EU führt 3-Euro-Abgabe auf günstige Nicht-EU-Pakete ein; Polen warnt vor Smishing-Welle
Eine neue EU-Zollregelung tritt am 1. Juli in Kraft und beendet die Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro aus dem Nicht-EU-Ausland. Der staatliche polnische Postbetreiber warnt, dass die Änderung von Betrügern ausgenutzt wird, die per SMS gefälschte Zahlungsaufforderungen versenden.
Warum die EU die Zollfreigrenze abschafft
Die Zollbefreiung der EU für Pakete im Wert unter 150 Euro wurde vor Jahrzehnten eingeführt, als Online-Shopping noch sporadisch war. Im Jahr 2025 gelangten 5,9 Milliarden zollfreie Pakete aus dem Nicht-EU-Ausland in die EU, was 97 % aller Importe nach Stückzahl, aber nur 2 % nach Wert ausmachte. Viele wurden von chinesischen Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress versendet. Die Europäische Kommission merkte an, dass Unternehmen Waren bewusst unterbewerteten oder Bestellungen aufteilten, um unter der 150-Euro-Grenze zu bleiben. Produkte aus Asien erfüllen häufig nicht die EU-Sicherheitsstandards, wozu problematische Artikel wie Kosmetika, Kinderspielzeug, Nahrungsergänzungsmittel und Schutzhelme zählen.
Was die neue Regelung für Käufer bedeutet
Ab dem 1. Juli 2026 unterliegt jeder Artikel in einem Paket aus dem Nicht-EU-Ausland einer pauschalen Zollgebühr von 3 Euro. Dies ersetzt das alte System, bei dem Waren bis zu einem Wert von 150 Euro befreit waren. Da die Abgabe pro Artikel erhoben wird, würde ein Paket mit drei Artikeln Gebühren von 9 Euro nach sich ziehen. Die Gebühr ist vorübergehend und überbrückt die Zeit, während Brüssel eine vollständige digitale Zollinfrastruktur aufbaut. Sie gilt bis zum 1. Juli 2028, wenn die EU sie voraussichtlich durch reguläre Zölle auf der Grundlage des Werts und des Ursprungs jedes Artikels ersetzen wird. Eine separate Bearbeitungsgebühr soll im November 2026 von den nationalen Zollämtern eingeführt werden, deren Höhe jedoch noch nicht festgelegt wurde. Einige Mitgliedstaaten hatten bereits eigene Zollgebühren erhoben, die im Rahmen der neuen Regelung entfallen.
Wie dies mit der umfassenderen Zollreform zusammenhängt
Die 3-Euro-Gebühr ist Teil einer umfassenderen Reform, die erstmals 2023 vorgeschlagen wurde. Der EU-Zoll wickelt derzeit durchschnittlich 16 Millionen Pakete pro Tag ab, eine enorme Belastung, die eine Überprüfung jedes Pakets nahezu unmöglich macht. Das Endziel ist eine zentralisierte E-Commerce-Datenplattform, die angemessene Zölle erheben wird. Bis dahin soll die Pauschalgebühr die Flut billiger Importe eindämmen und einen Mindestbeitrag pro Artikel sicherstellen.
- Die Europäische Kommission schlägt die Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze für Nicht-EU-Pakete vor
- Die vorübergehende Pauschalgebühr von 3 Euro pro Artikel tritt in Kraft
- Einführung einer Zollbearbeitungsgebühr für die Paketabfertigung erwartet
- Die befristete Gebühr läuft aus; vollständige Zollreform mit wertabhängigen Zöllen geplant
Polen warnt vor einer Smishing-Welle
Die Poczta Polska, der staatliche Betreiber, der täglich 300.000 Pakete bearbeitet, weist Kunden darauf hin, dass die Regeländerung eine Gelegenheit für Betrüger schafft. Der Betrug funktioniert, indem eine SMS gesendet wird, die behauptet, ein Paket sei angehalten worden und benötige eine kleine Zahlung, mit einem Link, der zu einer gefälschten Website führt, die darauf ausgelegt ist, Bankzugangsdaten zu stehlen.
Die von Kriminellen angewandte Methode besteht darin, ein Gefühl der Dringlichkeit zu erzeugen, und die von ihnen gesendeten Nachrichten deuten auf die Notwendigkeit einer schnellen Reaktion hin. Der geringe Betrag der angeblichen Nachgebühr, den die Betrüger nennen, senkt die Wachsamkeit zusätzlich. In Wirklichkeit kann das Anklicken des Links zu Geldverlust oder zur Übernahme von Online-Banking-Zugangsdaten führen.
Das Unternehmen betont, dass es niemals SMS mit Zahlungslinks versendet. Kunden sollten jede Aufforderung überprüfen, indem sie den Paketstatus direkt auf der offiziellen Website des Zustellers prüfen.
Wie man eine gefälschte Nachricht erkennt
Cybersicherheitsexperten empfehlen, Links in SMS von unbekannten Absendern zu ignorieren und niemals Kreditkartendaten oder Bankzugänge auf einer Seite einzugeben, die über einen solchen Link erreicht wurde. Wenn eine Nachricht damit droht, dass ein Paket zurückgehalten wird, sofern nicht schnell eine Zahlung erfolgt, ist diese Dringlichkeit ein Warnsignal. Besondere Vorsicht ist jetzt geboten, da die neue Zollgebühr in Kraft ist und Betrüger die Verwirrung ausnutzen können.


