS zitierte Forscher verweisen auf zahlreiche Hinweise darauf, dass die Nazis das Gemälde beschlagnahmten. Ein Museumsmitarbeiter soll es auf Anweisung einer unbekannten Person per Kurier zu einem Auktionshaus in Amsterdam gebracht haben, und laut Het Parool war an der Abwicklung der Kunsthändler aus der NS-Zeit Alois Miedl beteiligt. Das Werk wurde 1940 bei der Auktion von Frederik Muller & Co. angeboten und gelangte in die Hände des Kunstsammlers Sal Slijper.
- Kandinsky malt das Bild in Paris
- Emanuel und Hedwig Lewenstein kaufen das Gemälde
- Das Werk wird bei einer Auktion von Frederik Muller & Co. in Amsterdam angeboten
- Slijpers Witwe verkauft das Werk an die Bayerische Landesbank
- Die Restitutionskommission entscheidet, dass das Gemälde an die Erben der Familie Lewenstein zurückgehen muss
- Bei der Auktion von Christie's in London wird das Gemälde laut Het Parool für 31,9 Millionen Euro verkauft
Nach Slijpers Tod 1971 verkaufte seine Witwe das Gemälde 1972 an die Bayerische Landesbank, die es als Leihgabe an das Lenbachhaus in München gab. Dort hing es mehr als 50 Jahre, bevor das Restitutionsverfahren begann.
Restitution und die Erben
Das deutsche Gremium Beratende Kommission NS-Raubgut entschied 2023, dass die Bayerische Landesbank das Gemälde an die Erben der Familie Lewenstein zurückgeben muss, wie Het Parool berichtet. VRT NWS berichtet, die Bank habe es den Erben noch im selben Jahr zurückgegeben. Im August sagte Rob Lewenstein der Zeitung Het Parool, der neue Eigentümer sei ein ihm unbekannter Milliardär aus dem Nahen Osten, so die Volkskrant.
Die Erben hatten zuvor einen anderen Kandinsky zurückerhalten, „Bild mit Häusern“ von 1909, das sich in der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam befunden hatte. Die Restitutionskommission entschied 2018, dass die Stadt nicht zur Rückgabe verpflichtet sei, doch Amsterdam beschloss 2021 nach einem Bericht der Kohnstamm-Kommission, es zurückzugeben. NOS berichtet, das Gemälde habe bis Februar 2022 im Stedelijk gehangen, und laut Volkskrant verkauften die Erben es 2023 für mehr als 60 Millionen Euro.
Dieselbe Auktion
Trouw berichtet, dass bei derselben Auktion erstmals ein Werk von Piet Mondrian, „Compositie III“, unter den Hammer kam und rund 29,8 Millionen Euro einbrachte.