
Nepal: Flut-Todeszahl steigt auf 675, Rettungsteams durchsuchen Wasserkrafttunnel, USA sagen Hilfe zu
Einsatzkräfte in Nepal räumen Schutt von 11 überfluteten Wasserkraftprojekten, nachdem ein Gletscherseeausbruch mindestens 675 Tote in Nepal und sieben in Tibet gefordert hat. Internationale Geber mobilisieren Nahrungsmittelhilfe und spezialisierte Bergungsteams.
Ausmaß der Verwüstung
Die Zahl der Todesopfer des Gletscherseeausbruchs vom Mittwoch im Norden Nepals ist bis Sonntag auf 675 gestiegen. 2.498 Menschen werden in den betroffenen Tälern noch vermisst. Auf der anderen Seite der Nordgrenze in Tibet bestätigten die chinesischen Behörden sieben Tote und 554 Vermisste. Damit steigt die regionale Gesamtzahl der Toten auf 682 und die der Vermissten auf über 3.000. Der Ausbruch ging vom Becken des Flusses Bhotekoshi im Distrikt Rasuwa aus, bevor er sich in mehrere tiefer gelegene Regionen ergoss. Zu den am schwersten betroffenen Gebieten gehört der Distrikt Chitwan, wo die Behörden 223 Tote registrierten, gefolgt von Nawalparasi Ost mit 158 Toten, Gorkha mit 48 und Dhading mit 45. Unter den in Nepal Vermissten befinden sich 517 ausländische Staatsangehörige sowie 45 Soldaten, 27 Polizisten, 15 Zollbeamte, 13 bewaffnete Polizisten und vier Einwanderungsbeamte.
- Chitwan
- 223
- Nawalparasi Ost
- 158
- Gorkha
- 48
- Dhading
- 45
Wasserkrafttunnel und Rettungsarbeiten
Such- und Rettungsteams intensivierten die Einsätze an mindestens elf Wasserkraftwerken entlang des Trishuli-Flussbeckens, die durch Fluten und Schlammlawinen abgeschnitten waren. Schätzungen zufolge befanden sich mindestens 933 Arbeiter in oder in der Nähe dieser Kraftwerke, als das Wasser einschlug. Am Projekt Trishuli 3A arbeitete eine gemeinsame Einheit von 82 Personen (62 nepalesische Armeesoldaten und 20 Polizisten) ununterbrochen daran, dicke Sedimentschichten zu beseitigen, die den Tunneleingang blockierten. Ein spezialisiertes Rettungskontingent aus Indien traf am Samstag im Trishuli-Gebiet ein und startete Hubschrauber-Erkundungsflüge über Chilime und Langtang, um die lokalen Teams zu unterstützen. Bis Samstag hatten Einsatzkräfte über 350 Menschen lebend aus den Kraftwerkskomplexen geholt, während 16 Militär- und Privathubschrauber den breiteren Einsatz von fast 15.000 Sicherheitskräften unterstützten.
Überfüllte Leichenschauhäuser und Identifizierungsbemühungen
Die Flut von Leichen überforderte schnell die medizinischen Einrichtungen in ganz Nepal. Die Kapazität der nationalen Krankenhausleichenschauhäuser liegt bei etwa 350 Leichen. Als Reaktion darauf begannen die Behörden in schwer betroffenen Gebieten wie Chitwan, Pokhara und Nuwakot mit sofortigen Einzelbestattungen, nachdem sie DNA-Proben und Fingerabdrücke gesammelt und offizielle Referenznummern vergeben hatten. Im Bharatpur District Hospital in Chitwan, das 171 Leichen aufnahm, wurden aufgrund der starken Verwesung nur vier von 233 geborgenen Opfern identifiziert. Die nepalesische Polizei richtete einen digitalen Katalog ein, der über QR-Codes in sozialen Medien zugänglich ist und es Familien von Vermissten ermöglicht, Fotos und Kleidungsbeschreibungen mit nicht identifizierten Opfern zu vergleichen.
Die aus Aufnahmezentren, Gesundheitseinrichtungen und Flussufern geborgenen Leichen und Überreste befinden sich in einem fortgeschrittenen Verwesungszustand und können nicht mehr identifiziert werden.
Internationale Hilfe und wirtschaftlicher Wiederaufbau
Nepal bat am Samstag offiziell um ausländische Hilfe und forderte Kühllager, Forensiker und spezielle Ausrüstung zur Bewältigung der Krise an. Der nepalesische Außenminister Shishir Janal erörterte mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi gemeinsame Such- und Rettungsaktionen, während Regierungsbeamte Pläne für eine Geberkonferenz vorbereiteten.
Das Ausmaß der Verwüstung ist sehr groß. Wir hoffen auf internationale Hilfe für Wiederaufbau und Wiederherstellung.
Finanzminister Swarnim Wagle erklärte, das Land werde mehrere Milliarden Dollar für den langfristigen Wiederaufbau benötigen. Ein erster staatlicher Hilfsfonds sammelte jedoch über 5 Milliarden nepalesische Rupien (etwa 28,2 Millionen Euro). Am Sonntag kündigten die Vereinigten Staaten mehr als 3,6 Millionen Dollar Nothilfe an, um 10.000 betroffene Haushalte drei Monate lang mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch Papst Leo XIV. leistete über Caritas Nepal finanzielle Hilfe und schloss sich damit den laufenden operativen Beiträgen Indiens, Chinas, Australiens und Japans an.
- Gletscherflut strömt durch die Flussbecken von Bhotekoshi und Trishuli
- Todeszahl in Nepal erreicht 626, 15.000 Sicherheitskräfte werden eingesetzt
- Nepal bittet um internationale forensische Hilfe, da Leichenschauhäuser voll werden
- USA genehmigen 3,6 Millionen Dollar Nahrungsmittelhilfe; Todeszahl in Nepal steigt auf 675


