Gleichstellungsministerinnen der Länder fordern Bundesmaßnahmen gegen Frauenarmut
Auf einer Konferenz in Dresden verabschiedeten die Gleichstellungsministerinnen der Länder einen Leitantrag, der einen Unabhängigkeitscheck, eine bessere Unterstützung für Pflegende und eine stärkere Verknüpfung von Armutsprävention und Gewaltschutz fordert.
Die Dresdner Konferenz
Die Gleichstellungs- und Frauenministerinnen der Länder trafen sich am 18. und 19. Juni 2026 in Dresden zu ihrer regelmäßigen Konferenz unter dem Vorsitz der sächsischen Gleichstellungsministerin Petra Köpping. Auch Bundesministerin Karin Prien (CDU) nahm teil. Das wichtigste Ergebnis war ein Leitantrag, der die Bundesregierung auffordert, dringend Maßnahmen zur Bekämpfung von Frauenarmut zu ergreifen.
Armut ist einer der zentralen Gründe, warum Menschen nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Und umgekehrt: Wer nicht teilhaben kann, rutscht auch leichter in Armut ab.
Köpping sagte, dieser Kreislauf müsse durchbrochen werden.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit und Sorgearbeit
Frauen sind überproportional von Armut betroffen, insbesondere Alleinerziehende, Teilzeitbeschäftigte, pflegende Angehörige, ältere Frauen und Frauen mit Migrationshintergrund. Der Antrag fordert die Förderung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen – durch verlässlichere Kinderbetreuungsstrukturen und eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit in den Familien. Vorgeschlagen wird ein „Unabhängigkeitscheck“, um Armutsrisiken sichtbar zu machen.
Die Ministerinnen wollen Reformen im Steuer- und Arbeitsrecht, um partnerschaftliche Erwerbs- und Arbeitszeitmodelle zu stärken. Pflegende Angehörige bräuchten einen besseren sozialen Schutz, als der aktuelle Entwurf des Pflegegesetzes vorsehe.
Verknüpfung mit Gewaltprävention
Die Konferenz verknüpfte wirtschaftliche Abhängigkeit explizit mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Die Ministerinnen argumentierten, dass Armutsprävention und Gewaltprävention miteinander verwoben werden müssten. Sie forderten bundesweite Leitlinien zum Schutz vor Gewalt und den weiteren Ausbau länderübergreifender Unterstützung für Opfer häuslicher Gewalt. Auch Beratungsangebote zu digitalisierter sexualisierter Gewalt sollten ausgebaut werden.
Politischer Konsens und nächste Schritte
Laut Köpping herrschte breiter Konsens unter den Länderministerinnen. Der Austausch mit Bundesministerin Prien wurde als intensiv beschrieben. Der Konferenzvorsitz wechselt im kommenden Jahr an Schleswig-Holstein.


