
Fehlender Verriegelungsstift in Werkzeugkiste gefunden – Lufthansa-Boeing-787 stürzt in Frankfurt auf die Nase, 23 Verletzte
Ein vorläufiger BFU-Bericht zeigt, dass der Verriegelungsstift des Fahrwerks vor einem Wartungstest am 4. Juni nie eingesetzt wurde; er lag in einer Aufbewahrungsbox, während die Nase und die Triebwerksverkleidungen des Dreamliners auf den Beton prallten.
Was der Zwischenbericht ergab
Die deutschen Flugunfallermittler haben ihren ersten Zwischenbericht zum Unfall vom 4. Juni veröffentlicht, bei dem eine Lufthansa Boeing 787-9 am Flughafen Frankfurt auf die Nase stürzte. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) stellt fest, dass der Verriegelungsstift des Bugfahrwerks vor der Durchführung eines Wartungstests nicht in die dafür vorgesehene Bohrung eingesetzt wurde. Stattdessen wurde der Stift später in einer Aufbewahrungsbox im vorderen Frachtraum gefunden. Der Bericht lässt ausdrücklich offen, ob der fehlende Stift das Einfahren des Fahrwerks verursachte, und weist darauf hin, dass die vollständige Analyse erst im Abschlussbericht erscheinen wird, der in etwa einem Jahr erwartet wird.
Das Flugzeug mit dem Kennzeichen LH450 wurde auf der Parkposition A15 vor Terminal 1 für einen Langstreckenflug nach Los Angeles vorbereitet. Es befanden sich keine Passagiere an Bord, aber 13 Besatzungsmitglieder und 13 Bodenabfertigungskräfte waren im Jet, weitere sechs Personen standen unmittelbar daneben. Als das Bugfahrwerk einfuhr, schlugen der vordere Rumpf und beide Triebwerksverkleidungen auf die Betonfläche auf. Der Aufprall unterbrach die Stromversorgung, löschte die Kabinenbeleuchtung und schlug die Cockpittür zu.
Das Luftfahrzeug prallte mit dem Bug sowie beiden Triebwerksverkleidungen auf dem Betonboden auf.
Verletztenzahl deutlich nach oben korrigiert
Lufthansa hatte zunächst fünf Verletzte gemeldet. Der BFU-Zwischenbericht korrigiert diese Zahl auf 23: Zwei Personen erlitten schwere Verletzungen, 21 wurden leicht verletzt. Die Diskrepanz hat in den deutschen Medien Aufmerksamkeit erregt, mehrere Nachrichtenportale berichten über die korrigierte Opferzahl zusammen mit der technischen Feststellung.
Der Wartungsablauf
Zwei zertifizierte Techniker saßen im Cockpit am zweiten Tag ihrer Frühschicht, die um 06:00 Uhr begann. Sie waren gerufen worden, um einen offenen Fehler in der Steuerung der Hauptfahrwerkstore zu beheben. Laut BFU konnte das Problem aus Zeitmangel nicht vorab von Elektrikern behoben werden. Ein Techniker las die Verfahren aus dem auf einem Tablet angezeigten Boeing Fault Isolation Manual laut vor, während der andere die Anweisungen ausführte. Das Verfahren erforderte das Bewegen des Fahrwerkhebels in die Position UP.
Das Handbuch weist ausdrücklich darauf hin, dass die Fahrwerk-Verriegelungsstifte vor dem Bewegen des Hebels eingesetzt werden müssen, und enthält eine Abbildung, die das korrekte Einsetzen des Bugfahrwerkstifts zeigt. Die BFU stellt fest, dass beide Techniker über alle erforderlichen Zertifizierungen verfügten.
Aus Zeitmangel konnte das Problem nicht vorab von Elektrikern behoben werden.
Schäden und Flugzeughistorie
Die BFU beschreibt den Dreamliner als „schwer beschädigt“. Der Bugbereich und der Bugfahrwerkskasten erlitten schwere strukturelle Schäden, und der Mechanismus der vorderen Frachttür wurde verbogen. Das Flugzeug war Anfang 2026 ausgeliefert worden und hatte vor dem Unfall nur 137 Flüge absolviert.
Parallelen und nächste Schritte
Der BFU-Bericht zieht eine Parallele zu einem Vorfall aus dem Jahr 2021 mit einer British Airways Boeing 787-8, bei dem das Bugfahrwerk ebenfalls zusammenbrach, nachdem ein Verriegelungsstift an der falschen Stelle eingesetzt worden war. Die Ermittler betonen, dass die laufende Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist und dass menschliche, technische und organisatorische Faktoren noch geprüft werden müssen. Der Abschlussbericht wird Ursachen benennen und möglicherweise Sicherheitsempfehlungen aussprechen. Die BFU wiederholt, dass ihre Untersuchung ausschließlich der Verhütung künftiger Unfälle dient und keine Schuldzuweisung oder Haftungsfeststellung vornimmt.
Die Untersuchung des Unfalls sei noch nicht abgeschlossen.
- Zwei Techniker beginnen Frühschicht; werden gerufen, um Fehler in der Steuerung der Hauptfahrwerkstore zu beheben.
- Techniker sitzen im Cockpit mit dem Boeing Fault Isolation Manual auf einem Tablet; Verriegelungsstift nicht eingesetzt.
- Ein Techniker liest das Verfahren laut vor, während der andere den Fahrwerkhebel auf UP stellt.
- Bugfahrwerk fährt auf Position A15 ein; vorderer Rumpf und beide Triebwerksverkleidungen treffen auf Beton.
- Stromversorgung fällt aus, Kabinenbeleuchtung erlischt, Cockpittür schlägt zu; 23 Personen verletzt.
- BFU veröffentlicht Zwischenbericht; Stift in Aufbewahrungsbox im vorderen Frachtraum gefunden.


