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EU verhängt Rekordstrafe von 200 Millionen Euro gegen Temu wegen Verstößen gegen das Digitale-Dienste-Gesetz – Versäumnisse bei der Bekämpfung illegaler und gefährlicher Produkte

Die Europäische Kommission hat gegen die chinesische E-Commerce-Plattform Temu eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro verhängt, die höchste je nach dem Gesetz über digitale Dienste verhängte Strafe. Grund ist das systemische Versäumnis, den Verkauf gefährlicher Artikel wie giftige Babyspielzeuge und unsichere Ladegeräte zu verhindern.

Die Europäische Union hat gegen den chinesischen Online-Marktplatz Temu eine Rekordstrafe von 200 Millionen Euro wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verhängt. Die am Donnerstag verkündete Strafe ist die bislang bedeutendste Durchsetzungsmaßnahme im Rahmen der Flaggschiff-Tech-Regulierung des Blocks und übertrifft die im letzten Jahr gegen das soziale Netzwerk X von Elon Musk verhängte Strafe von 120 Millionen Euro.

Systemische Mängel bei der Risikobewertung

Die Europäische Kommission kam zu dem Schluss, dass Temu es versäumt habe, die systemischen Risiken durch illegale Produkte auf seiner Plattform angemessen zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten. Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der EU-Kommission für technologische Souveränität, erklärte, dass Temus Risikobewertung konkrete Gefahren unterschätze, zu unspezifisch sei und nicht auf soliden Belegen beruhe. Die Kommission befand den vom Unternehmen vorgelegten jährlichen Risikobericht für unzureichend, da er sich auf allgemeine Branchendaten stützte, statt auf die spezifischen Bedingungen auf der eigenen Plattform.

Die Risikobewertung von Temu unterschätzt konkrete Gefahren, ist zu unspezifisch, beruht nicht auf soliden Belegen und ist nicht umfassend.

Alarmierende Ergebnisse von Testkäufen

Um ihren Fall zu untermauern, beauftragte Brüssel ein unabhängiges Unternehmen mit verdeckten Einkäufen, gefolgt von Labortests an zufällig ausgewählten Artikeln. Die Ergebnisse waren eindeutig. Ein sehr hoher Prozentsatz der ausgewählten Ladegeräte fiel bei grundlegenden Sicherheitstests durch und birgt Risiken von Überhitzung, Brand oder Stromschlag. Ein hoher Prozentsatz der getesteten Babyspielzeuge wies mittlere bis hohe Sicherheitsrisiken auf, entweder weil sie chemische Substanzen enthielten, die über den zulässigen Grenzwerten lagen, oder weil sie abnehmbare Teile aufwiesen, die eine Erstickungsgefahr darstellten. Auch Schmuck mit unzulässigen chemischen Substanzen wurde beanstandet. Diese Ergebnisse wurden durch Zollkontrollen der Mitgliedstaaten und die europäische Marktüberwachungsdatenbank bestätigt.

Produktkategorien, die bei EU-Sicherheitstests durchfallen · % of tested items
Ladegeräte
85 % of tested items
Babyspielzeug
75 % of tested items
Schmuck
60 % of tested items

Temus Verteidigung und Auflagen

Temu, das je nach Quelle zwischen 92 und 130 Millionen Nutzer in der EU hat, bezeichnete die Strafe als „unverhältnismäßig“ und argumentierte, dass die Entscheidung auf seiner Risikobewertung von 2024 beruhe und nicht den aktuellen Stand seiner Systeme widerspiegele. Das Unternehmen erklärte, es respektiere die Notwendigkeit klarer Regeln, prüfe die Entscheidung jedoch sorgfältig und behalte sich alle Optionen vor. Neben der Geldstrafe muss Temu bis zum 28. August 2026 einen Korrekturmaßnahmenplan vorlegen. Bei Nichterfüllung drohen zusätzliche tägliche, wöchentliche oder monatliche Strafen.

Wir sind mit der Entscheidung der Europäischen Kommission nicht einverstanden und halten die Geldstrafe für unverhältnismäßig. Die Entscheidung bezieht sich auf das Jahr 2024 und spiegelt nicht den aktuellen Stand wider.

Temu

Breitere Untersuchung läuft weiter

Die Geldstrafe von 200 Millionen Euro, die weniger als 1% des Jahresumsatzes der Muttergesellschaft PDD Holdings in Höhe von 53 Milliarden Euro ausmacht, ist nur das erste Kapitel der EU-Untersuchung. Die Kommission prüft weiterhin den tatsächlichen Verkauf illegaler Produkte sowie das möglicherweise „süchtig machende Design“ der Plattform, das darauf abzielt, Verbraucher zu binden. Der Vorsitzende des tschechischen Handelsverbands, Tomáš Prouza, begrüßte die Geldstrafe, bestand aber darauf, dass nun auch nationale Behörden wie die Tschechische Handelsinspektion Maßnahmen ergreifen müssten, um die Regeln durchzusetzen.

Zeitleiste der EU-Untersuchung gegen Temu
  1. EU-Kommission leitet formelle Untersuchung gegen Temu ein.
  2. Voruntersuchung kommt zu dem Schluss, dass Temu gegen zentrale DSA-Regeln verstoßen hat.
  3. Kommission verhängt Geldstrafe von 200 Millionen Euro und fordert einen Korrekturmaßnahmenplan.
  4. Frist für Temu zur Vorlage des Korrekturmaßnahmenplans.
Brüssel

8 Quellen

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