
Ehemaliger deutscher Geheimdienstchef August Hanning wegen Landesverrats und Spionage festgenommen
Die Bundespolizei nahm den 80-jährigen August Hanning und einen ehemaligen Mitarbeiter in Nordwalde und Bayern im Zuge von Ermittlungen wegen der Weitergabe von Staatsgeheimnissen fest.
Morgenfestnahmen in Nordwalde und Bayern
Die Bundesbehörden nahmen den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, am frühen Morgen des 6. Oktober 2026 im Rahmen einer Operation fest. Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) nahmen den 80-jährigen ehemaligen Geheimdienstchef in seiner Privatwohnung in Nordwalde nordöstlich von Münster fest. Zeitgleich nahmen Ermittlungsbeamte in Bayern Hannings ehemaligen Büroleiter fest, der in den Ermittlungsverfahren als Manfred D. geführt wird. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe koordiniert das Spionageverfahren gegen beide Beschuldigten, während eine Sprecherin der Behörde anmerkte, dass förmliche schriftliche Erklärungen im Laufe des Tages folgen würden. Hanning leitete den deutschen Auslandsgeheimdienst sieben Jahre lang zwischen 1998 und 2005, bevor er Staatssekretär im Bundesministerium des Innern wurde. Manfred D. blieb ein langjähriger Mitarbeiter im BND-Apparat, bis er die Behörde im Frühjahr 2026 verließ.
Umfang der Vorwürfe des Landesverrats und der Spionage
Die Bundesanwaltschaft erhebt gegen Hanning Vorwürfe, die versuchten Landesverrat, landesverräterische Spionage, das Ausspähen von Staatsgeheimnissen und illegale geheimdienstliche Tätigkeit für einen fremden Dienst umfassen. Die Ermittler werfen Manfred D., der zuvor im Leitungsstab des BND tätig war, vor, sich widerrechtlich interne Verschlusssachen aus der BND-Zentrale beschafft und diese bis mindestens 2022 gegen regelmäßige Zahlungen an Hanning weitergegeben zu haben. Manfred D. sieht sich entsprechenden Vorwürfen der Beihilfe zum versuchten Landesverrat sowie der landesverräterischen Spionage gegenüber. Die kompromittierten Akten enthielten sensible Lagebewertungen und vertrauliche Unterrichtungen, die für die Nachrichtendienstliche Lage des Kanzleramts erstellt worden waren. Die Ermittlungsergebnisse besagen, dass Hanning diese internen Unterlagen nutzte, um eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Geheimdienst zu erstellen, bei dem es sich nach deutschen Medienberichten nicht um Russland handelt. Die Ermittler werfen Hanning zudem vor, in der Kommunikation mit einem ausländischen Agenten interne Informationen preisgegeben und geplant zu haben, die Staatsakten über private Sicherheitsberatungsverträge weiterzuverkaufen.
- August Hanning wird Präsident des Bundesnachrichtendienstes und bleibt dies bis 2005.
- Manfred D. soll Hanning bis mindestens in diesem Jahr gegen Bezahlung Verschlusssachen des BND überlassen haben.
- Christina Block soll während eines Sorgerechtsstreits die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben haben.
- Die Hamburger Polizei durchsucht Hannings Haus in Nordwalde und findet elektronische Datenträger mit BND-Akten.
- Manfred D. scheidet aus seinem Beschäftigungsverhältnis beim BND aus.
- Die Bundespolizei nimmt August Hanning in Nordwalde und Manfred D. in Bayern unter Landesverratsverdacht fest.
Entdeckung durch die Ermittlungen im Fall der Entführung Block
Das bundesweite Spionageverfahren entwickelte sich aus Beweismitteln, die im Rahmen eines unabhängigen Strafverfahrens des Landeskriminalamts Hamburg (LKA) sichergestellt wurden. Am 16. September 2025 vollstreckten Hamburger Polizeibeamte Durchsuchungsbeschlüsse in Hannings Wohnhaus und Geschäftsräumen in Nordwalde, während sie Beweise in einem Sorgerechtsfall um die Steakhaus-Erbin Christina Block sammelten. Die Hamburger Staatsanwaltschaft beschuldigt Block, Ende 2023 im Zuge eines anhaltenden Familienstreits die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Die Ermittler befragten Hanning zu dem Verdacht der Beteiligung an einem separaten, früheren Versuch, die Kinder zu entführen – ein Vorwurf, den er öffentlich bestreitet. Bei der anschließenden technischen Auswertung der bei der Durchsuchung im September 2025 beschlagnahmten elektronischen Datenträger entdeckten die Hamburger Ermittler die auf den Geräten gespeicherten Verschlusssachen des BND. Die Hamburger Landespolizei übergab die elektronischen Erkenntnisse an die Bundesanwaltschaft, was die gemeinsame BKA-Operation auslöste, die zu den Festnahmen führte.


