
Zwei ehemalige italienische Geheimdienstmitarbeiter in Rom festgenommen – sie sollen Staatsgeheimnisse an Russland verkauft haben; vier aktive Soldaten unter Verdacht
Die italienische Carabinieri haben am Dienstag in Rom zwei ehemalige Geheimdienstmitarbeiter festgenommen. Sie werden beschuldigt, einem russischen Diplomaten gegen Bargeld Staatsgeheimnisse verkauft zu haben. Vier aktive Soldaten stehen ebenfalls unter Verdacht, geheime Informationen weitergegeben zu haben.
Die Festnahmen
Carabinieri-ROS-Beamte umstellten in der Nacht ein Wohnhaus in Rom und brachen die Türen auf, um Gavino Raoul Piras (59) und Vincenzo di Pasquale (59) festzunehmen. Beide sind ehemalige Carabinieri, die jahrelang in den italienischen Geheimdiensten tätig waren und sich auf Spionage und Spionageabwehr spezialisiert hatten. Sie wurden wegen Spionage, unbefugten Zugriffs auf Computersysteme und Preisgabe von Staatsgeheimnissen festgenommen.
Spionagehandwerk im Park
Die Ermittler dokumentierten eine wenig technische Vorgehensweise: Die Verdächtigen gaben Informationen auf handschriftlichen Notizen weiter, die bei Treffen auf Parkbänken oder in Bars ausgetauscht wurden. Telefone wurden in einer Mikrowelle versteckt, und digitale Speicherkarten wurden in einem Riss in einer Straßenmauer verborgen. Piras, der Hauptverdächtige, war der alleinige Kontakt zu dem russischen Betreuer, einem mutmaßlichen Geheimdienstoffizier, der unter diplomatischer Deckung an der russischen Botschaft in Rom arbeitete. Laut den Ermittlungen war jedes Stück Geheiminformation mit 4.000 Euro in bar bepreist.
Das Netzwerk
Piras soll die Geheimnisse über sechs Quellen erhalten haben, vier davon Militärangehörige, die noch im aktiven Dienst sind und laut Carabinieri „äußerst sensible Posten“ bekleiden. Diese vier sowie eine fünfte Person werden verdächtigt, Nachrichten beschafft zu haben, die die Staatssicherheit betreffen, politische oder militärische Spionage betrieben und verbotene Informationen preisgegeben zu haben. Die beiden Festgenommenen hatten die Geheimdienste 2012 bzw. 2013 verlassen, behielten aber Zugang zu sensiblen Kreisen.
- Carabinieri ROS leiten Ermittlungen nach einem Spionageabwehr-Hinweis von AISI ein.
- Festnahmen von Gavino Raoul Piras und Vincenzo di Pasquale in Rom.
Offizielle Reaktion
Verteidigungsminister Guido Crosetto gratulierte den Ermittlern in einer Erklärung und warnte, dass es keine Toleranz gegenüber denen geben könne, die die nationale Sicherheit gefährdeten. In den sozialen Medien bezeichnete er die Operation als Teil eines „hybriden Konflikts“ Russlands, der darauf abziele, Institutionen, Bündnisse und die Sicherheit zu schwächen.
Es darf keine Toleranz gegenüber denen geben, die die Sicherheit der Republik beeinträchtigen oder gefährden, insbesondere wenn Personen in verantwortungsvollen Positionen betroffen sind.
Der Hauptverdächtige
Gavino Raoul Piras, ursprünglich aus Sassari auf Sardinien, hatte sich nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst als unabhängiger Geheimdienstanalyst präsentiert. 2012 wurde er mit der Legion of Merit der Vereinigten Staaten für seine Arbeit in Afghanistan und im Irak ausgezeichnet. Er besuchte die NATO-Schule in Oberammergau, Deutschland, und verfasste mehrere Bücher, darunter einen Band von 2011 über die Russische Föderation in den internationalen Beziehungen. Die Ermittlungen, die im Mai 2025 nach einem Hinweis des Inlandsgeheimdienstes AISI eingeleitet wurden, werden von der stellvertretenden Staatsanwältin Antonella Masala des Militärstaatsanwalts, dem Militärstaatsanwalt Enrico Peluso und der stellvertretenden Staatsanwältin Lucia Lotti der Staatsanwaltschaft Rom koordiniert.


