
Nepalesischer Bergführer Dawa Sherpa überlebt sechs Tage allein auf dem Everest – ohne Sauerstoff, mit Eis und Schokolade
Der 57-jährige Dawa Sherpa wurde am 4. Juni kriechend nahe des Mount-Everest-Basislagers gefunden – sechs Tage, nachdem ihm während des Abstiegs vom Gipfel der Sauerstoff ausgegangen war. Er überlebte, indem er Eis kaute und ein paar Schokoladenstücke aß, die er in seiner Tasche fand.
Gipfelerfolg und Trennung
Dawa Sherpa erreichte am 29. Mai gemeinsam mit dem britischen Bergsteiger Chris Thrall den Gipfel des Mount Everest (8.849 m). Beim Abstieg am darauffolgenden Tag trennten sich die beiden. Thrall sagte der BBC, Sherpa habe sich oberhalb von Lager 3 auf etwa 7.500 Metern hingesetzt, um auszuruhen, „wie er es schon hunderte Male zuvor getan hatte“. Thrall stieg allein 50 bis 100 Meter weiter ab, bevor er auf einen polnischen Bergsteiger in der Gruppe traf, der keinen Sauerstoff mehr hatte und unter schweren Erfrierungen litt.
Sofort richtete sich meine Aufmerksamkeit auf den Schwächsten in der Gruppe. Und in diesem Moment änderte sich alles.
Thrall sagte, als er bei der Hilfe für den polnischen Bergsteiger den Berg hinaufblickte, schien Sherpa sich nicht bewegt zu haben. „Wir hätten seine Stirnlampe sehen müssen“, fügte er hinzu. Sherpas Familie in Kathmandu, die ihn für tot hielt, hatte bereits mit den Totenriten begonnen.
Gestrandet ohne Sauerstoff
Sherpa erzählte dem nepalesischen Dienst der BBC von seinem Krankenhausbett aus, dass er sich nicht verirrt habe. „Als der Sauerstoff zur Neige ging, fiel ich zurück. Als der Sauerstoff alle war, konnte ich nicht mehr gehen“, sagte er. Die ersten beiden Tage verbrachte er ohne Nahrung. „Dann begann ich, Eis zu kauen. Es tat an den Zähnen weh“, berichtete er. Später fand er ein paar Schokoladenstücke und Snacks in seinen Taschen, die er in Wasser tauchte, um sie zu essen.
Ich dachte nicht, dass ich lebend rauskommen würde. Ich dachte, ich würde so sterben.
Sturz in eine Gletscherspalte
Sherpa stürzte in eine Gletscherspalte und war dort zweieinhalb Tage lang gefangen, so zwei Personen, die mit ihm über das Erlebnis sprachen. Eine Lawine spülte Schnee in die Spalte und gab ihm Halt. „Ich stellte mich auf den Schnee, stand auf und schaute nach oben … Ich hatte das Gefühl, dass ich da rauskam“, erzählte er der BBC. Er kletterte heraus, fand ein Seil, ergriff es und setzte den Abstieg fort.
- Dawa Sherpa und Chris Thrall erreichen den Gipfel des Everest (8.849 m).
- Sherpa hält oberhalb von Lager 3 (~7.500 m) an, um sich auszuruhen. Thrall setzt den Abstieg fort. Sherpas Sauerstoff geht zur Neige.
- Sherpa verbringt die ersten zwei Tage ohne Nahrung und beginnt, Eis zu kauen.
- Sherpa stürzt in eine Gletscherspalte und bleibt zweieinhalb Tage lang gefangen.
- Eine Lawine spült Schnee in die Spalte; Sherpa klettert heraus, findet ein Seil und setzt den Abstieg fort.
- Ein SPCC-Aufräumteam findet Sherpa kriechend in der Nähe des Khumbu-Eisfalls. Ein Hubschrauber bringt ihn ins Krankenhaus nach Kathmandu.
Rettung und Genesung
Sherpa bewegte sich tagelang gehend und kriechend Richtung Basislager. Am Morgen des 4. Juni entdeckte ihn ein Team des Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC), das Routen instand hält und Müll auf dem Everest beseitigt, kriechend in der Nähe des Khumbu-Eisfalls. Er wurde erschöpft, dehydriert, mit erfrorenen Fingern und einem Beinbruch aufgefunden. Ein Hubschrauber brachte ihn in ein Krankenhaus in Kathmandu, wo er behandelt wird.
Ich suchte nach Seilen, dann fand ich eines. Ich ergriff es und ging … Endlich konnte ich absteigen.
## Nachwirkungen Sherpa, der den Spitznamen „Hillary“ nach dem legendären Bergsteiger Edmund Hillary trägt, erholt sich von Dehydrierung, Erfrierungen und einem Beinbruch. Sein Überleben nach sechs Tagen allein in der „Todeszone“, in der der Sauerstoffgehalt extrem niedrig ist, hat internationale Aufmerksamkeit erregt. Chris Thrall sieht sich Kritik ausgesetzt, weil er seinen Kletterpartner in dieser Höhe zurückgelassen hat.


