
UNHCR: 5,8 Millionen Flüchtlingskinder im Jahr 2025 ohne Schulbildung – Mittel gehen zurück
Ein neuer Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks zeigt, dass 44 Prozent der schulpflichtigen Flüchtlingskinder im Jahr 2025 keine formale Bildung erhielten, während internationale Finanzierungslücken die Bildungsungleichheit weiter zu vergrößern drohen.
Weltweites Bildungsdefizit
Im Jahr 2025 besuchten 5,8 Millionen Flüchtlingskinder keine Schule. Das geht aus einem jährlichen Bildungsbericht hervor, den das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf veröffentlichte. Die Zahl entspricht 44 Prozent der geschätzten 13,1 Millionen schulpflichtigen Flüchtlinge weltweit; einige Daten des Hilfswerks erfassen bis zu 13,2 Millionen vertriebene Jugendliche. Die unter dem Titel „Pathways to the Future: Education, Opportunity and Self-Reliance“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass nahezu die Hälfte aller vertriebenen schulpflichtigen Kinder weiterhin von formaler Bildung ausgeschlossen ist. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih, ein Kurde aus dem Irak, der selbst einst Flüchtling war, rief die Geberländer dazu auf, ihre Investitionen in die Bildung vertriebener Gemeinschaften zu erhöhen.
Bildung ist Schutz. Aber sie ist auch ein Weg zu Chancen und Eigenständigkeit. In einer Zeit enormen Drucks auf die humanitäre und entwicklungspolitische Finanzierung drohen Kürzungen bei der Bildung, jahrzehntelange gemeinsame Investitionen rückgängig zu machen und einer ganzen Generation junger Menschen Chancen zu verschließen.
Einbruch in der Sekundarstufe und Geschlechterkluft
Der Zugang zu Bildung nimmt mit zunehmendem Alter der Flüchtlingskinder stark ab. Während 2025 65 Prozent der Flüchtlingskinder im Grundschulalter eine Grundschule besuchten, waren es in der Sekundarstufe nur 32 Prozent. Obwohl Jungen und Mädchen in den Grundschulklassen etwa gleich häufig vertreten sind, weitet sich die Geschlechterkluft in der Sekundarstufe deutlich. Das Hilfswerk berichtete, dass Armut, Sicherheitsrisiken, Frühverheiratung und häusliche Pflichten immer mehr heranwachsende Mädchen vor dem Abschluss ihrer Sekundarschulausbildung aus den Klassenzimmern drängten.
- Grundschulbildung
- 65 %
- Sekundarschulbildung
- 32 %
- Hochschulbildung
- 11 %
Rekordzahlen in der Hochschulbildung
Im Gegensatz zu den Engpässen in der Sekundarstufe erreichte die Hochschulbeteiligung von Flüchtlingen im Jahr 2025 elf Prozent – der höchste Wert, den das Hilfswerk je erfasst hat. Mehr als 450.000 Flüchtlinge schrieben sich im Laufe des Jahres an Universitäten oder Berufsbildungseinrichtungen ein, nach neun Prozent im Jahr 2024. Dieses Wachstum bringt das UNHCR auf Kurs zu seinem Ziel von 15 Prozent Hochschulbeteiligung bis 2030. Das Hilfswerk verwies auf diesen Zuwachs als Beleg dafür, dass gezielte Investitionen in vertriebene Jugendliche konkrete Bildungs- und Wirtschaftsergebnisse erzielen.
Unser Anspruch muss über die Frage hinausgehen, ob Mädchen und Jungen im Klassenzimmer bleiben. Vertreibung darf nicht die Grenzen des Lebens eines Kindes bestimmen. Ein Kind, das heute die Chance zu lernen hat, wird morgen besser darauf vorbereitet sein, zur Gesellschaft beizutragen und für sich selbst zu sorgen – ob es nun irgendwann nach Hause zurückkehrt, seine Zukunft im Aufnahmeland aufbaut oder anderswo Chancen sucht.
Wachsende Finanzierungslücken
Steigende Haushaltskürzungen in den Geberländern setzen bestehende Bildungsprogramme nun unmittelbar unter Druck. Für 2026 errechnete das UNHCR einen Finanzbedarf von 8,5 Milliarden Dollar, um vertriebene Bevölkerungsgruppen zu schützen und zu unterstützen; bis Ende Juli gingen jedoch nur 2,7 Milliarden Dollar ein – weniger als ein Drittel des benötigten Budgets. Bereits zu Beginn derselben Woche hatte das Hilfswerk gewarnt, dass die allgemeinen Mittelkürzungen fast 8,3 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene von lebenswichtiger Hilfe abschneiden könnten. Traditionelle Geberregierungen, darunter die Vereinigten Staaten und europäische Staaten, haben ihre Entwicklungshilfebeiträge reduziert. Während die Vereinten Nationen als Richtwert für Industrieländer vorsehen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe aufzuwenden, trägt Deutschland derzeit rund 0,4 Prozent bei.
- Beantragtes Budget
- 8.5 Mrd. $
- Bis Juli 2026 erhalten
- 2.7 Mrd. $


