Regierung · Istanbul

Frühere türkische Ministerin Fatma Betül Sayan Kaya in Fonds-Ermittlung in Untersuchungshaft

Ein Gericht hat die frühere Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya in einer Ermittlung gegen Investmentfonds, von der rund 455.000 Anleger betroffen sind, in Untersuchungshaft geschickt. Ihr Ehemann wurde unter richterlicher Kontrolle freigelassen.

KI-Text auf Grundlage von Berichten von der Standard, Handelsblatt, HotNews.ro und weiteren Medien. Veröffentlicht . So entsteht er

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Kurz gefasst

Istanbul · Türkei
Wie es dazu kam
  1. 7.10.Kaya und ihr Ehemann sagen erstmals aus
  2. 3.11.Justizminister: 112 Personen in Untersuchungshaft
  3. 5.11.Kaya wird ein zweites Mal vernommen und festgenommen

Verhaftung einer ehemaligen Ministerin

Die türkischen Behörden haben Fatma Betül Sayan Kaya festgenommen, eine ehemalige Ministerin für Familie und Sozialpolitik und frühere stellvertretende Vorsitzende der regierenden AKP. Die Staatsanwaltschaft Istanbul ermittelt gegen sie wegen Verstoßes gegen das Kapitalmarktgesetz und wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet. Sie wurde am Donnerstag, 5. November, nach einer zweiten Vernehmungsrunde in Gewahrsam genommen, ein Gericht ordnete Untersuchungshaft an. Ihr Ehemann wurde unter richterlicher Kontrolle freigelassen; das verpflichtet ihn, sich regelmäßig bei einer Polizeidienststelle zu melden, und untersagt ihm die Ausreise. Verurteilt ist bislang niemand, und kein Gericht hat bisher über die Vorwürfe entschieden.

Kurzer Blick auf die Karriere

Kaya wurde am 31. Januar 1981 in Istanbul geboren und trat nach Angaben ihrer Website 2009 der Istanbuler Provinzorganisation der AKP bei. Bei der Wiederholungswahl im November 2015 zog sie ins Parlament ein und wurde am 24. Mai 2016 in der Regierung von Binali Yıldırım Ministerin für Familie und Sozialpolitik. Ihr Ministeramt endete 2018 mit dem Übergang der Türkei zum Präsidialsystem. Sie war zudem stellvertretende AKP-Vorsitzende und galt als langjährige enge Verbündete von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Im September trat sie von ihrem Posten als stellvertretende Vorsitzende zurück.

Fonds-Krise und die Vorwürfe

Ein Skandal um Kursmanipulationen bei Investmentfonds war Mitte September ausgebrochen, als mutmaßliche Manipulationen von Aktienkursen eine Börsenkrise auslösten. Die Aufsichtsbehörden ordneten daraufhin die Liquidation von 131 Fonds an, die von sieben Vermögensverwaltungsgesellschaften betrieben wurden, nachdem die Verwalter gewarnt hatten, sie könnten die Rückzahlungen nicht leisten. Rund 455.000 Anleger sollen betroffen sein. Ein Vertreter der oppositionellen Yeni Parti warf Kaya und ihrem Ehemann vor, durch den Verkauf von Anlagen nach Transaktionen im Wert von rund 163 Millionen Lira – überwiegend mit Aktien des Schiffbauers Özata Denizcilik – etwa 2,17 Milliarden türkische Lira erlangt zu haben, umgerechnet rund 43 Millionen Dollar. Diese Zahlen sind Behauptungen der Opposition und von keinem Gericht bestätigt.

Ermittlungen und Reaktion der Regierung

Kaya trat am 26. September als stellvertretende AKP-Vorsitzende zurück, nachdem die Vorwürfe aufgekommen waren. Sie und ihr Ehemann bestritten bei ihrer ersten Vernehmung Anfang Oktober ein Fehlverhalten; Kaya erklärte gegenüber den Ermittlern, sie habe ihre Anlageentscheidungen selbst und ohne vertrauliche Informationen getroffen. Justizminister Akın Gürlek sagte am Dienstag, 3. November, 112 Personen seien in dem Fall in Untersuchungshaft genommen worden, und die Ermittler hätten eine – wie er es nannte – umfassende kriminelle Organisation aufgedeckt. Mehr als 430 Personen werden wegen Marktmanipulation und Insiderhandels ermittelt. Am Donnerstag, 5. November, sagte Erdoğan vor Journalisten, er werde diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die sich unrechtmäßig bereichert und die Kapitalmärkte manipuliert hätten.

Politische Folgen und offene Fragen

Die Opposition begreift die Affäre als Frage politischer Verantwortung und Kontrolle innerhalb der AKP und nicht als Einzeltat. Ekrem İmamoğlu, der inhaftierte frühere Istanbuler Bürgermeister und wichtigste Rivale Erdoğans, sagt, alle in den Fondsskandal Verwickelten gehörten zum Umfeld der Regierung. Die Behörden haben nicht alle Details der mutmaßlichen Transaktionen öffentlich gemacht. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Kaya über nicht offengelegte Informationen verfügte, die Kurse hätten beeinflussen können; die Ermittler prüfen zudem ihre Verbindungen zu Emre Tezmen, einem früheren Direktor eines der beteiligten Vermögensverwalter. Presseberichten zufolge transferierte das Paar einen Teil seiner Handelsgewinne auf ein von den Bankenaufsichtsbehörden markiertes Konto, während es sein Kapital und seine Zinserträge behielt.

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