
Europaabgeordnete der Brüder Italiens legen bei der EU Beschwerde gegen mutmaßliche Voreingenommenheit der Rai-Investigativsendung Report ein
Abgeordnete der italienischen Regierungspartei haben an die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, geschrieben und behauptet, die Investigativsendung Report des öffentlich-rechtlichen Senders Rai habe durch die gezielte Berichterstattung über die Regierung gegen europäische Medienregeln verstoßen.
Europäische Beschwerde über öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Mitglieder des Europäischen Parlaments der Partei Brüder Italiens haben am 23. August 2026 ein formelles Schreiben an die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, bezüglich der öffentlich-rechtlichen Fernsehsendung Report gesandt. Die Initiative, angeführt von MdEP Stefano Cavedagna und unterstützt von Fraktionschef Carlo Fidanza sowie dem Ko-Vorsitzenden der Europäischen Konservativen und Reformer, Nicola Procaccini, folgte auf parlamentarische Anfragen der italienischen Demokratischen Partei. Linksgerichtete Oppositionsgruppen hatten argumentiert, dass der politische Druck gegen die Investigativsendung und ihren 64-jährigen Moderator Sigfrido Ranucci gegen den Europäischen Medienfreiheitsgesetz verstoße. Als Reaktion wandte sich die italienische Regierungsfraktion direkt an Brüssel, um diese Darstellung zu bestreiten und zu argumentieren, dass die Sendung selbst durchgängig nicht die europäischen Standards für Medienausgewogenheit und öffentlich-rechtliche Verpflichtungen erfülle.
Inhaltsanalyse und Vorwürfe der Voreingenommenheit
Die konservative Fraktion stützte ihre Eingabe auf eine statistische Überprüfung der redaktionellen Bilanz der Sendung seit der Machtübernahme der derzeitigen Regierung. Laut den der Kommission vorgelegten Daten konzentrierten sich von 404 untersuchten Investigativbeiträgen seit dem Amtsantritt von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni 43,5 % in verschiedener Weise auf die Brüder Italiens und ihre politische Führung. Die Abgeordneten machten geltend, dass diese Beiträge auf Mutmaßungen und der durchgängigen Verwendung von Konditionalformulierungen beruhten, um vorgefasste Theorien zu konstruieren, anstatt überprüfte Ergebnisse zu präsentieren. Cavedagna, der zuvor als Berichterstatter für das Europäische Medienfreiheitsgesetz tätig war, vertrat die Auffassung, dass der öffentlich-rechtliche Journalismus explizite Anforderungen an Unparteilichkeit erfüllen müsse.
Stefano Cavedagna definierte in dem formellen Schreiben die rechtliche Position der Fraktion zu den Standards des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Die Informationsfreiheit ist unantastbar, aber ihre systematische einseitige Nutzung durch ein öffentlich-rechtliches Programm ist es nicht, und sie schadet den europäischen Regeln, die auf Unparteilichkeit und Ausgewogenheit beruhen und in mehreren Artikeln des EMFA zitiert werden.
Überprüfung der Rai-Führung und Ethikuntersuchung
Der politische Streit in Brüssel spielt sich parallel zu anstehenden Führungsentscheidungen im Rai-Hauptquartier in Rom ab. Der Rai-Vorstandsvorsitzende Giampaolo Rossi hat ein formelles Dossier der Ethikkommission des Senders zu möglichen Verstößen gegen die Berufsordnung durch Ranucci vorliegen. Die ethische Überprüfung konzentriert sich auf die Beziehung des Senders zu Valter Lavitola, der wegen des Vorwurfs der Anstiftung zu einem Autobombenanschlag auf Ranuccis Fahrzeug in der Nähe seines Hauses im letzten Oktober verhaftet wurde. Die Staatsanwaltschaft Rom behandelt Ranucci in diesem Ermittlungsverfahren weiterhin als Geschädigten. Die Unternehmensleitung beabsichtigt nicht, Ranucci zu suspendieren, der den unbefristeten Titel des stellvertretenden Direktors ad personam der Abteilung für Hintergrundberichterstattung des Senders innehat.
Bevorstehende redaktionelle Neuordnung
Rossi hat die direkte redaktionelle Aufsicht über das Personal des Senders und bereitet die Entscheidung vor, ob Ranucci als Moderator der Flaggschiff-Sendung Rai3 ersetzt werden soll. Die Führungskräfte des Senders beabsichtigen, Ranucci drei interne Versetzungsoptionen anzubieten, anstatt ihn vollständig aus dem Sender zu entfernen. Die Entscheidung fällt nach monatelanger Prüfung der redaktionellen Ausrichtung der Investigativabteilung. Während Oppositionsabgeordnete jede Personalveränderung weiterhin als politische Einmischung charakterisieren, betonen Regierungsvertreter, dass die Geschäftsführung lediglich die normale Aufsicht über das öffentlich-rechtliche Programm ausübe.
- Sigfrido Ranuccis Fahrzeug wird bei einer Explosion in der Nähe seines Hauses in Rom beschädigt.
- MdEPs der Brüder Italiens senden einen Brief an die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, in dem sie Voreingenommenheit behaupten.
- Rai-CEO Giampaolo Rossi prüft das Dossier der Ethikkommission zu Ranuccis Rolle im Sender.


