Fünf Jahre nach der Flut: Bewohner von Blessem erinnern sich an die Nacht, als sich die Erde auftat
Zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Juli 2021 blicken die Bewohner von Erftstadt-Blessem auf die Nacht zurück, in der ein Kiesgruben-Einbruch einen Krater durch ihr Dorf riss, Häuser zerstörte und Leben veränderte.
Die Nacht der Flut
Am 14. Juli 2021 prasselte den ganzen Tag schwerer Regen auf Erftstadt-Blessem nieder. Die Erft trat über die Ufer und Wasser ergoss sich in das Dorf. Andreas Negro, Miteigentümer der Burg Blessem, erinnert sich an die seltsamen Geräusche, die der Katastrophe vorausgingen.
Es klang wirklich unheimlich. Aber zunächst konnte man es nicht einordnen.
Um drei Uhr morgens ordnete die Feuerwehr die Evakuierung an. Der Regen hatte aufgehört, aber das Wasser kam weiterhin aus allen Richtungen. Eine Kiesgrube brach ein und löste einen Erdrutsch aus, der mehrere Häuser und einen großen Teil des Anwesens der Burg Blessem verschlang, in dem Negro wohnte.
Hier stand die Reithalle, und dort das Haus meines Schwagers – plötzlich war alles weg.
Der Krater und seine Folgen
Das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde erst nach und nach sichtbar. Gerd Schiffer, Wiederaufbaukoordinator der Stadt Erftstadt, sagte, acht Häuser an der Radmacherstraße nahe des Kraters seien nicht mehr zu retten gewesen. Die Bundesstraße 265 wurde mitsamt Autos weggespült, doch wie durch ein Wunder kam dort niemand ums Leben.
Das volle Ausmaß der Flut wurde erst allmählich sichtbar.
In der gesamten Region kamen bei der Jahrhundertflut mehr als 180 Menschen ums Leben, davon 49 in Nordrhein-Westfalen. Ganze Landstriche wurden verwüstet. Nach einer Woche konnten die meisten Bewohner von Blessem wieder nach Hause zurückkehren, außer denen, die direkt am Kraterrand lebten, wo die Gefahr weiterer Erdrutsche bestand.
Persönlicher Verlust und kleine Gnaden
Als Negro kurzzeitig in sein Haus zurückkehren durfte, um Habseligkeiten zu holen, ging er zielstrebig vor. Er hatte genau geplant, was er mitnehmen wollte: Fotos seiner verstorbenen Frau und andere Erinnerungsstücke.
Ich habe mir vorher überlegt, was ich mitnehmen wollte, und genau das eingepackt – vor allem Fotos meiner verstorbenen Frau und andere Erinnerungsstücke.
Wiederaufbau und Gemeinschaft
Innerhalb von etwa drei Monaten waren die Straßen im Dorf repariert. Im Advent 2021 versammelten sich die Dorfbewohner am Kraterrand und sangen Weihnachtslieder. Schiffer nannte diese Momente unvergesslich. Erftstadt erhielt 84 Millionen Euro aus einem Bundes- und Landesfluthilfefonds für den Wiederaufbau von Infrastruktur und öffentlichen Gebäuden.
Freiwillige aus ganz Deutschland reisten in das Flutgebiet, um zu helfen. Negro erinnerte sich an eine Gruppe junger Leute, die seinen Keller mit einem Dampfstrahler reinigten, einfach weil sie es wollten.
Diese Hilfe hat uns ungeheuer getragen.
Die Renovierung der Wohnhäuser dauerte zwei Jahre. Fußböden mussten herausgerissen, Wände neu aufgebaut werden.
Fünf Jahre danach
Heute ist der Krater noch immer eine sichtbare Narbe, aber die Gemeinschaft hat sich wieder aufgebaut. Negro hört diese unheimlichen Geräusche noch immer in seiner Erinnerung. Die Katastrophe, sagt er, habe grundlegende Veränderungen gebracht.
- Starke Regenfälle lassen die Erft über die Ufer treten; Blessem wird überflutet.
- Feuerwehr evakuiert Anwohner; Kiesgrube bricht ein, Erdrutsch zerstört Häuser und Teile der Burg Blessem.
- Die meisten Bewohner kehren nach Hause zurück, außer denen am Kraterrand aufgrund der Erdrutschgefahr.
- Die Straßen in Blessem werden repariert.
- Dorfbewohner versammeln sich am Kraterrand, um Weihnachtslieder zu singen.
- Die Renovierung der Wohnhäuser, einschließlich der Burg Blessem, wird nach zwei Jahren abgeschlossen.
- Fünfter Jahrestag: Die Bewohner blicken auf die Katastrophe und den Wiederaufbau zurück.


