
Ehemaliger russischer Soldat nach viralem Video festgenommen, das den Kreml bedroht und ein Treffen mit Putin fordert
Ein ehemaliger russischer Frontsoldat, der ein virales Instagram-Video veröffentlichte, in dem er ein Live-Gespräch mit Wladimir Putin forderte und drohte, die Waffen der Armee auf den Kreml zu richten, wurde festgenommen und zu 11 Tagen Haft verurteilt.
Das virale Video
Ein ehemaliger russischer Frontsoldat, Alexander Lunin, veröffentlichte ein Instagram-Video (auf einer in Russland verbotenen Plattform), in dem er ein sofortiges Live-Gespräch mit Präsident Wladimir Putin forderte. Lunin sagte, er müsse "die ganze Wahrheit darüber, was in unserem Land geschieht" übermitteln, und schilderte im Detail, was er als systematische Misshandlung von Truppen an der Front bezeichnete. Soldaten würden, so behauptete er, von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gefoltert und "ausgebrannt". Das Video sammelte schnell rund zehn Millionen Aufrufe und Hunderttausende Likes und durchbrach die streng kontrollierte Informationsumgebung rund um den Krieg in der Ukraine.
Wenn ich in naher Zukunft nicht live im Fernsehen neben dir erscheine, dann wird die Armee ihre Waffen auf den Kreml richten.
Lunin behauptete zudem, dass er zu dieser Forderung von hochrangigen Militärs und Beamten gedrängt worden sei – eine Aussage, die, falls wahr, tiefe Risse im Sicherheitsapparat signalisieren würde. Die explosive Verbreitung des Videos zwang selbst den Kreml, es öffentlich zur Kenntnis zu nehmen.
Die zurückhaltende Antwort des Kremls
Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte am Freitag, dass die Führung von Lunins Video und seiner Forderung nach einem Gespräch gehört habe. Er schlug einen gemäßigten Ton an und sagte Journalisten: "Man muss es sich erst einmal ansehen." Dabei vermied er jede sofortige Verurteilung oder Zustimmung. Der Kreml reagiert normalerweise auf offene Kritik an den Kriegsanstrengungen mit strengen Sanktionen, einschließlich strafrechtlicher Anklagen. Peskows vorsichtige Antwort ließ offen, ob die Behörden das Video als echte interne Warnung oder lediglich als individuellen Ausbruch betrachteten.
Nächtliche Durchsuchung und schnelle Festnahme
Innerhalb eines Tages nach dem Viralgehen des Videos durchsuchte die Polizei Lunins Haus im Dorf Lisinowka in der westrussischen Region Woronesch. Laut seiner Frau Tatjana Lunina führten Beamte eine nächtliche Durchsuchung durch, beschlagnahmten alle elektronischen Geräte, fanden Lunin dort aber nicht. Er sei am selben Tag in Richtung Moskau aufgebrochen, sagte sie. Später wurde er auf der Straße abgefangen und in Gewahrsam genommen. Ein Freund, der auf Lunins Telegram-Kanal schrieb, gab dann bekannt, dass er zu 11 Tagen Verwaltungshaft verurteilt worden sei. Die Anklage, Verwaltungshaft, ist ein relativ geringes Vergehen nach russischem Recht, das oft genutzt wird, um Dissens zum Schweigen zu bringen, bevor schwerwiegendere Anklagen erhoben werden.
Sie haben ihn nicht gefunden, aber sie haben alle elektronischen Geräte aus dem Haus mitgenommen. Ich weiß nicht, wo er ist; er ist gestern in Richtung Moskau aufgebrochen.
Vorgehen gegen interne Kritik
Lunins Inhaftierung zeigt die Empfindlichkeit des Kremls gegenüber selbst marginalen Stimmen, die die offizielle Kriegserzählung in Frage stellen. Die Kritik am Verhalten des Militärs ist unter Soldaten und Militärbloggern vereinzelt gewachsen und zwingt Moskau zu Reaktionen mit Festnahmen, Zensur und Public-Relations-Gegenmaßnahmen. Indem sie Lunin schnell inhaftierten, signalisieren die Behörden, dass jede Bedrohung, selbst ein virales Video über eine verbotene Plattform, sofort mit Gewalt beantwortet wird. Ob Lunins Behauptung, von hochrangigen Militärs unterstützt zu werden, zu einer umfassenderen Untersuchung führt, bleibt unklar.

