Kurz gefasst
Die EZB erhöhte alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte, der Einlagensatz stieg von 2,0 % auf 2,25 %.
Die Inflation im Euroraum beschleunigte sich von 1,9 % im Februar auf 3,2 % im Mai, angetrieben durch den Ölpreisschock aus dem Iran-Krieg und der Blockade der Straße von Hormus.
Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel stieg von 2,2 % auf 2,5 %, die Dienstleistungsinflation sprang von 3,0 % auf 3,5 %.
Die Wirtschaft des Euroraums schrumpfte im ersten Quartal 2026. Die Deutsche Bank senkte ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 0,5 %, nach 1,1 %.
Festgeldzinsen liegen in Deutschland bereits im Schnitt bei 2,3 %. Banken haben historisch 61 % der Zinserhöhungen an Kreditnehmer weitergegeben, aber nur 9 % der Zinssenkungen.
Die Europäische Zentralbank hat ihre lange Zinspause beendet und auf ihrer Juni-Sitzung alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagensatz, die für Sparer und Finanzmärkte wichtigste Benchmark, liegt nun bei 2,25 %. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,4 %, der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,65 %.
Der Inflationsauslöser
Die Verbraucherpreise im Euroraum stiegen im Mai laut vorläufigen Zahlen von Eurostat um 3,2 % im Jahresvergleich, nach 3,0 % im April und deutlich über dem EZB-Ziel von 2 %. Im Februar, vor der Eskalation des Iran-Konflikts, lag die Inflation bei nur 1,9 %. Der Ölpreisschock durch den Krieg und die blockierte Straße von Hormus hat die Treibstoff- und Energiekosten in die Höhe getrieben, die nun auf andere Preise durchschlagen. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, stieg von 2,2 % auf 2,5 %. Die Dienstleistungsinflation sprang von 3,0 % auf 3,5 %.
„Eine Zinserhöhung im Juni ist notwendig.“
Ein präventiver Schritt
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte wiederholt die Bereitschaft der Zentralbank signalisiert, zu handeln. Der EZB-Rat, der die Zinsen sieben Sitzungen in Folge unverändert gelassen hatte, bewegte sich, um eine sogenannte „Entankerung der Inflationserwartungen“ zu verhindern. EZB-Umfragen unter Haushalten und Unternehmen hatten bereits deutlich höhere Inflationserwartungen gezeigt, wobei beide Gruppen nach dem Inflationsschub von 2022, als die Rate bei 10,6 % ihren Höhepunkt erreichte, empfindlicher auf Preisschocks zu reagieren schienen.
„Die EZB ist bereit zu handeln, falls nötig.“
Wirtschaftliche Gegenwinde
Die Zinserhöhung trifft auf eine fragile Wirtschaft. Der Euroraum schrumpfte im ersten Quartal 2026, und Deutschland verzeichnete laut Eurostat nur ein Wachstum von 0,3 %. Die Deutsche Bank hat ihre Prognose für das Gesamtjahr 2026 für den Währungsraum auf 0,5 % gesenkt, nach 1,1 % in ihrer November-Prognose. Kritiker argumentieren, die Zinserhöhung bestrafe eine ohnehin schwache Wirtschaft, während sie wenig gegen einen angebotsseitigen Ölschock ausrichte, den die EZB nicht direkt lösen könne.
Gewinner und Verlierer
Sparer profitieren. Laut dem Vergleichsportal Verivox liegen zweijährige Festgelder, die bundesweit in Deutschland verfügbar sind, bereits im Schnitt bei 2,3 %, einige Banken bieten Neukunden bis zu 4 % auf Tagesgeld. Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier erwartet eine weitere Verbesserung der Konditionen. Kreditnehmer stehen vor einer anderen Realität: Die Plattform berechnet, dass Banken historisch 61 % der EZB-Zinserhöhungen an Kreditkunden weitergegeben haben, aber nur 9 % der Zinssenkungen. Ratenkredite, Dispositionskredite und Hypothekenfinanzierungen werden voraussichtlich teurer.
„In diesem Fall dürfte der Anstieg der Festgeldzinsen in ähnlichem Tempo wie zuletzt anhalten.“
Wie es weitergeht
Ob weitere Zinserhöhungen folgen, hängt stark von der Entwicklung im Persischen Golf ab. Einige Ökonomen erwarten mehr als eine Erhöhung in diesem Jahr. Die EZB-Entscheidung fällt eine Woche vor der eigenen Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve, die nun von Kevin Warsh geleitet wird, und einen Tag vor der Sitzung der Schweizerischen Nationalbank.
- 2026-01-01
- 1.7 %
- 2026-02-01
- 1.9 %
- 2026-04-01
- 3 %
- 2026-05-01
- 3.2 %
Daten aus dem Artikeltext