Neue EU-Zollgebühr auf Billigimporte wird Temu und Shein wahrscheinlich nicht bremsen, Logistik passt sich an
Eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro auf low-wertige Importe aus China trat am 1. Juli in Kraft, doch Logistikunternehmen und Handelsverbände sagen, dass sie das rasante Wachstum von Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress nicht stoppen wird.
Neue Zollgebühr
Seit dem 1. Juli unterliegen alle Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern mit einem Wert unter 150 Euro einer pauschalen Zollgebühr von 3 Euro pro Produktgruppe. Die Maßnahme soll für einen fairen Wettbewerb für europäische Einzelhändler sorgen und den Binnenmarkt stärken.
Marktanteil steigt
Asiatische Shopping-Plattformen bauen ihre Präsenz weiter aus. Im zweiten Quartal 2026 eroberten Temu, Shein und AliExpress zusammen 5,3 % aller Online-Einzelhandelsumsätze in Deutschland – der höchste jemals gemessene Anteil. Ihre kombinierten Einnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 %, so der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh).
Logistik passt sich an
Die DHL Group erwartet nur kurzfristige Auswirkungen der neuen Regeln. Größere Online-Händler stellen bereits auf neue Logistikmodelle um: Waren werden in konsolidierten Sendungen in die EU importiert, verzollt und dann an Kunden in ganz Europa verteilt. Das Unternehmen erklärte, es sei nur wenige Tage nach Inkrafttreten der Regel zu früh, um eine Veränderung des Sendungsaufkommens zuverlässig zu bewerten.
Drehkreuz Leipzig/Halle
Der Flughafen Leipzig/Halle hat sich zu einem wichtigen Knotenpunkt für den chinesischen E-Commerce entwickelt. „Vor allem das wachsende E-Commerce-Geschäft aus China führt zu steigenden Frachtmengen“, sagte Flughafensprecher Uwe Schuhart. Zwei auf grenzüberschreitenden Online-Handel spezialisierte Logistikfirmen, Shaoke und QT Logistics, haben sich kürzlich am Standort niedergelassen. Kurzfristig erwartet der Flughafen einen Rückgang des Frachtaufkommens im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Mittelfristig werden sich die Lieferketten anpassen und mehr Waren in großen Mengen in die EU eingeführt, bevor sie weiterverteilt werden. Die DHL Group stellt fest, dass nur ein kleiner Teil der Bestellungen von Temu oder Shein über ihr Express-Hub in Leipzig läuft; die meisten gelangen per Seefracht oder über Lagerhäuser in Polen und Tschechien.
Reaktion des Handels
Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßte die Gebühr als „ein vernünftiges Signal für mehr Chancengleichheit im europäischen Handel“, warnte jedoch, dass sie nicht ausreiche.
Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE, sagte, unsichere Produkte, falsch deklarierte Waren und Verstöße gegen EU-Verbraucher-, Umwelt- und Sicherheitsstandards würden weiterhin auf den Markt gelangen. Wie stark die neuen Regeln das Verbraucherverhalten beeinflussen werden, bleibt unklar.Die Zollgebühr gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann keine wirksame Marktüberwachung ersetzen.
- Die pauschale Zollgebühr von 3 Euro pro Produktgruppe tritt für Nicht-EU-Importe unter 150 Euro in Kraft.
- Temu, Shein und AliExpress erobern 5,3 % der deutschen Online-Umsätze, ein Plus von über 20 % im Jahresvergleich.
- Der Flughafen Leipzig/Halle erwartet einen Rückgang der Frachtmenge im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich.
- Lieferketten passen sich an; Waren werden in großen Mengen in die EU importiert und dann innerhalb Europas verteilt.


