Eurowings prüft Kurzarbeit und streicht Flüge wegen explodierender Kerosinkosten
Die Lufthansa-Tochter verhandelt mit der Bundesagentur für Arbeit über Kurzarbeit im Winter. Die ersten Dubai-Flüge ab Köln und Stuttgart wurden bereits gestrichen, weil die Kerosinkosten in diesem Jahr fast 250 Millionen Euro über dem Budget liegen.
Kurzarbeit wird geprüft
Eurowings prüft, ob die Voraussetzungen für vorübergehende Kurzarbeit im deutschen Flugbetrieb im Winter vorliegen. Die Lufthansa-Tochter bestätigte die Prüfung am Freitag, 16. Oktober, nachdem Der Spiegel zuerst über den Plan berichtet hatte. In einem Schreiben an die Belegschaft, das Reuters vorliegt, heißt es, die Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit liefen bereits. Wie viele Beschäftigte betroffen wären, geht aus dem Schreiben nicht hervor, und die Airline hat keine Zahl zum möglichen Umfang der Kurzarbeit genannt. Eine Sprecherin formulierte die Prüfung mit den Worten des Unternehmens:
Wir prüfen derzeit, ob die Voraussetzungen für vorübergehende Kurzarbeit im deutschen Flugbetrieb im Winter erfüllt sind.
Flugstreichungen und Kostendruck
Die ersten Opfer sind die Dubai-Verbindungen ab Köln und Stuttgart, die gerade erst gestartet waren. Berlin wird das Golf-Drehkreuz weiterhin bedienen, weitere Kürzungen dürften eher einzelne Frequenzen als ganze Strecken treffen. Im Management-Schreiben heißt es, die Airline werde insgesamt rund 5 % ihres geplanten Programms streichen, dazu Kürzungen in der Verwaltung. Treiber sind die Kerosinkosten: Das Schreiben beziffert sie für dieses Jahr auf fast 250 Millionen Euro über dem Budget. Focus berichtet, der Preis habe sich seit Beginn des Konflikts Anfang März zeitweise mehr als verdoppelt, ein Barrel habe vor dem Konflikt 85 bis 90 Dollar gekostet und Anfang April 209 Dollar. Air Baltic und Volotea beantragten im September beide Gläubigerschutz.
- Kerosinpreis erreicht Anfang April laut Focus 209 Dollar pro Barrel
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- Eurowings bestätigt, dass Kurzarbeit für den Winter geprüft wird
Gewerkschaften reagieren
Der Spiegel berichtete, dass die Vereinigung Cockpit, die Pilotengewerkschaft, und Ver.di, die das Kabinenpersonal vertritt, die Prüfung gegenüber dem Magazin bestätigten. Ver.di will bei der Ausgestaltung der Kurzarbeit mitreden und besteht darauf, dass Zahlungen der Arbeitsagentur bei Bedarf aufgestockt werden. Deren Sekretär Marvin Reschinsky verwies auf die Finanzen des Unternehmens und sagte:
Auch Lufthansa macht derzeit insgesamt Gewinn.
Der stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung Cockpit, Oliver Löwe, hatte zuvor kritisiert, dass der Lufthansa-Konzern für eine Minderheitsbeteiligung an der portugiesischen TAP eine kostspielige Prämie zahlt. Er argumentierte, der Konzern könne der Belegschaft nicht erklären, harte Einschnitte seien unvermeidlich, während er eine solche Übernahme tätige.
Weitere Einsparungen und Ausblick
Eurowings fährt ein kurzfristiges Programm namens Ebit Now, um Kosten vor Jahresende zu senken. Ein Transformationsprogramm namens Ewolut soll die Verwaltung bis Ende 2028 um 100 Vollzeitstellen verkleinern. Die Airline verhandelt zudem Verträge mit Dienstleistern neu, darunter Catering und Wet-Lease, und die geplante Firmenweihnachtsfeier soll gestrichen werden. Im Schreiben heißt es, die Flüge seien weiterhin gut gebucht, doch die Lücke zwischen Erlösen und Kosten werde in den traditionell schwierigen Wintermonaten größer. Es fügt hinzu, für 2027 sei keine Entlastung in Sicht, solange die Kerosinpreise auf Rekordniveau blieben. Das Management schreibt:
Das beste Sparprogramm gegen Rekord-Kerosinkosten sind neue, treibstoffeffiziente Flugzeuge.
Dasselbe Schreiben warnt, die kommenden Monate würden hart.
