
EU-Parlament leitet Prüfung der europäischen Parteienfamilie der AfD wegen Werteverstößen ein
Das Europäische Parlament hat am Dienstag eine formelle Prüfung der Partei „Europa der souveränen Nationen“ (ESN), zu der auch die deutsche AfD gehört, wegen möglicher Verstöße gegen die Grundwerte der EU eingeleitet. Das Verfahren könnte der Partei Millionen an EU-Mitteln entziehen.
Die Abstimmung
Am Dienstag in Straßburg beauftragte das Europäische Parlament mit klarer Mehrheit die Behörde für europäische politische Parteien und Stiftungen (APPF) mit einer formellen Prüfung der Partei „Europa der souveränen Nationen“ (ESN). Die Abstimmung erfolgte auf Antrag rechter Gruppen geheim, mit 414 Stimmen dafür, 224 dagegen und 18 Enthaltungen. Die ESN ist eine 2024 gegründete europäische politische Partei, der die deutsche Alternative für Deutschland (AfD) sowie Parteien aus mehreren anderen Mitgliedstaaten angehören.
Was die Prüfung beinhaltet
Die APPF wird untersuchen, ob die ESN die Grundwerte der EU gemäß Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union einhält: Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenrechte. Stellt die Behörde einen schwerwiegenden und anhaltenden Verstoß fest, kann sie die ESN aus dem Register der europäischen Parteien streichen. Dies würde der Partei den Zugang zu EU-Mitteln abschneiden, die für 2025 und 2026 drei Millionen Euro betragen. Das Verfahren betrifft weder die separate ESN-Fraktion im Parlament noch verbietet es Mitgliedsparteien die Teilnahme an Europawahlen.
- ESN wird gegründet und als europäische politische Partei registriert
- Aufsichtsbehörde legt 300-seitiges Dossier den EU-Institutionen vor
- Europäisches Parlament stimmt mit 414 zu 224 für die Einleitung einer formellen Prüfung
Konkrete Vorwürfe
Der Prüfung geht ein fast 300-seitiges Dossier voraus, das die Aufsichtsbehörde im Mai an die EU-Institutionen übermittelte. Das Dossier äußert Bedenken, dass die ESN die EU-Werte unter ihren nationalen Mitgliedsparteien nicht durchgesetzt habe – eine Verpflichtung, die Ende 2025 eingeführt wurde. Zu den genannten Vorfällen gehört ein im letzten Jahr zwischen der bulgarischen Partei Wiedergeburt und dem unter EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges stehenden Russland Einiges Russland unterzeichneter Kooperationsvertrag. Das Dossier verweist auch auf eine Demonstration im Februar 2025 in Sofia, bei der Parteianhänger die Büros der Europäischen Kommission und des Parlaments angriffen, sowie auf die strafrechtliche Verurteilung des Wiedergeburt-Vorsitzenden Kostadin Kostadinow wegen Diskriminierung eines Abgeordneten. Weitere Verdachtsfälle betreffen Mitgliedsparteien aus Frankreich, Litauen, den Niederlanden, Polen und der Slowakei.
Reaktionen
Die ESN weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, dass die Prüfung ein Versuch sei, ein euroskeptisches Bündnis an den Rand zu drängen. Die Partei setzt sich für ein Europa souveräner Nationalstaaten ein und lehnt weitere Machtübertragungen nach Brüssel ab. Die Untersuchung der APPF ist das erste formelle Prüfverfahren in der Geschichte der Behörde.Dies ist ein politisch motivierter Versuch, eine Oppositionsparteienfamilie auszuschließen.


