
Fed belässt Leitzins bei 3,5–3,75 % in erster Entscheidung von Kevin Warsh und widersetzt sich Trumps Forderung nach Zinssenkungen
Die US-Notenbank Federal Reserve ließ ihren Leitzins am Mittwoch unverändert in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent – das war der erste geldpolitische Beschluss des neuen Vorsitzenden Kevin Warsh und eine Enttäuschung für Präsident Donald Trumps Drängen auf billigeres Geld.
Warshs erster Schritt
In seinem ersten Treffen als Fed-Vorsitzender führte Kevin Warsh das Federal Open Market Committee zu einer einstimmigen Entscheidung, den Leitzins unverändert zu lassen. Dies ist die vierte Zinspause in Folge im Jahr 2026, die Zielspanne bleibt bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Warsh, der letzten Monat von Präsident Trump ernannt wurde, stand unter starkem Druck aus dem Weißen Haus, eine Zinssenkung zu liefern, doch die Bedenken des Ausschusses über die hohe Inflation setzten sich durch.
Das war seinem Verständnis nach die Absprache, die er mit Kevin Warsh hat. Hier die richtige Geldpolitik zu finden, dürfte in diesem Jahr ein politisches Minenfeld werden.
Der Trump-Druck
Trump holte Warsh persönlich als Ersatz für seinen häufigen Widersacher Jerome Powell und erwartete explizit, dass der neue Vorsitzende die Kreditkosten senken würde. Die interventionistische Haltung des Präsidenten hat bei Ökonomen Ängste geschürt, dass die traditionell unabhängige Zentralbank ihre Objektivität verlieren könnte. Warsh erklärte jedoch, er habe Trump keine Versprechungen gemacht, und am Mittwoch beugte er sich den Forderungen des Weißen Hauses nicht.
Ich glaube schon, dass es das Leben von Kevin Warsh einfacher gemacht hat.
Inflation und der Iran-Faktor
Der globale Hintergrund wird vom Iran-Krieg dominiert, der den Öltankerverkehr durch die Straße von Hormus unterbrochen und die US-Energiekosten in die Höhe getrieben hat. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai im Jahresvergleich um 4,2 Prozent – das schnellste Tempo seit drei Jahren und weit über dem 2-Prozent-Ziel der Fed. Die Benzinpreise stiegen um rund 40 Prozent. Die vorläufige US-Iran-Rahmenvereinbarung hat jedoch die Rohölpreise gesenkt und einige der unmittelbaren Inflationsängste gemildert, was Warsh Spielraum verschafft.
Warshs eigene Wetten
Hinter den Kulissen setzt der neue Vorsitzende auf eine ganz andere Kraft, um die Inflation zu bekämpfen: künstliche Intelligenz. Warsh glaubt, dass die schnellen KI-getriebenen Produktivitätszuwächse mit der Zeit deflationär wirken und die Dringlichkeit aggressiver Zinserhöhungen verringern werden. Einige Marktanalysten warnen, dass diese These riskant ist.
Wir müssen uns jetzt keine Sorgen machen über Inflation, weil sowieso Deflation kommen wird durch den Einsatz von KI. Das ist natürlich eine gefährliche Sache, falls es dann doch nicht so kommt.
Eine leisere Fed
Das Treffen brachte auch einen stilistischen Wandel mit sich. Warsh weigerte sich, an den vierteljährlichen Wirtschaftsprognosen des Ausschusses teilzunehmen, sodass nur 18 anonyme Schätzungen statt der üblichen 19 vorliegen. Er hat eine Vorliebe für eine weniger gesprächige Zentralbank signalisiert, die weniger vorausschauende Signale gibt – ein Bruch mit der Ära Powell. Jenseits des Atlantiks hob die Europäische Zentralbank letzte Woche ihren Einlagensatz zum ersten Mal seit 2023 an, was die wachsende Divergenz zwischen den großen Währungsbehörden unterstreicht.
- Erstes Treffen 2026: Zinsen bei 3,5–3,75 % gehalten
- Zweite Pause, gleiche Spanne beibehalten
- Drittes Beibehalten in Folge bei 3,5–3,75 %
- Warshs Debüt als Vorsitzender: vierte Pause, Zinsen unverändert


