Daimler-Truck-CEO warnt: EU-CO2-Regeln könnten Gewinn der Lkw-Sparte auslöschen, da Elektro-Lkw-Absatz stockt
Karin Rådström sagt, dass das Verfehlen der CO2-Ziele für 2030 um zehn Prozentpunkte den gesamten operativen Gewinn von Mercedes-Benz Trucks auslöschen würde, während der Anteil der Elektro-Lkw in Europa bei 2% verharrt.
Die regulatorische Lücke
Schwere Nutzfahrzeuge verursachen laut EU-Kommission mehr als 25 % der Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs in der EU und über 6 % der Gesamtemissionen. Das EU-Ziel für 2030 sieht eine Reduzierung der CO2-Emissionen neuer Lkw um 43 % gegenüber 2019 vor. Um dies zu erreichen, müssten laut Berechnungen von Karin Rådström etwa 35 % aller neu zugelassenen schweren Lkw in Europa im Jahr 2030 batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betrieben sein. 2025 waren nur 2 % der verkauften schweren Lkw elektrisch. Die Lücke, so sagte sie, sei eine wirklich große Herausforderung.
Wenn die CO2-Regulierung unverändert bleibt, verspielt Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie.
Rådström, die auch den Nutzfahrzeugausschuss des europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA) leitet, gab das Interview in Berlin. Sie sagte, sie sei nicht sicher, ob die Politiker die Dringlichkeit erfasst hätten.
Gewinn in Gefahr
Für jeden Prozentpunkt, um den Daimler Truck das CO2-Ziel verfehlt, würde das Unternehmen etwa 120 Millionen Euro zahlen. Ein Verfehlen um zehn Prozentpunkte würde den gesamten operativen Gewinn des Segments Mercedes-Benz Trucks auslöschen, warnte Rådström.
Wenn wir die Ziele um zehn Prozentpunkte verfehlen, werden wir mit dem Segment Mercedes-Benz Trucks praktisch kein Geld verdienen.
Die Sparte erzielte 2025 einen operativen Gewinn von 698 Millionen Euro, nach 922 Millionen Euro im Jahr 2024, bei einem Umsatz von jeweils rund 20 Milliarden Euro. Die Strafzahlungsstruktur in Kombination mit dem stagnierenden Absatz von E-Lkw bedeute, dass die Industriestruktur direkt gefährdet sei, argumentierte sie.
- 2024
- 922 Mio. €
- 2025
- 698 Mio. €
Infrastruktur- und Kostenhürden
Das größte Hindernis, so Rådström, seien nicht die Fahrzeuge selbst, sondern das Ladenetz.
Das größte Problem bleibt die Infrastruktur und das Laden.
Selbst Kunden, die auf Elektro umsteigen wollen, sind sich nicht sicher, ob sie entlang ihrer Routen laden können. Eine zweite Hürde ist die Kostenparität mit Dieselfahrzeugen. Da Diesel als Energiequelle relativ günstig bleibt, sehen Kunden, die mit sehr geringen Margen arbeiten, Elektro-Lkw als teures Experiment.
Diesel ist vergleichsweise keine teure Energiequelle.
In den meisten Fällen sei Diesel für den Käufer wirtschaftlich noch sinnvoll, so Rådström.
Forderung nach einem Realitätscheck
Rådström fordert eine Überprüfung der EU-CO2-Regulierung, die die Zielvorgaben an die Verfügbarkeit der Infrastruktur knüpft und einen schnelleren Ausbau der Ladepunkte erzwingt.
Wir fordern eine Überprüfung der CO2-Regulierung. Das muss ein Realitätscheck sein.
Sie sagte, es sei noch zu früh zu sagen, dass die Ziele geändert werden müssten, aber angesichts des schleppenden Infrastrukturausbaus und der Zurückhaltung wichtiger EU-Mitgliedstaaten bei der Einführung CO2-basierter Lkw-Mautdifferenzierung sei klar, dass die Industrie mehr Zeit brauche, um die Ziele für 2030 zu erreichen. Die Warnung, die am 12. Juli 2026 von dem im Dax notierten Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart ausgesprochen wurde, setzt Brüssel unter Druck, genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Countdown beginnt.


